Polieren: Glänzen und glänzen lassen

01.05.2012 Alexander Worms - Polituren sorgen für Glanz und Werterhalt. Doch welches Produkt eignet sich für welchen Zweck, und wie sind unterschiedliche Oberflächen zu behandeln?

Richtig Polieren: wichtig für den Werterhalt.
© Torsten Moench
Richtig Polieren: wichtig für den Werterhalt.

Zu Saisonstart steht das Polieren des Rumpfes und der Aufbauten auf  der „To-Do-Liste“ nahezu jedes Skippers. Die Ergebnisse sind indes so heterogen wie die Produkte vielfältig. Doch was sind die optimalen Mittel für die jeweiligen Anwendungen? Und wie sind sie idealerweise zu applizieren? Mit der Maschine oder in Handarbeit? Wann ist der beste Zeitpunkt zum Polieren? Und macht es einen Unterschied, wie alt das Gelcoat oder der Lack ist?

Ziel: Gelcoat erhalten

„Es gilt, das Gelcoat so lange wie möglich zu erhalten, lackieren ist der letzte Ausweg“, erklärt Stephan Clausen von der Hamburger Firma Rüegg, die sowohl Polituren als auch Lacke vertreibt. Die äußere Schutzschicht über dem Laminat wird jedoch durch Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Schmutz, Salzwasser und Fenderabrieb permanent angegriffen.

Dabei lösen sich mikroskopisch kleine Bruchstücke aus der Oberfläche, zurück bleibt eine Mondlandschaft im Kleinstformat. Logischerweise bietet diese vergrößerte Oberfläche mehr Angriffsmöglichkeiten für Verschmutzung und damit für weiteren Verschleiß. Zudem wird die Lichtreflexion auf der nun nicht mehr ebenen Fläche behindert, das Gelcoat wirkt matt.

Befindet sich dieser Prozess im Anfangsstadium, ist das Gelcoat also recht neu, kann eine simple Politur die entstandenen noch kleinen Krater auffüllen. Die Oberfläche wird dabei quasi geglättet. Dadurch ist das Schiff besser gegen die genannten Umwelteinflüsse gerüstet.

Wird ein Boot von Beginn an auf diese Art geschützt, kann über viele Jahre hinweg der Zustand erhalten werden. Doch auch wenn einfaches Polieren nicht mehr reicht, um ein glänzendes Finish zu erzielen, muss nicht gleich zu Lack und Pinsel gegriffen werden. „Ein Gelcoat ist 1,2 bis 1,6 mm dick“, weiß Andreas Woyda, Anwendungstechniker bei den Pflegeprofis von Yachtcare.

Somit besteht die Möglichkeit, die obere Schicht abzutragen, wenn die entstandenen Krater tiefer sind, als eine Politur oder ein Wachs sie aufzufüllen vermag. Dazu bieten die Hersteller Mittel mit Schleifanteilen an. Sie tragen bei der Anwendung die Spitzen zwischen den Kratern ab und ermöglichen so auf einer tiefer liegenden Ebene neuen Glanz. Wann das erforderlich wird, zeigt sich leider erst nach der Politur. Allerdings ist es mit etwas Erfahrung möglich ab-zuschätzen, ob eine stumpfe Stelle im Gelcoat mit einer Schleifpolitur behandelt werden muss, oder ob einfaches Versiegeln ausreicht.

Ist eine Behandlung mit Schleifpaste erforderlich, sollte diese so spät und so sparsam wie irgend möglich ausfallen, um eine viele tausend Euro teure Lackierung hinauszuzögern. Daher empfehlen alle Hersteller, bei matten Stellen zunächst mit einem feinen Produkt zu beginnen und erst bei Bedarf, wenn sich also kein Glanz einstellen will, auf gröbere Mittel zu wechseln, die mehr Abtrag bedeuten.

Polieren erfüllt also drei Funktionen: Es schützt das Gelcoat und wirkt somit werterhaltend, Schmutz kann sich weniger gut auf der glatten Oberfläche ausbreiten, das Schiff bleibt also länger sauber, und der entstehende Glanz vermag den Betrachter zu verzücken. Doch wie sieht ein idealer Polierablauf aus?

Putzen nicht vergessen!

„Zuerst heißt es putzen, sonst poliert man sich die Schmutzpartikel in die Oberfläche hi-nein. Außerdem entfernt ein guter Reiniger alle Reste von Altpolituren und Wachsen, sodass eine echt saubere Ober-fläche entsteht“, berichtet Jean-Pierre Martius, Anwendungsberater bei International Farbenwerke.

Nach dem Putzen mit speziellen Bootsreinigern und ordentlichem Abspülen mit klarem Süßwasser wird poliert beziehungsweise gleich versiegelt. Wenn die Oberfläche in einem Zustand ist, der auf ein glänzendes Ergebnis hoffen lässt, sollte das ohne Oberflächenabtrag geschehen. Dazu möglichst eine Politur gänzlich ohne Schleifpartikel verwenden, um die vorhandene Gelcoatsubstanz nicht noch zusätzlich zu schädigen.

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