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Bavaria Yachtbau

Insolvenz in Giebelstadt

Fridtjof Gunkel, Torsten Moench am 04.05.2018

Volle Messestände und gute Auftragslage reichten nicht: Bavaria Yachtbau stellte Mitte April den Insolvenzantrag

Bavaria, Deutschlands zweitgrößte Sportbootwerft, musste Mitte April Insolvenz anmelden. Zu groß war zuletzt offenbar der Liquiditätsbedarf, um die auflaufenden Verluste zu kompensieren. Deshalb haben die Gesellschafter von Oaktree und Anchorage beschlossen, nicht mehr wie bisher sämtliche Verbindlichkeiten für die Aufrechterhaltung des Betriebs bei Bavaria einzugehen.

Dessen Holding ist schon lange bilanziell überschuldet. Die Kredite belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen Euro – ein Schuldenberg, der durch den Kauf der Werft entstand, aber auch durch viele defizitäre Geschäftsjahre seit Beginn der Übernahme.

Der Hauptverantwortliche für die aktuelle Schieflage, CEO Lutz Henkel, musste nach BOOTE-Informationen bereits eine knappe Woche vorher seinen Posten räumen. Für die internationale Wassersportbranche kam die Nachricht überraschend. Denn nach mageren Jahren verzeichnen die meisten Werften seit 2016 eine sich stetig bessernde Nachfrage. Auch Bavaria hatte zuletzt mit Jubel-Meldungen die eigenen Messeerfolge gefeiert und einen „Verkaufsrekord“ nach dem anderen verkündet. Insbesondere die neuen und innovativen Modelle der E- und R-Serie spielten hier eine erfolgversprechende Rolle. Dazu Udo Hafner, Dienstleiter beim Bau der E-Serie und CEO bei iYacht Design & Engineering:

„Wir haben an der Neuausrichtung wie viele Lieferanten auch mit großem Engagement mitgewirkt, der Richtungswechsel kam aber zu spät. Die Fehler wurden mit dem Verkauf an Investoren und dem neuen Setup gemacht, diese Suppe war nicht mehr auszulöffeln. Man war nicht konsequent genug, teuer erkaufte und zu komplexe Strukturen wieder über Bord zu werfen“.

In der Tat fehlte es weder an neuen Modellen noch an Aufträgen. Die Probleme lagen wohl eher bei den Produktionsprozessen. Insider berichteten schon im Vorjahr von schwerwiegenden Produktions- und Lieferproblemen, nachdem die bewährte Fließbandmethode modifiziert worden war. Zuviel des Guten und Großen? Dafür spricht einiges.

Denn die Strategie Henkels bedeutete eine Neupositionierung Bavarias gegen die besser aufgestellte Konkurrenz – und die Preisgabe ihres eigentlichen Markenkerns, Motorboote und Yachten mit unschlagbar günstigem Preis-/Leistungsverhältnis zu bauen.

Auch hat die Werft zu lange mit der Erneuerung der Flotte gewartet und stattdessen mit großen Rabattaktionen versucht, Bestandsmodelle zu verkaufen. Wie es weitergeht, entscheidet nun der Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann. Nach unseren Informationen soll es für die mehr als 600 Beschäftigten zunächst unverändert weitergehen; zumindest bis Juni 2018 sind ihre Löhne und Gehälter gesichert.

Gelänge es, den Fortbestand des Unternehmens fürs Erste zu gewährleisten, könnten Verluste für Eigner und Händler, die Boote angezahlt haben, und für Zulieferer, die in Vorleistung gegangen sind, weitestgehend vermieden werden. 

Fridtjof Gunkel, Torsten Moench am 04.05.2018