Freiheit auf dem Wasser Freiheit auf dem Wasser

Corona-Pandemie: Maßnahmen

Endlich wieder frei

Gernot Apfelstedt am 16.06.2020

Nach mehr zwei Monaten Lockdown fühlt sich die wiedergewonnene Freiheit auf dem Wasser wirklich grenzenlos an. Uneingeschränkt ist sie trotzdem nicht

Wo wird social distancing besser praktiziert als auf fahrenden Booten? Also, ab aufs Wasser, wenn immer es geht!", schreibt IMCI, weltweit agierende Gesellschaft zur Zertifizierung von Sportbooten, auf ihrer Website. So unstrittig dies sein mag, gerade diese Form des Freizeitvergnügens blieb im Zuge der staatlich verordneten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus länger verboten als andere.

Anfang Mai öffneten die gesperrten Häfen, und die Eigner durften wieder auf ihre Boote – wenngleich unter Einhaltung von Hygienestandards, Abstandsregeln bis hin zur Maskenpflicht. Einige Wochen später ging auch für die Vermieter von Booten ein Albtraum zu Ende. Endlich dürfen Vercharterer auf ihren Basen wieder Crews empfangen, nachdem ihnen die Umsätze der kompletten Vorsaison unwiederbringlich verloren gegangen waren. Dass sie wenigstens jetzt loslegen dürfen, ist nicht zuletzt den Branchenverbänden sowie den Charterunternehmen selbst zu verdanken.

Sie haben umfassende Corona-Sicherheitskonzepte entwickelt, die der Politik und den Genehmigungsbehörden Argumente für grünes Licht lieferten. Über den Maßnahmenkatalog des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft und des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes für Hafenanlagen, Charterbasen etc. berichteten wir in BOOTE 6/2020. Der Verband Deutscher Sportbootschulen ging mit einem eigenen Hygiene- und Schutzplan in die Offensive.

Neun Unternehmen des Wassertourismus in Mecklenburg-Vorpommern hatten sich bereits am 22. April in einem offenen Brief an die Politik gewandt: Baltic Sea Resort, Barther Yacht-Service, im-jaich, Kuhnle-Tours, Le Boat, Locaboat Plaisance GmbH, Yachtcharter Römer, Yachthafen Priepert und Yachtwelt Weisse Wiek. Ihr Vorschlag für eine stufenweise Lockerung enthält generelle Hygienemaßnahmen, die zur neuen Normalität von Charterbetrieben gehören:

  • Einhaltung der Abstandsregeln (mindestens 1,5 m) auf Stegen, von Boot zu Boot, im Hafengebäude (Hafenmeisterei) und im Hafengelände. Kontrolle und Sicherstellung von beauftragten Hafenmitarbeitern während der Hafenöffnungszeiten.
  • Spuckschutz am Bedienungstresen im Hafengebäude (Hafenmeisterei). Tragepflicht von Mund- und Nasenschutz durch Mitarbeiter bei Kundenkontakt. Zugangssteuerung und Abstandsregelungen entsprechend den Regelungen im Einzelhandel.
  • Tägliche Desinfektion aller Einrichtungen, die von Gästen benutzt werden (z. B. Entsorgungsstation für Chemietoiletten, Empfangstresen etc.).
  • Reinigungshygiene entsprechend den Empfehlungen der RKI.
  • Erfassung sämtlicher Personen pro Boot, sodass die Nachverfolgung von Kontaktper-
  • sonen bei Infizierung jederzeit möglich ist.
  • Öffnung der Außenflächen der Hafengastronomie unter Abstandsauflagen.

Es gibt viel zu beachten beim Bootfahren in Corona-Zeiten. Aber Hauptsache, es ist überhaupt wieder möglich. Besser Einschränkungen in Kauf nehmen, als auf den Bootsspaß ganz zu verzichten. Je mehr sich solidarisch – wir Bootsleute sind das doch, oder?! – an die Regeln halten und die neu gewonnenen Freiheiten nicht aufs Spiel setzen, je weiter die Zahl der SARS-CoV-2-Infizierten sinkt, desto früher werden weitere Lockerungen folgen. Wann dürfen wieder Menschen aus mehr als maximal zwei Haushalten gemeinsam Boot fahren – egal ob es sich um ein gechartertes oder das eigene handelt?

IMCI (eingangs genannt) hat zum Schutze seiner Mitarbeiter zwölf Sicherheitsmaßnahmen gegen Virusinfektionen eingeführt, die sich offensichtlich bewährt haben, da sie streng eingehalten wurden (Abbildung oben). "Die gesamte Belegschaft der Hauptverwaltung und alle unsere Inspektoren, selbst die in den Corona-Hot-
spots, sind gesund geblieben! Gerne stellen wir jedem dieses Merkblatt zur Verfügung, welches sich in A3 oder A4 ausdrucken und in Büro oder Werkstatt aushängen lässt."

Gernot Apfelstedt am 16.06.2020
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