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Ferretti-Gruppe nach China verkauft

Marcus Krall (BOOTE EXCLUSIV) am 18.03.2012

Acht Marken für Fernost: Ferretti, Riva, Pershing und Co. gehören jetzt der chinesischen Shandong Weichai Group. Produziert wird weiter in Italien.

Ferretti 500

Neben den Modellen von Ferretti Yachts, hier die 500, gehören auch Pershing, Itama, Riva, Betram, CRN, Custom Line und Mochi Craft jetzt zur Shandong Weichai Group.

Was waren das für Zeiten? 1968, als das Unternehmen Ferretti gegründet wurde und das Boating in Europa so langsam Fahrt aufnahm. 1987, als in einem Jahr erstmals über 100 Ferretti-Yachten verkauft wurden. 1998, als man die Marken Pershing und Bertram und zwei Jahre später den legendären Namen Riva in die Firma integrierte. Als kurz darauf auch Mochi Craft und Itama hinzukamen und man in der Zwischenzeit nur noch vom Ferretti-Konzern sprach. Es waren Boom-Zeiten, die mittlerweile jedoch meilenweit entfernt scheinen.

Auch die Ferretti-Gruppe geriet mit der seit 2008 andauernden Finanzkrise ins Straucheln, restrukturierte sich und musste nun einen Investor an Bord nehmen, der in der Branche für, vorsichtig ausgedrückt, etwas Unbehagen sorgt. Er kommt aus China.

Insgesamt 374 Millionen Euro hat die Shandong Heavy Industry Group/Weichai Group (über 40 000 Mitarbeiter weltweit) in die Ferretti-Gruppe investiert, die Schulden der Italiener auf ein „vertretbares“ Maß reduziert und so einen 75-prozentigen Anteil an ihr und damit auch an den acht Marken der Gruppe erworben. Neben den bereits erwähnten gehören noch CRN, Custom Line und Ferretti Yachts dazu, die alle zu den führenden Adressen ihrer Nische gehören und zusammen ein Längen-Portfolio bilden, das sich von rund 15 bis 80 Meter erstreckt.

„Das Yacht-Business steht ganz oben auf der Strategie-Agenda von Shandong Weichai für die nächsten fünf Jahre“, sagt deren Vorsitzender Tan Xuguang und ergänzt: „Mit seinen Top-Produkten, seiner ausgereiften Fertigung und seinem Verkaufsnetzwerk ist Ferretti dafür der ideale Partner.“ Kapital, Synergie-Möglichkeiten und neue Vermarktungswege, insbesondere in China, will Xuguang den Italienern bieten, gleichzeitig aber auch das Siegel „Made in Italy“ wahren. Die Zentrale und die Produktion aller Ferretti-Marken sollen in ihrer Heimat verbleiben.

Ähnlich war man schon beim Kauf des französischen Motorenherstellers Moteurs Baudouin SA im Jahr 2009 verfahren. Nach dem Einstieg von Shandong-Weichai hat sich dort übrigens das Verkaufsergebnis von 74 auf 352 Motoren verfünffacht und die Zahl der Mitarbeiter fast verdoppelt …

Und was sagt Ferretti-Group-Gründer Norberto Ferretti zur neuen Konstellation? „Ich bin sehr stolz, jetzt einen so starken Partner zu haben, und bin mir sicher, dass wir auf diesem Fundament unsere Wachstumspläne zuverlässig umsetzen werden. Außerdem eröffnet uns die Shandong Weichai Group natürlich neue Absatzkanäle in einem Markt mit riesigem Potenzial in den kommenden fünf bis zehn Jahren.“

In jedem Fall werden die folgenden Monate zeigen, ob hier zwei zusammenwachsen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. 

Marcus Krall (BOOTE EXCLUSIV) am 18.03.2012