Operation Windrose Operation Windrose

Boot gestohlen! Helfen Sie mit!

Wanted: Operation Windrose

Gernot Apfelstedt am 16.10.2015

Bei der Zerschlagung einer Autoschieberbande gehen auch zwei in Ettlingen gestohlene Montereys ins Netz.

Osterwochenende 2014. Auf dem Lagerplatz eines Bootsservice-Betriebes in Ettlingen (Kreis Karlsruhe) machen sich unerwünschte "Kunden" zu schaffen. Irgendwann zwischen Karfreitag und Ostersonntag. Und sie wissen offenbar genau, was sie wollen: Die beiden Montereys, die auf dem umzäunten Areal im Gewerbegebiet hinter einem anderen Motorboot stehen – eine 250 CR mit dem Namen "Infinity" sowie eine 264 FSC mit dem Namen "Black Beauty". Nachdem sie das Tor aufgebrochen haben, schieben sie das im Weg stehende Boot zur Seite, um an die begehrte Beute zu gelangen. Zu der gehört außer den beiden amerikanischen Sportbooten auch ein nagelneuer Z-Antrieb. Besonderes Pech für den Firmeninhaber, dem erst im Jahr zuvor ein Antrieb geklaut wurde.
Den Ermittlern der Karlsruher Kriminalpolizei und des unterstützend tätigen Kompetenz-Zentrums Bootskriminalität in Konstanz (KBK) ist von Anfang an klar, dass man es hier mit Profis zu tun hat. Sie haben schon einen Verdacht: Möglicherweise hat ein polizeibekannter 50-jähriger Ettlinger, mutmaßlicher Kopf einer Autoschieberbande, mit dem Einbruchdiebstahl zu tun.

Doch die Fahnder verstehen ihr seriöses Handwerk nicht minder, wenngleich sie sich dabei verständlicherweise ungern in die Karten schauen lassen, um ihre Trümpfe im Kampf gegen die Langfinger nicht zu offenbaren.
Fakt ist: Wenige Tage nach dem Diebstahl landet die Kripo Karlsruhe in der rund 20 Kilometer vom Diebstahlort entfernten Gemeinde Straubenhardt einen ersten Volltreffer. Auf einem Grundstück, das einem Bekannten des mutmaßlichen Bandenchefs gehören soll, stellen sie außer zwei BMW X6 und zwei Range Rover, die ebenfalls im April 2014 von einem Parkplatz des in der Nähe von Baden-Baden gelegenen Baden-Airparks entwendet worden waren, die Monterey "Infinity" sicher. Doch von der "Black Beauty" keine Spur. Laut Presseinformationen erfolgt der Zugriff der Kripo Karlsruhe just in dem Moment, als der verdächtigte Ettlinger dabei ist, Kennzeichen und Unterlagen von gestohlenen Fahrzeugen zu verbrennen. Doch ihm gelingt die Flucht nach Italien, wo er offenbar seine Kontakte zur römischen "Unterwelt" wiederherstellt und seine illegalen Geschäfte fortsetzt – Hehlerei mit gestohlenen Luxusfahrzeugen.

Wie gut, dass in Europa nicht nur kriminelle Banden international hervorragend vernetzt sind, sondern in zunehmendem Maße auch ihre Widersacher. Dabei hilft "Eurojust", Justizbehörde der Europäischen Union mit Sitz in Den Haag. Sie koordiniert die Arbeit der nationalen Justizbehörden Europas im Bereich der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität und fördert den Informationsaustausch zwischen den nationalen Justiz- und Polizeibehörden.

So treffen sich nach einem Rechtshilfeersuchen der deutschen Polizei Ermittler beider Länder in Den Haag, um gemeinsam Arbeitsmethoden und Strategien für die "Operation Windrose" zu erarbeiten, deren Ziel es ist, die international agierende Autoschieberbande zu zerschlagen und Diebesgut aufzuspüren. Vier Monate lang arbeiten deutsche und italienische Staatsanwälte, die Kripo Karlsruhe und die "Polizia Stradale" in Rom trotz Sprachbarrieren und unterschiedlichen Rechtssystemen eng zusammen, tauschen regelmäßig Informationen und Ermittlungsergebnisse aus.

