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Interview: Bootswirtschaft

So versenkt Trump die US-Bootsindustrie

Jürgen Straßburger am 15.11.2018

Die amerikanische Branchenvereinigung (NMMA) lässt kein gutes Haar an der Handelspolitik des US-Präsidenten

Aus Sicht von Nicole Vasilaros, Vizepräsidentin für Regierungsbeziehungen bei der National Marine Manufacturers Association (NMMA), kam "der erste Schlag gegen die amerikanische Sportbootindustrie" Ende letzten Jahres: Die Trump-Administration hatte "Antidumping- und Ausgleichszölle" in Höhe von 200 Prozent auf die Einfuhr von Aluminiumblechen aus China angekündigt. Das, so Vasilaros, trieb die Kosten für chinesisches und US-amerikanisches Aluminiumblech in die Höhe. In die gleiche Kerbe haut Bill Yeargin, CEO von Correct Craft, einem erfolgreichen Hersteller von Aluminiumbooten in einem Artikel im "Examiner":

"Die Zölle der Trump-Administration haben den globalen Markt verzerrt und die Preise für heimisches Aluminium um 20 bis 30 Prozent in die Höhe getrieben. Das ist schlecht für unsere Firma, schlecht für unsere Arbeiter und für unsere Industrie"

Die zweite Runde im Handelskrieg wurde von Trump zu Beginn dieses Jahres eingeläutet: Unter Berufung auf fragwürdige nationale Sicherheitsbestimmungen im Trade Expansion Act von 1962 wurden zusätzliche Zölle von 10 bis 25 Prozent auf nahezu alle Aluminium- und Stahleinfuhren angekündigt. Im Juli kam der dritte Schlag: Rund 300 Marine-Produkte aus China, die in fast jedem Boot verbaut werden (Antennen, Propeller, Motoren, Navigationsgeräte und weiteres Zubehör), wurden mit 25 Prozent Einfuhrzoll belegt.

Klar, dass diese Zölle nicht ohne Auswirkungen auf die Preise amerikanischer Boote bleiben konnten: "Wir möchten die Boote für unsere Kunden gern zu erschwinglichen Preisen anbieten. Aber letztendlich ist das für unsere Produkte auf Dauer nicht möglich", sagte Duane Kuck, CEO von Regal Marine Industries, Ende August in einem Interview bei Fox Business Network.

Der durch die amerikanischen Strafzölle gegen chinesische Produkte eingeleitete Preisauftrieb für amerikanische Boote, ist aber keineswegs das Ende der Preisspirale.

Kanada, Mexiko und die Europäische Union reagierten auf die amerikanischen Stahl- und Aluminium-Zusatzzölle ihrerseits mit Strafzöllen unter anderem für amerikanische Boote. Seit Ende Juni werden 25 Prozent Zoll auf jedes aus den USA in die EU importierte Boot fällig. Canada kassiert bis auf Weiteres zehn, Mexiko 15 Prozent.

Das hat natürlich auch gravierende Folgen für die Preise amerikanischer Boote in Deutschland und der EU.
Peter Nürnberger, kaufmännischer Geschäftsführer von Europe Marine in Budenheim, Importeur der amerikanischen Bootshersteller Monterey und Glastron, hält eine Preissteigerung von bis zu 35 Prozent innerhalb des nächsten halben Jahres für möglich.

Er sei froh, dass der Umsatzanteil von US-Booten in seinem Unternehmen nicht mehr all zu groß sei. Außerdem habe er mit dem Kauf von zwei Monterey-Formen ein glückliches Händchen gehabt und werde künftig auch verstärkt auf die eigene Produktion setzen.

Für Joachim Pfister, Chef von Boote-Pfister in Schwebheim und Importeur der US-Marken Sea Ray, Bayliner, Larsson, Cobalt und Scarab ist vor allem der "Schwebezustand" schwer zu ertragen, "der Händler wie Kunden gleichermaßen verunsichert: Wie lange wird der Handelskrieg noch dauern? Wann bekommen wir wieder normale Handelsbeziehungen?"

Bei der Preisentwicklung für US-amerikanische Boote ist Pfister optimistischer als sein Mitbewerber: "Ich sehe, dass die amerikanischen Lieferanten noch Spielräume haben und die steigenden Preise nicht in vollem Umfang an uns weitergeben können. Ich rechne im Verkauf mit einer Preissteigerung von zehn bis 15 Prozent."

Laut „Wirtschaftswoche“ exportierten die USA im Jahr 2017 Boote und Yachten im Wert von 35 Millionen Euro nach Deutschland. Der bisherige Einfuhrzoll lag in Prozenten zwischen 0 und 2,7 und in Euro bei knapp einer Million. Der jetzige Strafzoll von 25 Prozent wird 9 Millionen Euro in die Staatskasse spülen. Und am Ende steht die Befürchtung, dass der Endverbraucher die Kosten zu tragen habe.

Die bereits zitierte Nicole Vasilaros beleuchtet das Los der US-Bootsindustrie: "Während der gesamten Kampagne im Jahr 2016 versprach der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump, amerikanische Unternehmen und Arbeitnehmer an die erste Stelle zu setzen – ein bewundernswertes Ziel, das wir unterstützen. Die Handelsaktionen des Präsidenten haben jedoch genau das Gegenteil bewirkt. Und unsere Industrie wurde besonders stark von den Zolltarifen und den darauf folgenden Vergeltungsmaßnahmen getroffen".

Jürgen Straßburger am 15.11.2018