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Sondermeldung

Bavaria Insolvent

Fridtjof Gunkel am 26.04.2018

Die ehemals größte deutsche Werft hat Insolvenz beantragt – Geschäftsführer Lutz Henkel musste gehen – Aktualisierte Version!

Bange Wochen liegen vor den Beschäftigten der einstmals größten deutschen Sportbootwerft. Wie inzwischen mehrere zuverlässige Quellen bestätigt haben, hat die Geschäftsführung der Bavaria Yachtbau einen Insolvenzantrag gestellt.

Zu groß war zuletzt offenbar der Liquiditätsbedarf, um die auflaufenden Verluste zu kompensieren. Deshalb haben die Gesellschafter von Oaktree und Anchorage beschlossen, nicht mehr wie bisher sämtliche Verbindlichkeiten für die Aufrechterhaltung des Betriebs einzugehen.

Dessen Holding ist schon lange bilanziell überschuldet. Die Kredite belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen Euro – ein Schuldenberg, der durch den einst überteuerten Kauf der Werft entstand, aber auch durch viele defizitäre Jahre seither.

Der Hauptverantwortliche für die aktuelle Schieflage, CEO Lutz Henkel, musste nach BOOTE-Informationen bereits Anfang der Woche seinen Posten räumen. Zunächst hatte es geheißen, die Werft und ihr seit Anfang 2015 angestellter Sprecher der Geschäftsführung hätten sich "in beiderseitigem Einvernehmen" getrennt. Tatsächlich aber war es kein Abschied in Harmonie. Zu groß waren die Löcher in den Bilanzen.

Für die internationale Wassersportbranche kam die Nachricht überraschend. Denn nach mageren Jahren verzeichnen die meisten Werften seit 2016 eine sich stetig bessernde Nachfrage. So plagen fast alle großen Serienyachthersteller eher Produktionsengpässe als ein Mangel an Aufträgen.

Auch Bavaria hatte zuletzt mit Jubel-Meldungen die eigenen Messeerfolge gefeiert und einen "Verkaufsrekord" nach dem anderen verkündet. Das freilich, so zeigt sich jetzt, war lediglich Pfeifen im Wald. Auch der gewaltige Auftritt auf der boot Düsseldorf im Januar ("Bavaria World") sowie diverse Neuheiten sollten nach außen Stärke demonstrieren.

Zuviel des Guten und Großen? Dafür spricht einiges. Denn die Strategie Henkels bedeutete eine Neupositionierung Bavarias gegen die besser aufgestellte Konkurrenz – und die Preisgabe ihres eigentlichen Markenkerns, Fahrtenyachten mit unschlagbar günstigem Preis-/Leistungsverhältnis zu bauen.

Auch intern gab es erkennbar Probleme. Insider berichteten schon im Vorjahr von schwerwiegenden Produktions- und Lieferproblemen, nachdem die bewährte Fließbandmethode modifiziert worden war. Auch hat die Werft zu lange mit der Erneuerung der Flotte gewartet und statt dessen mit großen Rabattaktionen versucht, Bestandsmodelle zu verkaufen.

Die Übernahme der französischen Katamaran-Marke Nautitech im Jahr 2014, vorangetrieben noch unter Henkels Vorgänger Constantin von Bülow, wird dagegen als Erfolg bewertet. Dieses Filetstück der Firma könnte angesichts des weiterhin boomenden Katmarktes und der Lage der Werft in La Rochelle an der französischen Atlantikküste von dem Verfahren ausgenommen werden, weil der Betrieb hoch profitabel arbeitet. Er wäre auch ein gut zu veräußernder Firmenteil, sollte sich kein Käufer für das gesamte Unternehmenskonstrukt finden.

Wie es weitergeht, entscheidet voraussichtlich schon am Montag das Amtsgericht in Würzburg, bei dem der Insolvenzantrag gestellt wurde. Die Mitarbeiter am Standort in Giebelstadt wurden heute davon in Kenntnis gesetzt.

Dabei blitzte ein Hoffnungsschimmer auf. Für sämtliche Beschäftigten soll es demnach zunächst unverändert weitergehen; mindestens für die Dauer von drei Monaten sind ihre Jobs gesichert. Denn es liegen genug Aufträge vor.
Gelänge es, den Fortbestand des Unternehmens fürs Erste zu gewährleisten, könnten Verluste für Eigner und Händler, die Boote angezahlt haben, und für Zulieferer, die in Vorleistung gegangen sind, weitestgehend vermieden werden.

Dieser Artikel wurde nach Vorliegen neuer Informationen in seiner Ursprungsfassung ergänzt und überarbeitet. Das Boote-Magazin wird über den Fortgang des Verfahrens weiterhin laufend berichten.

Update: Offizielles Statement von Bavaria

Fridtjof Gunkel am 26.04.2018