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Bis 15 PS ohne Führerschein: Reaktionen

Christian Tiedt am 23.10.2012

Die neue Verordnung gilt: Für Bootsmotoren bis 15 PS wird nun kein Führerschein mehr benötigt. Wo liegen Chancen und Risiken? Erste Reaktionen.

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Neue Freiheit: Wasserwandern auf der Eider: 15 PS sind dafür ideal.

Fotostrecke: Ohne Führerschein bis 15 PS

Das Bundesgesetzblatt vom 16. Oktober machte es amtlich: Unter dem allgemein gehaltenen Titel „Verordnung zur Änderung sportbootrechtlicher Vorschriften im See- und Binnenbereich“ folgten gleich eine ganze Reihe von wichtigen Punkten. Der mit Abstand bedeutendste (und meistdiskutierte) dreht sich jedoch um die neue „Führerscheinfreiheit“ bis 15 PS“: Waren bislang Motoren über 5 PS Leistung führerscheinpflichtig, muss ein Skipper nun erst bei mehr als 15 PS am Heck über den Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) verfügen.

Das schafft für Einsteiger eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten: 15-PS-Außenbordmotoren eignen sich nämlich nicht nur für Tagesausflüge, sondern auch zum Wasserwandern. Für Schlauchboote bis etwa 4 m Länge und kleinere Kajütboote reichen 15 PS Antriebsleistung für gemütliches Reisen allemal, Schlauchboote kommen damit (je nach Beladung) sogar ins Gleiten, und die Boote sind groß genug, um darauf auch Gepäck zu verstauen. 

Zum Inventar der BOOTE-Redaktion gehört schon seit Jahren eine Kombination aus Schlauchboot und 15-PS-Außenborder, die problemlos mit dem Auto transportieren lässt und große Flexibilität bietet. Mit dieser Kombination lassen sich die meisten deutschen Wasserstraßen auch auf mehrtägigen Törns gut erkunden. Und wer einmal auf diesem Wege in den Bootssport eingestiegen ist, kann sich auch weitere Ziele (zum Beispiel dieses) suchen – oder den Führerschein machen und auf ein größeres Boot umsteigen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer begründete die Neuregelung entsprechend mit der großen Beliebtheit des Wassertourismus und seiner gleichzeitigen Bedeutung als wachsendem Wirtschaftszweig: „Wir wollen den Zugang zum Wassersport gerade auch für junge Menschen erleichtern.“ Bei der Erleichterungen habe man sich an den Europäischen Nachbarn orientiert, so der Minister.

Die Reaktionen fielen zum Teil deftig aus: Auf der Facebook-Seite von BOOTE warnten Kommentare vor „führerscheinlosen Nixblickern“ und „über das Wasser peitschenden Hobbykapitänen“, andere sprachen zumindest von einer „unsinnigen“ oder „gefährlichen“ Neuerung. 

Die Regelung war schon vorher umstritten: Besonders die Wassersportdachverbände DMYV und DSV sprachen sich gegen die Heraufsetzung der Führerscheingrenze aus, da sie in stärker motorisierten, nicht ausgebildeten Skippern ebenfalls ein mögliches Gefahrenpotenzial sehen. Der Kritik setzt das Ministerium eine Evaluation nach drei Jahren entgegen: Dann sei zu prüfen, so das BMVBS, „ob es verstärkt zu Fällen von unverhältnismäßig hohen Geschwindigkeiten gekommen ist, die aus Sicherheitsgründen und zum Schutz von Gewässern, Flora und Fauna sowie der Uferbereiche einschränkende Maßnahmen erforderlich machen.“

Zusätzliche Geschwindigkeitsbegrenzungen – eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h war diskutiert worden – wurden im Zuge der Neuregelung daher auch nicht eingeführt. Man verweist darauf, dass ohnehin „auf den Binnenwasserstraßen überwiegend bereits allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzungen“ gelten würden. 

Eine wichtige regionale Einschränkung gibt es aber bereits dennoch: Der Rhein ist von der neuen Regelung ausgenommen, das 5-PS-Limit gilt dort weiterhin. Offizielle Begründung ist der Status des Rheins als Großwasserstraße, für die internationale Abkommen gelten. Der Sicherheitsaspekt dürfte aber sicherlich auch eine Rolle gespielt haben.

Ob ähnliche einschränkende Ausnahmen auch für andere Gewässer gemacht werden, steht noch nicht fest und hängt sicherlich von den ersten Erfahrungen ab. Der innerstädtische Bereich von Berlin beispielsweise ist für sein hohes Verkehrsaufkommen auf dem Wasser bekannt (in erster Linie durch Ausflugsschiffe).

Wie der Tagesspiegel meldet, hat das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt der Hauptstadt bislang jedoch noch keine Entscheidung in der Sache getroffen – vielleicht auch deshalb, weil der heikelste Abschnitt der Spree wegen Bauarbeiten momentan tagsüber für Fahrzeuge ohne Funkgerät ohnehin gesperrt ist.

Die deutschen Sportbootschulen hatten bereits auf die Neuregelung reagiert: Wie ihr Verband mitteilte, werden ab sofort auch freiwillige „Einsteigerkurse“ im Ausbildungsprogramm angeboten, die die wichtigsten Grundkenntnisse  praxisnah vermitteln sollen. Kursteilnahme und erworbene Fähigkeiten werden durch die Erteilung des „Motorbootzertifikat“ bestätigt.

Für Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW), der an der Gestaltung der Neuregelung beteiligt war, ist die neue 15-PS-Grenze ein „ausgewogener Kompromiss“. Er gehe davon aus, dass sich die Menschen trotz der nun stärkeren Motorisierung „verantwortungsvoll verhalten werden“, so Tracht – sich selbst und anderen gegenüber.

Und auch im Bereich der Skipper gibt es durchaus positive Erwartungen: „Eine durchaus richtige Entscheidung. Ich bin auf die Unfallstatistik 2013 gespannt. Meine Prognose: die derzeit lautesten Kritiker dieser Regelung dürften dann verstummen“, lautete ein weiterer Facebook-Kommentar bei BOOTE.

Christian Tiedt am 23.10.2012