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Charterboot: Besatzung „biegt falsch ab“

DGzRS / Christian Tiedt am 19.03.2012

Groß angelegte Suche: Die Seenotretter finden eine orientierungslose Hausbootcrew östlich der Greifswalder Oie – Ziel war eigentlich Stralsund...

Seenotkreuzer „Eugen“

Die „Eugen“ mit dem Hausboot am Morgen nach dem Einsatz im Nothafen der Greifswalder Oie.

In einer groß angelegten Suche östlich der Insel Rügen haben die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Donnerstagabend, 15. März 2012, zwei Männer aus Hamburg gefunden, die sich mit einem gecharterten Hausboot weit hinaus auf die Ostsee verirrt hatten. Der Seenotkreuzer „Eugen“ von der Station Greifswalder Oie brachte Schiff und Besatzung in der Dunkelheit aus der Gefahrenzone eines Großschifffahrtsweges und in den sicheren Nothafen der kleinen Ostseeinsel in der Pommerschen Bucht.

Gegen 18.30 Uhr meldeten sich die beiden zwischen 60 und 70 Jahre alten Männer per Handy bei der Seenotleitung Bremen der DGzRS. Sie hatten das neun Meter lange Hausboot „Jasmund“, ein Stahlverdränger vom Typ „Kormoran“, auf einem Überführungstörn vom brandenburgischen Zeuthen nach Stralsund bringen wollen. Gegen Mittag waren sie in Wolgast ausgelaufen und hatten offenbar am Ende der Betonnung des Peenestroms versäumt, in den Greifswalder Bodden Richtung Westen abzubiegen.

Die beiden gaben an, seit mehr als sechs Stunden orientierungslos auf der offenen Ostsee umherzufahren. Das GPS-Gerät war ausgefallen, und allmählich gerieten sie in Sorge, weil ihnen der Brennstoff knapp wurde. Lediglich drei konkrete Angaben konnten sie machen: Sie hatten vor längerer Zeit eine kleine Insel passiert, sahen nun große Fährschiffe am Horizont, und das Echolot meldete eine Wassertiefe von 13,5 Metern.

Mit diesen spärlichen Informationen alarmierte die Seenotleitung Bremen die Seenotkreuzer „Eugen“ und „Wilhelm Kaisen“ aus Sassnitz sowie das Seenotrettungsboot „Hecht“ aus Zinnowitz, das mit seiner Freiwilligen-Besatzung gerade auf einer Kontrollfahrt vor Usedom unterwegs war.

Die Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio sendete eine Dringlichkeitsmeldung (Pan-Pan) an die gesamte Schifffahrt. Zur Unterstützung der Suche setzte die DGzRS außerdem die „Arkona“ (Mehrzweckschiff der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung) und die „Bredstedt“ (Bundespolizei) ein. Ferner bat „Bremen Rescue“ die im Revier laufenden Fähren „Galileusz“ (unterwegs von Trelleborg/Schweden nach Świnoujście/Polen) und „Wolin“ (unterwegs von Świnoujście nach Trelleborg) sowie das schwedische Schubschiff „Karl Erik“ (unterwegs auf ähnlichem Kurs) darum, nach dem Hausboot Ausschau zu halten.

Die nahezu spiegelglatte See erleichterte die Radarsuche. Zuvorderst fuhren der Seenotkreuzer „Eugen“ und die in der Nähe stehende „Arkona“ mehrere Radarechos rund um die Greifswalder Oie an. Telefonisch forderten die Seenotretter die Hausbootbesatzung auf, rote Raketen abzufeuern – ein internationales Seenotsignal. Das half: Auf diese Weise fand die „Eugen“ gegen 19.45 Uhr das Hausboot – knapp zwölf Seemeilen (etwa 22 Kilometer) nordöstlich der Greifswalder Oie und damit rund 45 Seemeilen (85 Kilometer) vom geplanten Zielort Stralsund entfernt.

Gemeinsam mit dem Seenotrettungsboot „Hecht“ sicherte der Seenotkreuzer die „Jasmund“ und brachte sie in rund zweistündiger Fahrt, die letzten anderthalb Stunden davon wegen des Brennstoffmangels im Schlepp, zur Greifswalder Oie. Dort machten die Seenotretter und die sichtlich erleichterten Hausbootfahrer gegen 22 Uhr fest.

DGzRS / Christian Tiedt am 19.03.2012