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Kroatien: Aufenthaltsgebühren

Der Staat zockt ab

Jürgen Straßburger am 19.01.2018

Die Erhöhung der Aufenthaltsgebühren sprengt bisher bekannte Grenzen. Eigner müssen bis zu 600 Prozent Aufschlag für Liegeplätze zahlen.

„Alles hat seinen Preis", weiß der Volksmund und ist gewohnt, regelmäßige Aufschläge mehr oder weniger murrend hinzunehmen. Ob es auch angesichts der von der kroatischen Regierung inszenierten Kostenexplosion bei den Aufenthaltsgebühren für Bootseigner in kroatischen Gewässern bei dieser Reaktion bleibt, ist abzuwarten.

Zu den Fakten: Zum Jahresanfang trat in Kroatien eine neue Gebührenordnung für die frühere Kurtaxe, jetzt Aufenthaltsgebühren, in Kraft. Bestandteil sind Preisaufschläge, die insbesondere für Eigner größerer Boote dramatisch sind: So werden für Boote in der Kategorie 12 bis 14,99 m mit einem Jahresliegeplatz künftig 1029 € allein für die Jahres-Aufenthaltsgebühr fällig. Bisher waren es 176 € – also ein Aufschlag um knapp 600 Prozent. Noch gröber trifft es Boote ab 15 m Länge.

Aber auch Boote zwischen 5 und 8,99 m Länge bleiben als Jahreslieger nicht verschont: Ihre Gebühr verdoppelt sich von 134 auf 267 €. Bei Booten ab 9 bis 11,99 m Länge ist künftig mehr als das Fünffache zu zahlen: statt 147 € jetzt 775 €.

Da mag es tröstlich sein, dass für die meisten Trailerkapitäne, also Eigner von Booten bis 9 m Länge und üblicher Urlaubsdauer von maximal 30 Tagen, die Gebühren mit 53 € (bis 8,99 m Länge bei 30 Tagen Aufenthalt) gleich bleiben und für kürzere Aufenthalte sogar geringfügig gesenkt wurden.

Nun bleibt abzuwarten, wie die Eigner größerer Boote auf diese Kostenexplosion reagieren. Ein abschreckendes Beispiel ist die vor wenigen Jahren in Italien aus dem Hut gezauberte Einführung einer Bootssteuer in ähnlichen Dimensionen, die der Nautikbranche nach Angaben des italienischen Verbandes Assomarinas einen finanziellen Einbruch um rund ein Drittel bescherte, von dem sich die Branche auch zwei Jahre nach Rücknahme der Steuer noch nicht vollständig erholt hat.

Es ist nicht auszuschließen, dass die jetzige Entscheidung der kroatischen Regierung der italienischen Marinabranche hilft, Rückstände wieder gut zu machen.

Das ahnen offensichtlich auch die kroatischen Marinabetreiber. So kritisierte Renata Marević, Managerin der Marina Punat auf der Insel Krk und zugleich dortige Repräsentantin der Kreuzer-Abteilung des DSV, die neuen Beiträge für unannehmbar hoch:

"Die Marinaleitung hat sich den Plänen stark widersetzt, auch andere Unternehmer aus der Branche sind dagegen. Wir haben jedoch nach dem Parlamentsbeschluss nicht aufgegeben und arbeiten weiter daran, die Vorschrift zu ändern."

Ebenfalls nicht aufgegeben hat SeaHelp, der Pannendienst auf See, der eine online-Petition auflegte, die auch vom ADAC unterstützt wurde und bis zum 10. November 2353 Unterzeichner fand. In der Petition wird die kroatische Regierung darum gebeten, "die beschlossene Verordnung … in ihrer Höhe nochmals zu überdenken. Außerdem sollte hinsichtlich der Kurtaxe eine Gleichbehandlung aller Touristen erfolgen und keine Ausnahmesituation für Wassersportler geschaffen werden."

Doch die besteht längst: Auch die Gebühren in den staatlichen Nationalparks sind in den letzten Jahren dramatisch angehoben worden: Kostete der Tagesaufenthalt im Kornati Nationalpark in der Hochsaison 2014 für ein Boot bis 11 m Länge noch 250 Kuna, sind es heute 500 Kuna. Auch hier werden Skipper ohne ersichtliche Gegenleistung abgezockt.

Bootslänge 5–8,99 m 9–11,99 m 12–14,99 m 15–19,99 m über 20 m
bis 8 Tage 17 €  (20) 53 €  (27) 67 €  (40) 87 €  (53) 127 €  (80)
15 Tage 32 €  (40) 94 €  (47) 127 €  (53) 160 €  (67) 241 €  (107)
30 Tage 53 €  (53) 160 € (67) 214 €  (80) 267 €  (94) 401 €  (134)
90 Tage 127 € (80) 388€ (87) 515 €  (100) 642 €  (114) 963 €  (174)
1 Jahr 267 €  (134) 775 €  (147) 1029 €  (176) 1283 €  (201) 1939 €  (227)
Jürgen Straßburger am 19.01.2018