Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius
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Lücke in der Prävention geschlossen

Gernot Apfelstedt am 26.07.2011

In 13 Bundesländern bietet die Wasserschutzpolizei Gravuraktionen an, um Diebe abzuschrecken. Auch Hamburg bietet jetzt diesen sinnvollen Service an.

Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius

Präventionsgemeinschaft: Der Eigner diktiert, die Polizei graviert.

Außenborder, Bootszubehör, nautische Gegenstände, teilweise auch die Boote selbst mit einer Individualnummer versehen („Fingerabdruck“), diese mit anderen fahndungsrelevanten Daten in einen Bootspass eintragen (Eigenverantwortung des Eigners) und parallel dazu auf dem gravierten Gegenstand leuchtendgelbe, witterungsfeste Aufkleber anbringen, die ihn als „registriert“ kennzeichnen (Abschreckung für Diebe).

Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius

Selbsterklärend: Der Graviercode führt die Polizei zum Eigentümer.

Bestechend einfach ist dieses Präventionskonzept, das die Wasserschutzpolizei und die Yachtversicherung Pantaenius seit 2002 in mittlerweile sechs Bundesländern gemeinsam anbieten. Nach dem Start dieser Aktionspartnerschaft – Pantaenius stellt die Graviertechnik zur Verfügung, die WSP das Personal – in Schleswig-Holstein (BOOTE 8/02) übernahmen im Laufe der Jahre auch die Wasserschutzpolizeien Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen (Emden), Bayern, Sachsen und zuletzt auch Berlin dieses Prinzip.

Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius

Warnung an Langfinger: Die Aufkleber weisen auf gravierte Motoren und Ausrüstung hin.

Dass das kostenlose Angebot bei Bootsleuten auf enormes Interesse stieß, ist wegen der anhaltend hohen Diebstahlzahlen (im Jahr 2010 wurden bundesweit 327 Boote und 1141 Motoren gestohlen, siehe BOOTE 5/11) kein Wunder: Seit dem Beginn in Flensburg im Frühjahr 2002 wurden 10 454 Außenbordmotoren, 2115 Boote, 1565 Ferngläser sowie 11 119 Stück Ausrüstung und Zubehör graviert (Stand: Dezember 2010). Dafür investierten Wasserschutzpolizisten der sechs genannten Bundesländer zusammen 3835 Einsatzstunden.

Gravuraktion von Wasserschutzpolizei und Pantaenius

Datenspeicher: Der Bootspass vereint die Nummern der gravierten Ausrüstung.

Berücksichtigt man, dass bis zu diesem Zeitpunkt die WSP weiterer sechs Bundesländer (Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Rheinland Pfalz und Sachsen-Anhalt) ohne Partner und Sponsoren Codierungen nach einem eigenen oder abgewandelten System anbot, wird Bedarf und hoher Stellenwert der Vorbeugung noch deutlicher.

Dass Diebe um gravierte Motoren und Ausrüstungsgegenstände lieber einen Bogen machen, ist belegt. Ebenso die Zuordnungsmöglichkeit beschlagnahmten Diebesgutes aufgrund der gravierten Individualnummer. Dies gelang allerdings nicht immer bzw. nicht immer rechtzeitig. Dazu später mehr.

Waren Nordrhein-Westfalen, Hamburg und das Saarland (Thüringen hat keine WSP) bislang weiße Flecke auf der deutschen Gravierlandkarte, ist die Freie und Hansestadt seit Pfingsten mit von der Partie, mit einem eigenständigen Angebot und unabhängig von privaten Institutionen. Mit Frank-Martin Heise, dem neuen Leiter der Hamburger Wasserschutzpolizei (siehe Kurzinterview in BOOTE 7/11), brach der jahrelange Widerstand gegen die unentgeltliche Dienstleistung für Freizeitkapitäne.

Bis dahin mussten Hamburger Skipper nach Schleswig-Holstein fahren, wollten sie in ihrem Eigentum einen fälschungssicheren Code verewigen lassen. So surrten beispielsweise im Wedeler Yachthafen die Pressluftnadler auch für die Nachbarn. Dies hinterließ in Hamburg ebenso Wirkung wie der stete Tropfen aus Sportbootkreisen.

