Charterflotte in den Niederlanden Charterflotte in den Niederlanden

Corona-Krise: Maßnahmen

Was ist in den Niederlanden erlaubt?

Rainer Herzberg am 03.05.2020

Wassersport in den Niederlanden zu Zeiten der Corona-Krise. Nichts geht mehr? Doch, es gibt noch Möglichkeiten, wenn man gut plant

So ganz übersichtlich ist die Lage nicht, obwohl es auch klare Regularien und Anweisungen der Regierung in den Niederlanden gibt. Tourismus ist offiziell nicht erwünscht, und das gilt auch, obwohl nicht grundsätzlich verboten, für die Freizeit auf dem Wasser. Kleine Boote können sich nach wie vor ziemlich frei bewegen, aber für größere Jachten gibt es klare Regeln, die von den einzelnen Provinzen zum Teil aber unterschiedlich ausgelegt werden.

Der Gesetzgeber sagt hier – Familien mit eigenen Booten dürfen an Bord, kleine Gruppen bis zu drei Personen auch, unabhängig von der Nationalität. Allerdings verbieten die Provinzen Zeeland, Region Rotterdam, Hoek van Holland, Rockanje, Ouddorp und Haringvliet das Übernachten an Bord, andere wiederum haben damit kein Problem.

Eine reibungslose Reise auf den Wasserstraßen und Kanälen, mit Ausnahme der Binnenmeere und Seewasserstraßen, ist ohnehin kaum möglich, denn es gibt diverse Barrieren, die einen flüssigen Verkehr verhindern.

So sind beispielsweise Schleusen und Brücken je nach Provinz entweder komplett geschlossen und werden nur für den Berufsverkehr geöffnet, oder aber es gelten die Bestimmungen des Winterfahrbetriebs, wonach die Nutzung der Brücken/Schleusen drei Tage im Voraus angemeldet werden muss, was eine ziemlich präzise Planung voraussetzt und die Beweglichkeit deutlich einschränkt.

So trifft man zum Beispiel in Friesland vereinzelt durchaus auf besetzte Brückenhäuschen, einfach deshalb, weil die Wärter ohnehin von der Kommune bezahlt werden und von 9 bis 17 Uhr einen fast normalen Betrieb gewährleisten können. Andere Provinzen wiederum bestehen auf der Dreitageregel und arbeiten nur nach Voranmeldung.

Dazu kommt, dass ein Großteil der Yachthäfen komplett gesperrt ist, zumindest aber Toiletten und Duschen nicht in Betrieb sind. Wer beides an Bord hat, ist hier ohnehin unabhängig, und auch das Absaugen des Fäkalientanks ist an den entsprechenden Stationen nach wie vor über die Automaten gewährleistet. Wer längere Törns einplant, sollte seinen Spritverbrauch ordentlich kalkulieren, denn mit den Yachthäfen sind auch die meisten Tankstellen gesperrt.

Wer da zu großzügig rechnet, darf bald mit dem Kanister zur nächsten Tankstelle pilgern, so denn überhaupt eine in Reichweite ist.

Restaurants und Cafés sind auch in den Niederlanden überall geschlossen, dafür haben die Supermärkte täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet, sodass zumindest die Verpflegung der Crew gewährleistet ist. Gezahlt wird ausschließlich mit der EC-Karte, das Desinfizieren der Einkaufswagen und Hände ist obligatorisch.

Auch Charterer haben immer noch die Möglichkeit, bei einem Unternehmen eine Yacht zu chartern, so es denn bereit ist, ein Schiff unter diesen Umständen zu vermieten. Einige tun das mit Einschränkungen, andere haben ihren Betrieb komplett eingestellt. Zur Einweisung darf nur der Skipper an Bord, der Abstand zum Einweiser soll mindestens 1,5 Meter betragen.

Der finanzielle Verlust für die Charterbranche ist enorm und in diesem Jahr gar nicht mehr aufzuholen, und so liegen in vielen niederländischen Häfen unzählige Charterflotten am Steg und dümpeln vor sich hin. Man rechnet vorsichtig mit einer Rückkehr zu halbwegs normalen Bedingungen nicht vor Mitte/Ende Juni, ist aber skeptisch, ob dann sofort der große Run auf die Charterschiffe einsetzen wird. Die Hoffnungen ruhen da realistischerweise eher auf dem Jahr 2021. Wer bereits in diesem Jahr gebucht und eine Anzahlung geleistet hat, bekommt sie in der Regel zurück oder aber einen Gutschein für eine Reservierung im nächsten Jahr.
Wer also plant, auf eigenem Kiel durch die Niederlande zu schippern, braucht eine ordentliche Vorplanung des Törns, muss sich unbedingt vor Reiseantritt über die neuesten Bestimmungen im Land selbst informieren, aber auch prüfen, ob er als EU-Angehöriger (Deutscher) Rückreiseauflagen seines Landes unterliegt, damit er nicht am Ende noch zu einer 14-tägigen Quarantäne verdonnert wird.

Rainer Herzberg am 03.05.2020