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Corona-Krise

Das Virus und die Bootswelt

Andreas Scharbatke am 05.04.2020

Warum ein traditioneller Grundsatz guter Seemannschaft gerade in unkalkulierbaren Corona-Zeiten die beste Lösung ist

Corona trifft unsere ganze Gesellschaft mit voller Wucht. Während manche Menschen buchstäblich mit dem Tod ringen, sehen sich andere auf rasanter wirtschaftlicher Talfahrt und versuchen den Unternehmens-und Haushaltsschaden für sich und ihre Familie so gering wie möglich zu halten. Auch Freizeitskipper und die Wassersport-Wirtschaft sind direkt oder von den Auswirkungen stark betroffen.

Zahlreiche Beiträge in der Fachpresse und in den sozialen Medien halten uns täglich eindrucksvoll vor Augen, welche allgemeinen und speziellen Sorgen sich auch die Wassersportler und Bootseigner in diesen Tagen machen.

Es ist die Rede von gebuchten Reisen, die bereits angezahlt sind, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht angetreten werden können. Auch von Bootseignern, denen es untersagt wurde, auf den Freigeländen und in den Hallen ihre Boote saisonklar zu machen, und von solchen, deren Schiffe bereits im Wasser liegen, denen es aber untersagt wurde, das Hafengelände, die Stege und letztendlich ihr eigenes Schiff zu betreten.

In diesem Zusammenhang wird unter anderem rege diskutiert, ob Vorauszahlungen auf nicht stattfindende Reisen und Sportangebote ohne Abzug zurückverlangt werden können und ob nicht einige von der Obrigkeit, von Hafenbetreibern und Vereinsvorständen angeordnete Verbote unverhältnismäßig sind und wie es sich verhält, wenn die als rechtswidrig empfundenen Anordnungen und Verbote nicht befolgt werden.

Allgemeingültige Antworten auf all diese Fragen zu geben ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich, und zwar schon deshalb nicht, weil sich die Lage durch neue und die teilweise Rücknahme vorheriger Anordnungen ständig ändert.

Rechtlich kommt vieles in Betracht, faktisch wird sich davon kaum alles durchsetzen lassen.
Unsere Regierung und die ihr untergeordneten Behörden setzen ad hoc Notfallregelungen in Kraft, von denen wahrscheinlich einige zu weit gehen.

Da die Anordnungen jedoch sofort vollziehbar sind, sind sie zunächst von den Bürgern zu befolgen. Rechtsbehelfe beschränken sich zunächst auf den vorläufigen Rechtsschutz, welcher hier wegen des Grundsatzes "Keine Vorwegnahme der Hauptsache" kaum zum raschen Erfolg führen dürfte.

Zivilrechtlich geraten die Unternehmen der Wasserbranche und die Sportvereine unter Druck. Sie finanzieren mit den Vorausleistungen der Frühbucher und ihrer Mitglieder die Anlaufkosten, die mit der Vorbereitung auf die kommende Saison verbunden sind. Unternehmen und Vereine vermieten Hallenplätze, Arbeitsplätze auf Freiflächen und Hafenliegeplätze. Die Nutzer zahlen hierfür Mieten und Nutzungsgebühren. Skipperschulen bereiten sich auf die kommenden Kurse vor und schließen Verträge mit Werkunternehmern, Dienstleistern und Mitarbeitern.

Sie alle sind auf das Geld und darauf, dass es bei ihnen bleibt, dringend angewiesen. Es geht um das wirtschaftliche Überleben in der Krise.

Demgegenüber machen sich die Kunden der Branche sowie die privaten Bootseigner Gedanken, wie es mit ihnen und ihrer Familie wirtschaftlich weitergeht. Ihnen ist nicht zu verdenken, dass sie bemüht sind, bereits getätigte Vorauszahlungen zurückzuholen. Das gilt insbesondere dann, wenn schon jetzt absehbar ist, dass ihr Vertragspartner die Leistung nicht wird erbringen können beziehungsweise "dürfen".

Die Bitte der Branche, die Vorausleistungen nicht zurückzufordern, sondern sich auf geringe Stornogebühren und/oder Umbuchungen einzulassen, stößt nicht bei allen Kunden auf Verständnis. Der Gedanke "Jeder ist sich selbst der Nächste" ist auch hier deutlich spürbar. Zudem gilt der allgemeine Grundsatz "Keine Leistung ohne Gegenleistung" – und umgekehrt.

Ein seriöses Patentrezept gibt es in dieser unvorhersehbaren wie unkalkulierbaren Situation nicht. Bleibt der Rat: Halten wir uns an die auch in Seenot an erster Stelle stehende Empfehlung "Ruhe bewahren" und drücken uns gegenseitig die Daumen, dass wir die Corona-Krise gesundheitlich und wirtschaftlich so gut wie möglich überstehen.

Andreas Scharbatke am 05.04.2020