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Rennsport Deutschland: Das bringt 2015

Hartmut Knape am 06.06.2015

Ende Mai startete die deutsche Rennsaison in Traben-Trarbach mit der O-350-WM, das Finale bestreitet Ende September in Düren die F4. Unsere Vorschau

350er-Klasse

"Go for Gold" auf der Mosel: Die Rennboote der 350er-Klasse kämpften in Traben-Trarbach gleich um den Weltmeistertitel.

Von 0 auf 100 in Nullkommanichts. Für die Fahrer der 350-ccm-Rennbootklasse und der 400-ccm-Yamatoklasse endete die Winterpause in diesem Jahr ziemlich abrupt. Am 29. Mai fuhren sie zu ihrem ersten Rennen, und zwei Tage später gab es schon Goldmedaillen. Nachdem die Macher um Rennbootfan Roland Olschimke und Gewerbevereinvorsitzendem Elmar Hilgers im vergangenen Jahr den Dornröschenschlaf der Rennstrecke in Traben-Trarbach beendet hatten, ging es beim 34. Rennen wieder um internationale Titel.

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"Go for Gold" auf der Mosel: Die Rennboote der 350er-Klasse kämpften in Traben-Trarbach gleich um den Weltmeistertitel.

Der Italiener Claudio Fanzini hatte in der 350er-Klasse im vergangenen Jahr den dreimaligen Weltmeister René Behncke abgelöst. Da der Dessauer in der neuen Saison nicht mehr an den Start geht, muss Fanzini italienische oder tschechische Konkurrenz fürchten. Ein deutscher Medaillengewinn ist unwahrscheinlich: Außer Behncke war in diesem Jahrhundert nur Dirk Kott, ebenfalls aus Dessau, aufs Siegerpodest gekommen, einmal mit Silber, einmal mit Bronze. Auf einen deutschen Medaillengewinn wird Olschimke in der 400er-Serienmotorklasse hoffen. Er drückt die Daumen für einen Fahrer seines Teams: Alexander Graeff. Der Traben-Trarbacher war zwar schon dreimal Deutscher Meister dieser Klasse, aber bei Europameisterschaften noch nie in der Nähe des Podiums.

Gerade diese beiden Klassen sind aktuell die Sorgenkinder im Deutschen Rennsport. Man hört zwar, dass sich einige Fahrer der 250er-/350er-Klasse aus der Dessauer Gegend mit neuem Material versorgt haben, aber außer Traben-Trarbach steht für sie mit Dessau (27./28. 6.) nur ein weiteres Rennen im deutschen Kalender. Daher könnte die Deutsche Meisterschaft dieses Jahr ins Wasser fallen, sicher ist eine Austragung bisher nur für die Nachwuchsklasse GT 15 und die 1000er Innenborderklasse.

Aus der GT 15 steigt Denise Weschenfelder aus Karlsruhe in die Serie Formel ADAC auf, ihr Mitstreiter Chiano Fohri aus Berlin sucht noch ein Boot. Die Starterzahl der Formel ADAC wird sich dadurch nicht erhöhen, da andere Fahrer in die Serie der ADAC Masters aufsteigen. Sie gleichen dort den Abgang einiger ausländischer Fahrer aus, sodass Organisator Sebastian Tietz vom ADAC München insgesamt mit gleich starken Starterfeldern wie in der letzten Saison rechnet.

In der Deutschen Meisterschaft der Innenborderklasse wird Titelverteidiger Reinhard Gerbert aus Berlin noch einmal antreten. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es sich auf dem Papier liest. Der 15-fache Meister hat nämlich vor wenigen Wochen seinen 75. Geburtstag gefeiert! In Dessau beginnt für ihn zusätzlich die Europameisterschaftsserie, wo erst nach weiteren Rennen in Bitterfeld und dem tschechischen Jedovnice die Medaillen verteilt werden.

Schon auf der Kriebsteintalsperre (1./2. 8.) gibt es die Goldmedaille für den Europameister der 700er-Rennbootklasse, wenig später enden nach vorausgegangenen Rennen in Boretto (Italien) und Baja (Ungarn) beim Rennen in Bitterfeld (6. - 9. 8.) die Serien der Formeln 125 und 250 mit der Medaillenvergabe. Auch hier ist mit deutschen Empfängern eher nicht zu rechnen. Spannend wird es dagegen beim zehnten und letzten Rennen der deutschen Saison auf dem Dürener Badesee (26./27. 9.).

Nach Épinay sur Seine (Frankreich), Brindisi (Italien) und Nottingham (Großbritannien) treffen sich die Fahrer der 60-PS-Mercury-Klasse zu den Läufen Sieben und Acht ihrer Weltmeisterschaftsserie, die ab diesem Jahr nicht mehr "F-4S" sondern einfach "F4" heißt. Zumindest in Düren werden viele Deutsche mit am Start sein, aber die Konkurrenz ist in dieser Klasse sehr groß. So hat beispielsweise der dänische Bootsbauer Christen Mølgaard kürzlich erstmals zwei nagelneue Boote nach Russland geliefert. Man darf gespannt sein!    

Hartmut Knape am 06.06.2015