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Branche: Bavaria Yachtbau

Rettung in letzter Sekunde

Christian Tiedt am 17.09.2018

Späte Wende im Insolvenzverfahren: Für den angeschlagenen deutschen Yachthersteller Bavaria hat sich ein Käufer gefunden

Für die 550 Mitarbeiter der insolventen Bavaria Yachtbau im bayrischen Giebelstadt, die bis zuletzt um ihre berufliche Zukunft bangen mussten, gibt es gute Nachrichten: Nachdem eine erste Frist bereits verstrichen war, einen Käufer für das wirtschaftlich schwer angeschlagene Unternehmen zu finden, gelang die Rettung nun doch noch – in letzter Sekunde sozusagen.

Ein Eigenkapitalfonds, der von der Berliner Firma CMP Capital Management-Partners beraten wird, wolle die deutsche Werft zu einer nicht veröffentlichten Summe kaufen, gab Bavaria am Wochenende bekannt.

Die Kaufabsicht schließt auch die Tochtergesellschaft Bavaria Catamarans im französischen Rochefort mit 250 weiteren Mitarbeitern ein. Eine nötige Zustimmung des Bundeskartellamtes stehe zwar noch aus, gelte allerdings als sicher und werde „in wenigen Wochen“ erwartet, teilte die Werft mit.

Die Beteiligungsgesellschaft Capital Management-Partners ist auf sogenannte „Turnarounds“ spezialisiert: die Restrukturierung und Neuausrichtung von Unternehmen, die durch verfehlte Strategie oder schwierige Marktsituationen unter operativen und fianziellen Problemen leiden – also genau jene Situation, mit der die über lange Jahre höchst erfolgreiche Bavaria Yachtbau seit geraumer Zeit zu kämpfen hat.

Zu den Zukunftsaussichten äußerte sich Kai Brandes, Geschäftsführer von CMP: „Wir sind von den weltweiten Marktpotenzialen der Bavaria überzeugt und werden das Unternehmen nachhaltig weiterentwickeln“.

Im Zentrum der Restrukturierungsmaßnahmen werden die Rückgewinnung von Marktanteilen sowie die Verbesserung der Produktionskosten stehen, hieß es weiter. Die nötige Erfahrung im industriellen Sektor bringt die Berliner Managementfirma jedenfalls mit: Zum aktuellen Portfolio gehören in erster Linie Produktionsbetriebe wie Automobilzulieferer und Maschinenbauer.

Vor Ort werden CMP-Mitarbeiter die Restrukturierung mit diesem Wissen entsprechend begleiten. Und auch wenn die Bootsbaubranche viele Besonderheiten aufweist, sieht der Sanierungsexperte Tobias Brinkmann, der seit Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens im April 2018 als Geschäftsführer von Bavaria Yachtbau tätig ist, die Entwicklung optimistisch:

„Bavaria ist ein herausragendes Unternehmen mit einer starken Marke, überzeugenden Produkten und engagierten Mitarbeitern. Wir freuen uns, mit CMP einen renommierten und erfahrenen Käufer gefunden zu haben, der das Unternehmen in die Zukunft führen wird“.

Die Chance ist also vorhanden, das endgültige Aus abgewendet. Doch nun muss es für das ehemalige Vorzeigeunternehmen heißen, am Markt Vertrauen zurückzugewinnen und den verlorenen Boden der vergangenen Jahre zurückzugewinnen. Die Herausforderung bleibt also groß.

Christian Tiedt am 17.09.2018