Das Dauerproblem Mehrwertsteuer

21.12.2012 Jürgen Straßburger - Die Fragen unserer Leser zum Thema Mehrwertsteuer reißen nicht ab: BOOTE-Autor Jürgen Straßburger gibt deshalb jetzt die wichtigsten Antworten.

Mehrwertsteuer
© Koch
Mehrwertsteuer

Problem Schwarzbau

Frage: Mir ist ein Holzkutter angeboten worden, der von einem Bootsbaumeister ab 1995 in fünfjähriger Bauzeit für einen Auftraggeber gebaut wurde. Die Fertigstellung war 2000. Über die Bausumme besteht kein Mehrwertsteuernachweis, vielleicht teil-weise aus alten Materialrechnungen. Der Verkäufer hat sich bei seinem Steuerberater erkundigt, der sagt, dass es in Deutschland keine Probleme gibt. Er schließt jedoch nicht aus, dass es bei einem Weiterverkauf in andere EU-Länder zu Nachfragen kommen kann. Worauf ist bei einem Kauf zu achten, auch unter der Prämisse, dass das Boot in anderen EU-Ländern gefahren oder später verkauft wird?         

Antwort: Wenn der Auftrag zum Bau des Holzkutters durch den Bootsbaumeister gewerblich ausgeführt wurde, müsste selbstverständlich über den endgültigen Verkauf des Bootes eine Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer bestehen. Es könnten auch mehrere Teilrechnungen – je nach Baufortschritt – sein. Aber auch diese Rechnungen müssten die jeweils enthaltene Mehrwertsteuer ausweisen. Bitte lassen Sie uns bei Gelegenheit wissen, wie der aktuelle Verkäufer (Eigner) begründet, dass ein Mehrwertsteuernachweis in Deutschland nicht zu erbringen sei. Vielleicht gibt es Sachverhalte, die diese Annahme näher erklären, uns aber nicht bekannt sind.

Frage: Für den Bau des Kutters wurde seinerzeit ein Auftrag erteilt, ob mündlich oder schriftlich, weiß ich nicht. Es wurde ein Agreement geschlossen. Ich vermute, dass vom Auftraggeber ein Auftrag per Handschlag erteilt wurde, da beide sich aus früheren Zeiten kannten. 

Antwort: Wenn wir den von Ihnen geschilderten Sachverhalt richtig deuten, handelt es sich bei dem Kutter um einen "Schwarzbau": Da baut ein Bootsbauer für einen Freund ein Boot, und das Ganze geht natürlich nicht über die Bücher ... Wir können Ihnen nur raten, dieses Boot nicht zu kaufen, solange ein wasserdichter Nachweis über die entrichtete Mehrwertsteuer nicht vorliegt.

3-Jahres-Frist

Frage: Ich habe mein Boot (Sunseeker, Baujahr 1994) im Januar 2010 in Frankreich von einer französischen Firma gekauft. Das Boot war in der EU versteuert, und die Mehrwertsteuer wurde mir von der Firma auf der Rechnung ausgewiesen. Direkt nach dem Kauf habe ich das Boot (März 2010) nach Kroatien überführen lassen, wo es seitdem liegt. Muss ich noch in diesem Jahr in die EU einklarieren, damit die Steuer nicht verfällt, oder erübrigt sich die Angelegenheit, weil Kroatien 2013 EU-Mitglied wird?

Antwort: Kroatien tritt am 1. Juli 2013 der Europä-ischen Union bei. Der Zeitpunkt der Überführung Ihres Bootes nach Kroatien liegt dann länger als drei Jahre zurück. Das heißt: Ihr Boot hat zu diesem Zeitpunkt aus zollrechtlicher Sicht der EU den sogenannten "Gemeinschaftscharakter" verloren. Deshalb gilt: Um eine erneute Versteuerung innerhalb der EU (also in Kroatien nach Beitritt) zu vermeiden, sollten Sie vor März 2013 Kroatien mit Ziel EU (beispielsweise Slowenien oder Italien) verlassen und dort nachweislich einklarieren. Dadurch wird der Gemeinschaftscharakter des Bootes wiederhergestellt, und Sie bleiben beim Beitritt Kroatiens dort (und natürlich in der gesamten EU) von einer erneuten Versteuerung auf Dauer befreit.

Restrisiko

Frage: Wir möchten gern eine in Deutschland angemeldete Gobbi 345 SC (Liegeplatz Ita-lien) von privat kaufen und in die Niederlande bringen. Das Boot ist zwölf Jahre alt. Der jetzige Eigentümer hat die damalige Einkaufsrechnung (er ist Erstbesitzer) nicht mehr. Der ADAC sagt mir, ich brauche einen Nachweis, dass die Steuer damals bezahlt wurde (Rechnung und Überweisungsbeleg würden reichen). Aber ich solle den Zoll anrufen. Der Zoll sagt: Wenn ein Boot innerhalb der Europäischen Union gebaut wurde und immer innerhalb der EU angemeldet war, kann die Mehrwertsteuer nur bezahlt sein. Deshalb könne auch der niederlän-dische Zoll keine Bedenken haben. Aber ich solle mal das Finanzamt anrufen. Das deutsche Finanzamt sagt, dass nur Neuboote (also unter 100 Betriebsstunden) unter eine Versteuerung fallen. Aber ich solle in den Niederlanden anrufen. Das Amt in den Niederlanden kann mir keine Information geben und möchte sich beizeiten bei mir melden. Kann ich nach Ihrer Meinung das Boot kaufen, ohne ein nennenswertes Risiko einzugehen, die Steuer vom geschätzten Zeitwert nachträglich noch zahlen zu müssen?

Antwort: Ein Ersteigner, der nach zwölf Jahren die Einkaufsrechnung für ein Boot, das einmal deutlich über 100.000 Euro gekostet hat, angeblich nicht mehr haben will, macht uns äußerst stutzig. Solange ich Eigentümer eines solchen Bootes bin, werfe ich doch die Rechnung über einen derartigen Betrag nicht einfach weg!!!
Wir vermuten daher, dass für das Boot zu keiner Zeit Mehrwertsteuer bezahlt wurde. Wie nun aber die Niederländer mit einem zwölf Jahre alten Boot, für das es keinen Mehrwertsteuernachweis gibt, umgehen werden, lässt sich tatsächlich nur vor Ort klären. Ein Restrisiko bleibt in jedem Fall, weil sich auch eventuelle Verjährungsfristen für die Steuerschuld nur am konkreten Einzelfall durch die Finanzbehörde klären lassen. Deshalb raten wir grundsätzlich vom Kauf von Booten ab, für die kein Nachweis von Mehrwert- oder Einfuhrumsatzsteuer vorliegt.

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