Die vorbildliche Kooperation mündet in einem großartigen Erfolg: Gut ein Jahr nach den österlichen Bootsdiebstählen gelingt es, den mutmaßlichen Bandenchef dingfest zu machen. Sowohl die italienischen als auch die deutschen Ermittlungsbehörden hatten den 50-jährigen Ettlinger offenbar schon seit Längerem aufgrund seiner internationalen kriminellen Aktivitäten im Visier. Auch seine 52 Jahre alte italienische Lebensgefährtin, der 27-jährige gemeinsame Sohn und ein 53-jähriger mutmaßlicher Mittäter aus Rom werden in Untersuchungshaft genommen. Und die Ernte fällt noch reicher aus: Im Zuge der Ermittlungen werden insgesamt 19 Luxusfahrzeuge sowie zwei Motoryachten im Gesamtwert von mehr als 800 000 Euro sichergestellt. Unter den beiden wiedergefundenen Booten ist neben der schon früh ins Netz der Fahnder gegangenen "Infinity" auch die "Black Beauty"! Die Polizei entdeckte ihr Versteck zusammen mit dem von zehn Luxusautos in der südrömischen Vorstadt. Nach Erkenntnissen der italienischen Strafverfolgungsbehörden hatte ein italienischer Werkstattbetreiber an einigen dieser Fahrzeuge professionell die Fahrgestellnummern entfernt. So konnten die Schieber die hochwertigen Autos mit anderen Fahrzeugdokumenten versehen und deren Herkunft verschleiern.

Fotostrecke: Bootsdiebstahl

Doppelter Diebstahl in Krefeld

Die erfolggekrönte "Operation Windrose" macht Mut für die Fahndung nach weiteren gestohlenen Booten. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf die neun Steckbriefe.
Besonders bitter ist der Verlust für Galliano Quattrer. Gerade mal vier Wochen durfte sich der Betreiber eines Eiscafés in Willich unweit von Krefeld über sein erstes Boot freuen. Er hatte das Festrumpfschlauchboot vom Typ Brig Falcon 570 L Ende Juni am Gardasee gekauft und war damit nach Novigrad/Kroatien in den Urlaub getrailert. Wieder daheim wollte Quattrer einen festen Liegeplatz im Hafen des Crefelder Yachtclubs an der Bataverstraße mieten. Weil bei den sommerlichen Temperaturen Ende Juli Hochbetrieb in seinem Eiscafé war, stellte er das RIB auf dem Brenderup-Trailer erst einmal aufs CYC-Gelände und sagte dem Hafenmeister, dass er sich in den nächsten Tagen wegen eines Slipp-Termins melden werde. Als er dies dann tat, reagierte der Hafenmeister verwundert. Weil das Boot am anderen Morgen weg war, dachte er, Galliano Quattrer habe sein Boot wieder abgeholt. Der Eiscafébesitzer verstand die Welt nicht mehr. Erst recht, als er erfuhr, dass eine Woche zuvor bereits ein Wakeboardboot Marke Mastercraft ebenfalls mitsamt Trailer in Krefeld entwendet wurde. Auch wenn er gegen Diebstahl versichert ist, Quattrer möchte statt einer Entschädigung lieber das Schlauchboot seiner Träume zurück. Für Hinweise, die zum Wiederauffinden der Brig Falcon 570 L führen, setzt er deshalb eine Belohnung von 1000 Euro aus.

Sogar 2000 Euro Finderlohn hat der Eigner eines Jetskis vom Typ Sea Doo RXP-X 260 RS ausgelobt, der zwischen dem 27. und 31. August von einem Schwimmponton im Hafen Gernsheim am Rhein gestohlen wurde.
Riesenpech hatte auch ein RIB-Eigner in Hamburg. Seine "Nija", eine Expedition 620 von Lavamarine, hatte er gerade erst auf den frisch gekauften Brenderup-Trailer verladen, am 17. August gegen 20 Uhr auf der Halbinsel Entenwerder (Stadtteil Rothenburgsort) abgestellt und mit einer Radkralle gesichert. Vergebens. Am Mittag des übernächsten Tages war das Schlauchboot samt Trailer verschwunden.

Rätselhaft sind die Umstände, unter denen in der Nacht zum 18. September die Glastron "Princesa Nica" von ihrem ländlichen Lagerplatz zwischen Rinteln und Porta Westfalica verschwand. Seit Herbst 2014 stand sie in Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf. Ernsthafte Interessenten bislang Fehlanzeige.

Auf eigenem Kiel wurde eine Fletcher Arrowsport 160 GTO mit dem Bootsnamen "No. 7" gestohlen. Zwischen dem 22. und 27. August verschwand sie von ihrem Liegeplatz in Wendtorf-Schleuse unweit der Ostsee-Marina Wendtorf.
Zum Schluss noch eine Fahndungsrücknahme: Die in BOOTE 9/2015 unter der Rubrik "Wanted" gesuchte Hille Delphin 350 "Seehund" fand der Eigner in der Nähe ihres Liegeplatzes am Mittelkanal in Hamburg wieder. 

Gernot Apfelstedt am 16.10.2015