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Quo vadis, Sealine?

Torsten Moench am 24.01.2014

BOOTE sprach mit dem neuen Hanse-Yachts-Chef Jens Gerhardt über die Zukunft der im letzten Jahr hinzugekauften, englischen Traditionsmarke Sealine.

Jens Gerhardt

Dr. Jens Gerhardt: Der Wirtschaftsprofi und Physiker lenkt die Geschicke der Hanse Yachts AG Greifswald.

BOOTE: Was ist der Grund für die Übernahme von Sealine?

Gerhardt: Wir möchten unseren Motorboot-Bereich ausbauen. Dabei ist es für uns einfacher, eine bereits bestehende Marke mit fertigen Produkten weiterzuentwickeln, als eine komplett neue Motorbootserie auf den Markt zu bringen. Hier haben wir in der Vergangenheit mit Fjord viel Lehrgeld gezahlt und können nun von diesem Wissen profitieren.

BOOTE: Apropos Fjord. Was wird aus dieser Traditionsmarke?

Gerhardt: Fjord wird es natürlich auch weiterhin geben. Uns ist jedoch klar, dass große Open-Boote ein Nischenprodukt sind und bleiben. Wer wie wir in die Mitte des Marktes will, braucht entsprechende Boote – deshalb die Sealine-Übernahme.

BOOTE: Wird es Änderungen an der Sealine-Modellpolitik geben?

Gerhardt: Ja. Derzeit arbeiten wir an
einer neuen Flybridge-Sealine, der F 380. Sie erlebt diese Tage in Düsseldorf ihre Markteinführung, und jeder Interessent ist herzlich eingeladen, sich die erste "Sealine made in Germany" auf unserem Stand anzusehen. Darüber hinaus legen wir unseren Fokus zunächst auf mittelgroße Boote um 10 m Länge. Hier sehen wir die besten Absatzchancen für die kommenden Jahre. Die bereits angedachte 47er verschieben wir auf einen späteren Zeitpunkt. Eine weitere Änderung betrifft die Ausstattung. Zukünftig wird es mehr Ausstattungspakete geben, mit denen sich der Eigner seine Sealine individuell zusammenstellen kann.

BOOTE: Reicht die derzeitige Werftkapazität aus, alle Sealine-Modelle in Greifswald zu bauen?

Gerhardt: Die S 450, F 450 und F 380 können wir in unserem Stammsitz bauen, die S 380 auf Rügen.

BOOTE: Werden Sealine-Boote unter deutscher Regie teurer?

Gerhardt: Sicher nicht. Obwohl die Stundenlöhne in England und Deutschland durchaus vergleichbar sind, werden die Boote tendenziell eher günstiger. Der Grund dafür liegt in unserer effizienteren Fertigung. Unsere Werft ist auf Großse-rienproduktion ausgelegt, das macht vieles schneller, einfacher und damit preiswerter. Diesen Vorteil werden wir an unsere Kunden weitergeben.

BOOTE: Was passiert mit den bisherigen Sealine-Händlern?

Gerhardt: Natürlich werden wir Sealine über unser bereits bestehendes Netz vertreiben. Darüber hinaus ist jeder bisherige Sealine-Händler herzlich eingeladen, sich bei uns als neuer "Hanse-Händler" zu bewerben.

Mit Jens Gerhardt sprach Torsten Moench

Torsten Moench am 24.01.2014