Entscheidend für die Wende war wohl die Bedeutung, die Heise, der von der Kripo zur WSP wechselte, Erfolgen auf dem Gebiet der allgemeinen Kriminalprävention sowie bei der Ermittlungsarbeit beimisst. Die Dringlichkeit steht angesichts international agierender Banden außer Frage. Was zur Kriminalitätsbekämpfung erforderlich ist, muss – so kann man durchaus argumentieren – auch aus öffentlichen Kassen finanziert werden.

Das Hamburger System baut auf dem von der WSP Flensburg in Kooperation mit Pantaenius praktizierten auf, wurde aber in einigen Punkten abgewandelt. Dabei ist die Farbänderung (Blau statt Gelb) bei Pässen und Aufklebern „Vorsicht! Registrierter Motor (alternativ: Registrierte Ausrüstung)! Ein graviertes Stück Sicherheit“ noch die geringste. Man verzichtet – wie bereits erwähnt – auf finanzielle Unterstützung aus der Privatwirtschaft.

Der wichtigste Unterschied liegt im verwendeten Graviercode. Lassen die beim System WSP/Pantaenius gravierten Buchstaben und Ziffern bei Polizeikontrollen – beispielsweise von Kleintransportern auf der Autobahn – keinen Rückschluss auf den Eigner zu (es sei denn, der Diebstahl wurde bereits samt Gravur ins polizeiliche Fahndungssystem „Inpol“ eingestellt), verwendet die WSP Hamburg den von der Fahrradcodierung bewährten EIN-Code (Eigentümer-Identifikations-Nachweis).

Der setzt sich aus dem amtlichen Kfz-Kennzeichen, Gemeinde- und Straßenschlüssel, Hausnummer und den Initialen des Eigners zusammen. Er ist „selbsterklärend“ und lässt daher auch ohne behördliche Registrierung Rückschlüsse auf den rechtmäßigen Eigner zu. Ein nicht zu übertreffender Vorteil, wenn etwa ein Eigner den Diebstahl seines Außenborders noch gar nicht bemerkt hat und die Polizei trotzdem bei ihm nachfragen kann, bevor sie einen Verdächtigen mit „heißer“ Ware weiterfahren lassen muss.

Nach der gelungenen Gravier-Premiere der WSP Hamburg im Rüschhafen von Finkenwerder anlässlich der Pfingstgeschwaderfahrt des Hamburger Motorboot-Verbandes steht die Wasserschutzpolizei für weitere Präventionsaktionen bereit, auch für nicht organisierte Wassersportler. Ansprechpartner, auch die der anderen Bundesländer, siehe Seite 89. – Wann folgt NRW? 

Ansprechpartner bei der WSP für Gravuren

  • Baden-Württemberg Dagmar Zweydinger, Tel. 0721-666 32 20, dagmar.zweydinger@polizei.bwl.de
  • Bayern Richard Wager, Tel. 09122-92 74 74, richard.wager@polizei.bayern.de
  • Berlin Peter Rieck, Tel. 030-46 64 98 30 11, wsp@polizei.berlin.de
  • Brandenburg Ralf Lübbe, Tel. 0331-55 08 28, www.polizei.brandenburg.de
  • Bremen Holger Knauer, Tel. 0421-362 98 33, holger.knauer@polizei.bremen.de
  • Hamburg Martin Linde, Tel. 040-42 86 65 032, wspl@polizei.hamburg.de
  • Hessen Rainer Kreß, Tel. 06134-18 76 63, rainer.kress@polizei.hessen.de
  • Mecklenburg-Vorpommern Hartmut Richter, Tel. 03820-88 87 31 12, wspd-mv@polmv.de
  • Niedersachsen Zentrale Polizeidirektion, Abteilung Wasserschutzpolizei, Sachbearbeiter Kriminalitätsbekämpfung,
  • Tel. 0441-790 30 15
  • Rheinland-Pfalz Klaus-Dieter Sack, Tel. 06131-65 80 23, klaus-dieter.sack@polizei.rlp.de
  • Sachsen Maik Augustin, Tel. 0351-85 01 62 03, maik.augustin@polizei.sachsen.de
  • Sachsen-Anhalt Dietmar Bloch, Tel. 0391-546 25 14, dietmar.bloch@polizei.sachsen-anhalt.de
  • Schleswig-Holstein Günter Herrmann, Tel. 0461-484 63 06 guenter.herrmann@polizei.landsh.de
Gernot Apfelstedt am 26.07.2011