Der Weg ist das Ziel

28.12.2012 Gernot Apfelstedt - Sein 10-m-Retro-Klassiker sorgte auf den Messen in Hamburg und Berlin für Aufsehen: Hobby-Bootsbauer Detlef aus Schwerin im BOOTE-Kurzporträt.

Detlef Urbans 10-m-Retro-Runabout: „sechs Jahre sinnvolle Freizeitbeschäftigung“.
© Thorsten Baering
Detlef Urbans 10-m-Retro-Runabout: „sechs Jahre sinnvolle Freizeitbeschäftigung“.

Wer auf der Hanseboot vor dem schlanken, offenen Retro-Klassiker inmitten der Sonderschau des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes (DBSV) stand, konnte kaum etwas anderes empfinden als Bewunderung. Umso mehr als dieses Runabout mit Mahagoni-Deck die Handarbeit nicht eines professionellen Bootsbauers, sondern eines passionierten Freizeitkapitäns und Hobbybootsbauers ist. "Bootfahren und Bootbauen ist für mich das Gleiche", sagt Detlef Urban aus Wittenförden bei Schwerin. Er sieht darin eine sinnvolle Freizeitzeitbeschäftigung, bei der er abschalten kann. Druckausgleich eines Unternehmers, der sich nach der Wende mit einer Kranvermietung selbstständig gemacht hat.

Klar, dass das in sechs Jahren entstandene Motorboot nicht Urbans Erstlingswerk und wohl auch nicht das letzte Boot ist, das aus der privaten "Werft" des 62-jährigen Kfz-Schlossermeisters vom Stapel läuft. Die Zeichnungen für das Runabout hat Urban beim Bremerhavener Konstruktionsbüro Judel/Vrolijk & Co. in Auftrag gegeben, das nach seinen Wünschen bereits eine 52-Fuß-Segelyacht entwarf, die er in sechseinhalb Jahren "intensivster Bauzeit" in einer angemieteten, ehemaligen LPG-Halle fertigstellte – "Tajo". BOOTE EXCLUSIV berichtete in Ausgabe 1/06 über die Traumyacht Detlef Urbans und seiner Frau Sybille, die beide nautische Hobbys ihres Mannes mitträgt und -lebt.

"Ich bin ein Anfangstyp", charakterisiert Urban sich selbst. Sobald er etwas angeschoben und zum Laufen gebracht hat, wächst sein Drang nach neuen Aufgaben und Herausforderungen. In Bad Muskau in der Oberlausitz (damalige DDR) geboren und aufgewachsen, baute er als 16-Jähriger aus Sperrholz sein erstes Boot, eine Einmann-Segeljolle vom Typ "Molch" mit Baumwollsegel. Seine Motivation: Er wollte nicht von anderen abhängen, wenn er Lust hatte, auf dem rund 80 Kilometer entfernten Schwielochsee zu segeln.

Während seiner Armeezeit bei der NVA war Urban nach höheren Geschwindigkeiten zumute, und er wollte gern Wasserski laufen. Diesen Wunsch verwirklichte er sich mit dem Bau seines ersten Motorbootes (4 m lang, 1,50 m breit, Wartburg-Einbaumotor), das er sogar selber zeichnete. Im Laufe der Jahre baute er mehrere Jollenkreuzer, die er meist nach einer Saison wieder verkaufte. Zubrot zu seiner Arbeit als Kfz-Schlosser.

Zwei Jahre vor der Wende begann er mit seinem ersten Seekreuzer, einem 10-m-Schiff. Danach der Aufbau seines Unternehmens, dann die "Tajo". Und wieder die Lust auf eine hohe Messlatte: ein Motorboot, das "qualitativ gleichzieht mit Riva". Die Konstruktion gab Detlef Urban erneut bei Judel/Vrolijk in Auftrag – mit drei Prämissen: Die Linien "unterwerfen sich allein der äußeren Ästhetik". Das Boot darf nicht mehr als 3 t wiegen, denn es sollte trailerbar sein und dennoch so lang werden wie möglich. Am Alten Vorhafen von Bremerhaven reagierte man sehr erfreut, als Detlef Urban mit seinem neuen Projekt anklopfte. Die Konstrukteure begleiteten und betreuten den Bau des Retro-Klassikers ebenso gern wie Hauptmateriallieferant Helge von der Linden. "Die wussten, was für eine Qualität bei mir rauskommt."

Sie wurden nicht enttäuscht, und so durfte Urbans Runabout bei der Klassik-Sonderschau des DBSV natürlich nicht fehlen, dessen Präsident Torsten Conradi einer der beiden Judel/Vrolijk-Geschäftsführer ist. Es steckt voller Liebe zum Detail: Lenkrad, Schalterbrücke und Armaturenbrett, alles Marke Eigenbau und aus Mahagoni; Lenkradschaltung und -Gashebel, Flur- und Kajütbeleuchtung in verschiedenen Farbnuancen steuerbar, hydraulische Motor- und Stauraumklappen sowie Cabriogarage, gekapselter 260-PS-Yanmar-Motor u.a.m.

Es steht übrigens zum Verkauf. Denn Detlef Urban will wieder bauen. Der Weg ist das Ziel.      

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