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In eigener Sache

Home, sweet Homeoffice?

Christian Tiedt am 13.04.2020

Auch die BOOTE-Redaktion produziert das Magazin seit einem Monat von zuhause. Zeit, für eine kleine Zwischenbilanz in Sachen Corona

Die Ostertage brachten Traumwetter – was wäre das für eine Zeit am oder schon auf dem Wasser gewesen? Die letzten Arbeiten am Boot, Slippen und Kranen, die erste Ausfahrt in die Ankerbucht. Oder vielleicht schon ein früher Chartertörn? Die noch immer steigende Ausbreitung von Covid-19 hat all dem in diesem Jahr einen Riegel vorgeschoben und die so verlockend glitzernden Wasserflächen im wahrsten Sinne gesperrt. Dafür lässt sich die Entwicklung im Liveticker am Bildschirm verfolgen, aus den eigenen vier Wänden heraus. Unsere Welt ist sprunghaft sehr viel virtueller und digitaler geworden. 

Bei sehr vielen Menschen betrifft das auch die Arbeitswelt, längst hat man sich im Homeoffice mit den Realitäten eingerichtet. Sicher nicht immer zu vollster Zufriedenheit, aber so gut es eben geht.

Der direkte Kontakt mit den Kollegen findet zwar statt, im Chat, in der Videiokonferenz oder am Telefon, aber eben auch mit derzeit gebotenen „Social Distancing“. Diesen neuen Umgang miteinander muss jedes Team erst einmal lernen. Nach vier Wochen lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Die Maiausgabe von BOOTE, die am 22. April erscheint, wurde bereits komplett „im Exil“ produziert. 

Torsten Moench, Chefredakteur von BOOTE: „Die kommende Ausgabe ist das erste Heft in der 53-jährigen Geschichte unseres Magazins, das nicht unter den komfortablen Rahmenbedingungen einer kompletten Redaktionsinfrastruktur entstand. Telefon, E-Mail und Videokonferenzen ermöglichen zwar Kommunikation, das direkte persönliche Gespräch unter den Kollegen können Sie aber nicht ersetzen.“

Dennoch geht es weiter. Die Arbeit an der Juni-Ausgabe hat bei BOOTE bereits begonnen. Ganz klar, für eine Redaktion, die sonst viel unterwegs ist, zum Testen von Booten, für Hintergrundrecherchen oder für Reisereportagen, sorgt die Situation dabei für zusätzliche Herausforderungen:

Johannes Erdmann aus der Test- und Technikredaktion: „Jetzt ist die Zeit, in der wir ständig zu Bootstests fliegen würden. Alles abgesagt. Selbst kleine Sachen, wie Ausrüstungstests, sind mit einer Menge Problemen verbunden, weil wir ja nicht mal eben kurz an die Ostsee fahren können, um etwas zu produzieren.“

Was bleiben für Optionen? „Wir überlegen verstärkt, was man für Ausrüstungstests ,auf dem Balkon‘ oder überhaupt ganz generell von zuhause machen könnte.“ Dafür freut sich der Nachwuchs umso mehr: Sieht man die Kinder sonst nur morgens und abends, ist jetzt auch zwischendurch Zeit. 

Gernot Apfelstedt, unter anderem für die Berichterstattung über Messen zuständig, bei denen es zuletzt vor allem Absagen zu vermelden gab: „Für die Bootsbranche ist die Situation unglaublich hart. Das ist deswegen besonders tragisch, weil es unmittelbar vor Corona wieder bergauf ging und eine sehr positive Stimmung herrschte, wie man noch auf der ,boot Düsseldorf‘ im Januar sehen konnte.“

Gleiches gilt auch für den Bootstourismus: Geschlossene Häfen und das Verbot touristischer Reisen in einigen Bundesländern setzen auch diesem Sektor der Wassersportindustrie massiv zu. Das gilt für Charterunternehmen, Servicebetriebe vor Ort und die Dienstleister im Bereich der Infrastruktur.

Christian Tiedt, zuständig für die Themen Reise und Reportage: „Man kann sogar noch fast von Glück sprechen, dass die Krise so früh im Jahr kam. Die Vorsaison muss zwar abgschrieben werden – was bei dem perfekten Wetter derzeit doppelt schmerzt. Aber zumindest gibt es bei positiver Entwicklung noch Hoffnung für den Sommer – auch wenn die Einschränkungen erst schrittweise gelockert werden sollten.“

Hoffnung ist das Stichwort. Nicht nur für die Wassersportindustrie und alle Wassersportbegeisterten, auf eigenem Kiel oder im Charterboot, sondern für die gesamte Bevölkerung. Und wenn man den Einschätzungen der Experten in diesen Tagen hört, scheint sich die Disziplin auszuzahlen. Der Silberstreif am Horizont lässt sich erahnen.

Christian Tiedt am 13.04.2020
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