Silke Hellabach Silke Hellabach

Porträt einer Bootsbauerin

Bootsbauer ist nur was für Männer? Nein!

Rainer Herzberg am 15.06.2015

Der Großvater war Binnenschiffer, ihr Vater bei der Marine und sie selbst ist Bootsbauerin: Silke Hellabach fühlt sich in der Männerdomäne wohl.

Silke Hellabach

Silke Hellabach

Der Großvater war Binnenschiffer, ihr Vater bei der Marine und sie selbst ist Bootsbauerin: Silke Hellabach setzt die maritime Tradition der Familie aus Lorch am Rhein fort. Dorthin gelangte die Hessin allerdings auf Umwegen: Zunächst machte sie eine Ausbildung als Altenpflegerin, fühlte sich in diesem Beruf aber nicht wohl.

Ein Praktikum beim Bootsbauer Sebastian Funger am Niederrhein gefiel ihr so gut, dass sie 2009 eine Lehrstelle bei der Bootswerft Dietrich Bopp am Steinhuder Meer annahm und dort den Holzbootbau von Grund auf erlernte. Bei Bopp werden 20er und 30er Segelboote gebaut, repariert und überholt. Viel handwerkliches Geschick und präzise Schreinerarbeiten sind da gefordert.

Nach Abschluss der dreieinhalbjährigen Ausbildung folgte ein kurzes Intermezzo bei einer Service- und Reparaturwerft am Bodensee. Doch die Arbeit langweilte sie: "Zu mechanisch, zu begrenzter Aufgabenbereich. Da muss noch mehr kommen." Durch Zufall stieß die junge Bootsbauerin auf eine Ausschreibung der Firma Europe Marine in Budenheim am Rhein – und bekommt die Stelle.

Europe Marine handelt nicht nur mit Yachten namhafter Hersteller, sondern produziert selbst die bekannte Serie "Viper Powerboats". Schnelle, komfortable und luxuriöse Yachten von 18 bis 32 Fuß. In Budenheim findet die 28-Jährige die neue Herausforderung, die sie suchte. Ihre vielfältigen Arbeitsbereiche umfassen GFK-Bauweise, Motorentechnik, Elektrik, Mechanik, Sanitärtechnik und natürlich die Schreinerei.

Wie geht es ihr unter all den männlichen Kollegen? "Das sind alles nette Kerle, die mich so akzeptieren wie ich bin und auch helfen, wenn sie glauben, dass es mir mal etwas zu schwer wird." Durch täglich hartes Training beim Kickboxen und regelmäßiges Joggen hält sich Hellabach fit, liest aber auch gern in Ruhe ein gutes Buch und liebt vor allem gutes Essen.

Wenn es ihre Zeit zulässt, kocht sie auch mal selbst für sich und ihre Familie. Auf die Frage, ob es denn nun die richtige Berufsentscheidung war, bekommt man die spontane Antwort: "Unbedingt! Ich gehe wirklich jeden Tag gern arbeiten und abends sehr zufrieden nach Hause!"      

Rainer Herzberg am 15.06.2015