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Angriff auf ein Paradies

Gernot Apfelstedt am 02.08.2019

Das „Forum Tideelbe“ prüft im Auftrag dreier Bundesländer die „Machbarkeit“, die Dove Elbe nach 70 Jahren wieder zur Elbe zu öffnen. Betroffene laufen Sturm

Die geschundene Elbe ökologisch aufzuwerten und das Verschlickungsproblem in den Griff zu bekommen ist – isoliert betrachtet – ohne Zweifel ein sinnvolles Vorhaben. Für das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der Tideelbe haben sich die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie der Bund auf den Aufbau einer neuen Kooperationsstruktur unter dem Titel "Forum Tideelbe" (http://www.forum-tideelbe.de) verständigt.

Auf der Suche nach Lösungen für die Elbe hat das Forum Tideelbe einen Maßnahmenkatalog vorgelegt,

der eine Öffnung von fünf Gebieten zum Hauptstrom beinhaltet. 

Eines davon ist die Dove Elbe, die seit 1952 durch die Tatenberger Schleuse von der Tideelbe abgeschottet ist. Auch wenn es sich dabei lediglich um eine Erwägung handelt und noch nichts beschlossen ist – das Forum Tideelbe erarbeitet derzeit eine "Machbarkeitsstudie", deren Ergebnisse 2020 präsentiert werden sollen –, die Betroffenen entlang des 18 Kilometer langen Nebenarms der Elbe gehen schon jetzt förmlich auf die Barrikaden.

Seit das Forum Tideelbe am 4. Februar bei einem Informationsabend im Gymnasium Allermöhe seine Pläne offenbarte, herrscht Alarm in den Marsch- und Vierlanden, für die die Dove Elbe Lebensader ist.


Am 26. März wurde im Vereinshaus der Baltischen Seglervereinigung Hamburg e.V. am Moorfleeter Deich die Bürgerinitiative "Dove-Elbe-retten.de" gegründet, die eine Anbindung der Dove Elbe an den Elbstrom verhindern will.

Hierfür sammelt sie in einer offenen Petition an die Hamburgische Bürgerschaft Unterschriften: http://www.openpetition.de/!doveelbe


Der Abgeordnete Dennis Gladiator sprach den Aktivisten von der Dove Elbe aus der Seele, als er am 10. April in der Sitzung der Hamburgischen Bürgerschaft Bezug nehmend auf die Machbarkeitsstudie sagte:

"Was offenkundig Schwachsinn ist, muss nicht erst untersucht werden."

Denn die Folgen einer Umwandlung der Dove Elbe zum Tidengewässer sind für die Betroffenen schon jetzt klar absehbar: Ein intaktes, hochwertiges Ökosystem würde zerstört. Neben sauberem Wasser, einem artenreichen Fischbestand, vielen seltenen Tierarten wie Eisvogel oder Biber gehört das einzigartige Naturschutzgebiet "Die Reit" zur Landschaft der Dove Elbe. Gewerbebetriebe – ob Schifffahrt, Gemüseanbau oder Landwirtschaft – wären in ihrer Existenz unmittelbar bedroht, wenn die Dove Elbe zweimal täglich trocken fällt.

Es wäre auch das Ende der Dove Elbe als Wassersport-Freizeitrevier von überregionaler Bedeutung. Neben mehreren Bootshäfen ist dort eine internationale Ruderregattastrecke beheimatet. Doch der rot-grüne Senat verteidigte die Machbarkeitsstudie gegen einen Antrag der FDP-Fraktion, die Planungen sofort einzustellen.

Das bedeutet: Wenn das Forum Tideelbe Ende 2020 seinen Bericht übergeben hat, startet der politische Entscheidungsprozess. Für die "Dove-Elbe-Retter" heißt das: Wachsam bleiben und weiter Unterschriften für die Petition sammeln. 

Gernot Apfelstedt am 02.08.2019