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Stürmisches Wochenende auf der Ostsee

Christian Tiedt / DGzRS am 31.07.2011

Am vergangenen Wochenende gab es für die Seenotretter viel zu tun. Besonders auf der Ostsee sorgten stürmische Westwinde für Notsituationen.

Lenzpumpe bei der Arbeit

Die Lenzpumpe der „Gerhard ten Doornkaat“ läuft: Es gelingt den Seenotrettern, den Kutter schwimmfähig zu halten.

Die freiwillige Besatzung der DGzRS-Station Ueckermünde rettete am Samstagnachmittag auf dem Stettiner Haff sechs Menschen aus Seenot. Die zwischen 30 und 50 Jahre alten Segler waren außenbords gefallen, nachdem ihr offener Segelkutter bei Windgeschwindigkeiten über 30 Knoten (über 50 km/h) und sehr kurzen, harten Seen gekentert war.

Die Seenotretter befanden sich mit ihrem schnellen Festrumpfschlauchboot „Dora“ auf Kontrollfahrt und waren schnell zur Stelle. Sie retteten drei Mann der insgesamt siebenköpfigen Crew aus dem Wasser, ein im Revier fahrendes Sportboot nahm einen vierten auf. Die drei restlichen Segler versuchten zunächst, den Kutter wieder aufzurichten. Ihr Boot hatte jedoch reichlich Wasser übernommen und so kaum noch Freibord. Die „Dora“ nahm es deshalb vorsichtig in Schlepp.

Das zweite Ueckermünder Seenotrettungsboot, die „Gerhard ten Doornkaat“, übernahm die drei zunächst Geretteten, später auch die drei auf dem gekenterten Kutter verbliebenen Segler und versorgte alle im geschlossenen Deckshaus mit trockener Kleidung und wärmenden Decken. Mit der leistungsstarken Lenzpumpe gelang es den Seenotrettern, den Kutter schwimmfähig zu halten.

Wenige Stunden darauf alarmierten Spaziergänger am Strand der Lübecker Bucht telefonisch die Seenotleitung Bremen der DGzRS. Zwei Segler kenterten immer wieder mit ihrem Katamaran. Sie kamen nicht mehr gegen den stark böigen Westwind an.

Das Seenotrettungsboot „Crempe“ von der Station Neustadt lief sofort aus. Nachdem ein zweiter Katamaran einen der Segler an Bord genommen hatte, brachten die Seenotretter den anderen und das Boot sicher an den Strand von Haffkrug.

Bereits am späten Freitagabend kam das Seenotrettungsboot „Herta Jeep“/Station Stralsund einem Schleppzug im südlichen Hiddenseefahrwasser zu Hilfe. Der Schlepper „Paula“ war mit dem Motorboot „Jolly-Roger“ im Schlepp (je zwei Menschen an Bord) unterwegs von Hiddensee in eine Werft nach Barth.

Bei westlichen Winden um sieben, in Böen neun Beaufort (bis 88 km/h Windgeschwindigkeit), hohem Seegang und schlechter Sicht wegen Starkregen kam der Verband nach Südosten in den Kubitzer Bodden ab und fuhr sich auf steinigem und sandigem Grund bei etwa einem Meter Wassertiefe fest.

Beim Versuch, den Schlepper zu befreien, zog er sich die Schleppleine in den eigenen Propeller. Er ging deshalb vor Anker, während sich die Seenotretter zunächst um die Yacht kümmerten. Bis auf etwa 200 Meter näherte sich die flachgehende „Herta Jeep“ ihr, weiter konnte auch sie nicht fahren. Ein Seenotretter stellte, im Überlebensanzug watend, zu Fuß die Schleppverbindung her.

Als die „Herta Jeep“ mit der Yacht im Schlepp Stralsund erreicht hatte, geriet der Schlepper „Paula“ in größere Not: Ihm brach die Ankerkette, der Reserveanker schlierte über Grund. Die Seenotretter liefen sofort wieder aus und erreichten die „Paula“ gerade noch rechtzeitig, bevor sie sich erneut festfuhr. Gegen 1.30 Uhr, nach sechsstündigem Einsatz, lief die „Herta Jeep“  zum zweiten Mal den Stralsunder Hafen an.

Christian Tiedt / DGzRS am 31.07.2011
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