Yamarin 76 DC

29.05.2013 Sebastian Gollasch - Alles inklusive: Die Yamarin 76 DC ist serienmäßig schon üppig ausgestattet. Wir fuhren den finnischen Daycruiser zum Test auf dem Main.

Yamarin 76 DC
© Morten Strauch
Yamarin 76 DC

Beim Kauf eines neuen Bootes schaut man gemeinhin zuerst auf Länge und Preis und prüft, ob das persönliche Budget nicht überschritten wird. Doch ein Standardboot ist in vielen Fällen nur spärlich bestückt; das eine oder andere Teil von der Aufpreis-Liste muss mitbestellt werden, um das Boot vernünftig nutzen zu können und schon klettert der Gesamtpreis in die Höhe.

Nicht so bei der Yamarin 76 DC. Hier ist die Serienausrüstung mit Bugstrahlruder, Cabrioverdeck, Scheibenwischer, Sitz- und Sonnenliegenpolster, Teakboden, Wallas-Kocher und Trimmklappen sehr umfangreich und der Grundpreis gleich entsprechend höher. Wenn diese Ausstattung dennoch nicht reicht, hat man die Möglichkeit, weiteres Zubehör von der nur wenige Positionen enthaltenden Optional-Liste zu ordern.

Fahren und Manövrieren

Als Fahrgebiet hat die Werft die 76 DC nach CE-Kategorie C, also für küstennahe Gewässer, zertifiziert. Beim Antrieb empfiehlt Yamarin Außenborder zwischen 150 und 300 PS. An unserem Testboot ist ein 250 PS starker V6-Viertaktmotor von Yamaha installiert. Der Lenkbefehl des Fahrers wird direkt über die hydraulische SeaStar-Lenkung an den Motor weitergegeben. Beim maximalen Einschlagwinkel muss bei dem von uns gefahrenen Boot die Grundeinstellung nachgebessert werden, weil der Motordeckel seitlich an die Badeplattform schlägt.

Manövrieren lässt sich die Yamarin auch in kleinen Häfen gut. Verantwortlich dafür sind Drehkreise von 1 ½ Bootslängen vorwärts über Steuer- und Backbord sowie die geringe Reaktionsdauer von 1 bis 3 s beim Umsteuern mit rückwärts eingekuppeltem Getriebe. Kursstabil und mit geringer Wellenbildung unterwegs ist man mit der Yamarin bis 6 kn. Dabei ist es unerheblich, ob jemand an Bord seinen Platz wechselt oder umherläuft. Auch der Fahrwinkel (Längstrimm) verändert sich nur wenig, wenn das Boot von Verdränger- in Gleitfahrt wechselt. Während des ganzen Vorgangs bleibt die Voraussicht ohne Sichtbehinderung erhalten.

Selbstverständlich gehört dabei der Motor ganz an den Spiegel getrimmt; vergisst der Fahrer das und beschleunigt mit Fahr-Trimm, steigt der Bug höher, und der Übergang dauert länger – jedoch wird auch dann die Voraussicht nicht vom Bug verdeckt. Kleinste Gleitfahrt messen wir bei 2800/min ohne Unterstützung der serienmäßigen Trimmklappen. Im Volllastbereich dreht der Motor laut Drehzahlmesser maximal 5800/min und bringt das Testboot auf eine Höchstgeschwindigkeit von 46 kn. Dabei laufen 1,87 l/sm durch die Kraftstoffleitung. Akustisch bemerkbar macht sich der F250D dabei mit geringen 85 dB/A.

Wirtschaftlich läuft die Yamarin 76 DC in Kombination mit dem Yamaha, wenn das Multifunktionsdisplay des Motors 3500/min anzeigt. Gleichzeitig liest man auf dem GPS eine Geschwindigkeit von 24 kn. Eine Tankfüllung reicht in diesem Fall für eine Fahrstrecke von 136 sm, bis die Reserve angebrochen wird. Längere Strecken legt man nur in Verdrängerfahrt bei Kanalgeschwindigkeit zurück. – Relativ kurz ist das Vergnügen bei Vollgas: Tanken wird dann bereits nach 86 sm (plus 15 % Reserve) notwendig. Das entspricht einer Fahrzeit von nicht ganz zwei Stunden.

Beim Manövrieren in schneller Gleitfahrt sorgt die Yamarin 76 DC für ein "positives Fahrerlebnis". In immer enger werdenden Kreisen neigt sich das Boot leicht zum Kurvenmittelpunkt, wobei sich der Rumpf ohne Schaukeln und Haken selbst auf kleinste Gleitfahrt abbremst. Stellt man das Steuer wieder auf "geradeaus", beschleunigt das Boot, ohne zu ventilieren.

Hat man vor dem Einfahren in die Kurve vergessen, den Trimmschalter zu betätigen und den Motor an den Spiegel zu trimmen, fängt der Propeller schnell an zu ventilieren, und das Boot schaukelt leicht und ungefährlich über die Längsachse. Dank der direkten und in dieser Situation ebenfalls leichtgängigen Lenkung fährt man die 180°-Wenden unspektakulär wie gewöhnliche Kurven. Das gilt ebenso für das Verreißen des Steuers bei Höchstgeschwindigkeit; die Yamarin gleitet absolut sicher über den imaginären Slalomkurs.

Der Main zeigte sich am Testtag spiegelglatt, sodass zur Beurteilung der Rauwassereigenschaften Binnenschifferwellen herhalten mussten. Diese durchfährt der Rumpf sauber und setzt sanft ein. Spritzwasser verteilt der Bug seitlich, ohne dass es ins Boot getragen wird.

Fahrer und Beifahrer nehmen gemeinsam auf einer bequemen Bank mit leicht abgesetzten Sitzflächen Platz. Um mehr Platz beim stehenden Fahren zu haben – oder einfach um höher zu sitzen –, kann man den vorderen Teil der Sitzfläche hochklappen. Für einen weiteren Beifahrer haben die finnischen Bootsbauer einen Sitz in die Cockpitseitenwand zwischen der Pantry und dem Niedergang eingearbeitet. Alle anderen Gäste nehmen im hinteren Teil des Cockpits auf der U-förmigen Sitzbank Platz. Der Arbeitsbereich des Fahrers ist ergonomisch gut gestaltet und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Motor, Tank, Elektrik

Leistungen von 250 PS sind für moderne Außenborder kein Problem. Die Anordnung der Zylinder übereinander sorgt für Servicefreundlichkeit und kompakte Baumaße. Innenborder in der gleichen Leistungsklasse benötigen mehr Platz und haben ein Gewichtsproblem gegenüber den Außenbordern, was sich spätestens beim Trailergewicht zeigt.

Der 190 l fassende Kunststoff-Kraftstofftank und ein serienmäßiger Vorfilter mit Wasserabscheider sind unter dem Cockpitboden im Heck untergebracht. Einen separaten Kraftstoffhahn haben wir nicht gesehen, wohl aber zwei stabil gehalterte Batterien und ein davor angeordnetes Elektrikpaneel mit Automatiksicherungen und Batteriehauptschalter im linken Cockpitstaukasten. Die Zugänglichkeit ist, wie man es von skandinavischen Booten erwartet, gut. Für Ordnung und Schutz vor UV-Strahlen für die Leitungen zum Außenborder sorgt ein Leerrohr zwischen Motor und Borddurchlass.

Sicherheit

Aufs Vordeck führt der Weg über den Mittelgang in der Windschutzscheibe. Den Aufstieg erleichtern drei Stufen, Teakbelag und Reling sorgen für Halt und Bewegungssicherheit. Um nach dem Baden mühelos auf die kleine Badeplattform zu gelangen, spendiert Yamarin der 76 DC eine dreistufige, 0,90 m lange Klappleiter. Vor dem Motor gibt es einen Übergang, der beide Seiten neben der Motorwanne miteinander verbindet. Trimmt man den Motor zum Straßentransport oder Propellerwechsel hoch, drückt dieser über ein Rollensystem den Gang in die Höhe. Auf diese Weise nutzt Yamarin Platz, der sonst nicht da wäre. Die Ausrüstung des Testbootes mit Feuerlöscher sowie elektrischer und manueller Bilgenpumpe bekommt angesichts der Tatsache, dass dies zum Standard gehört, Lob.

Wohnen und Cockpit

Unter Deck bietet die Yamarin vier Schlafplätze. Zwei vorn im Bug und die anderen unter dem Cockpitboden in einer Schlupfkabine. Zugänglich ist Letztere, wenn auch nur auf allen vieren, von der Vorderkabine aus. Rechts und links dieser Doppelkoje bietet sich viel Stauraum auf der kompletten Länge. Zusammengestellt wird die Bugkoje aus der V-Sitzbank und einem Holzbrett mit Polster. Staukästen unter der Sitzbank, Ablagen und ein kleiner Schrank bieten sich zur Aufbewahrung von Bordutensilien an.

Eine Besonderheit für ein Boot dieser Kategorie ist das Pump-WC, das unter einem Deckel in der Kabine steht, und das mit einem Vorhang abgeteilt wird. Ein 30-l-Fäkalientank dient als Zwischenlager. Gekocht und gespült wird im Cockpit auf einem Wallas-Kocher, ebenso Standard wie Kühlschrank (48 l mit Gefrierfach), Druckwasseranlage mit 45-l-Tank und wie die Vorinstallation für eine Wallas-1800-Heizung.

Ausrüstung

Vor Regen und Sonne schützt ein Cabrioverdeck, das in einem Fach, das um die Hecksitzbank angeordnet ist, aufbewahrt wird. Der Ankerkasten im Bug besitzt keinen Bugbeschlag, ist aber selbstlenzend. Gegen Aufpreis kann man eine elektrische Ankerwinde vorn am Bug und am Heck bestellen. Festgemacht wird an vier gut
dimensionierten Klampen. Fender kommen seitlich an die Reling. Vor Remplern schützt eine Kunststoffscheuerleiste.

Datenblatt: Yamarin 76 DC

Werft: Yamarin
Typbezeichnung: Yamarin 76 DC
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 7,52 m
Breite (m): 2,60 m
Verdrängung (kg): 1,65 t
Preis: 90.685,00 €
Testfazit: Bei der Yamarin 76 DC handelt es sich um ein Boot mit sehr guter Grundausstattung was sich jedoch deutlich im Preis widerspiegelt. Bei der Verarbeitung des Gelcoat und der Sicherheitsausrüstung zeigt die 76 DC den hohen finnischen Bootsbaustandard. Kabine und Cockpit bieten für vier Per- sonen auch auf längeren Touren reichlich Platz und Komfort.
Positiv:
Negativ:

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