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Reportagen

80° Nord

Harald Paul am 28.02.2009

„Expedition Eis“: Im vergangenen Jahr nahm Extremskipper Harald Paul mit seiner Ehefrau Silvia wieder Kurs auf den hohen Norden. „Die Bäreninsel, Spitzbergen und darüber hinaus“, lautete der Plan. Es wurde ein Törn bis an die Grenzen des Möglichen ...

Das hat uns gerade noch gefehlt! Mitten im Seegebiet Folla nördlich von Trondheim, also auf halbem Wege die norwegische Küste hinauf, setzt plötzlich trotz halbvollem Tank ohne jede Vorwarnung unser Diesel aus! Dabei hat er schon knappe 4000 Betriebsstunden auf dem Buckel und alle Kinderkrankheiten längst überstanden.

Ein Blick auf den Tiefenmesser beruhigt mich etwas: 150 m unter dem Kiel der „Gypsy Life“. Viel Abdrift können wir uns aber trotzdem nicht erlauben. Wenigstens das Wetter ist uns in dieser Notsituation einmal gnädig, mit Sonnenschein, kaum Wind und wenig Seegang.


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Silvia hält Ausschau nach plötzlich auftauchenden Schiffen, während ich mich auf Fehlersuche „in den Keller“ begebe. Im Blaumann tauche ich in denMaschinenraum ab, kontrolliere die Bilge, die Sichtgläser der Dieselfilter und die Schlauchverschraubungen.

Vielleicht ist Luft in die Leitungen gelangt? Nichts. Zweite Kontrolle, wieder nichts. Die Küste, zuvor nur ein schmaler Strich, kommt näher. Jetzt zeigtdas Echolot nur noch 60 m, und je flacher es wird, desto größer wird auch die Gefahr von gefährlichen Klippen unter der Wasseroberfläche.

Also raus mit dem Anker, für diese Tiefe haben wir genug Kette. Nun wird alles auseinandergenommen und gereinigt, die Filter gewechselt. Die helle nordische Nacht wird durchgearbeitet – und am nächsten Morgen startet der Motor wieder einwandfrei!

Doch echte Ruhe will sich bei mir nicht einstellen, da ich die Ursache nicht finden konnte. Und ein längerer Testlauf bestätigt die Befürchtungen: Statt 3000 Umdrehungen bei Volllast schafft der Yanmar nur 1800! Also wieder rein in den Blaumann, ran an Turbolader und Einspritzdüsen.

Harald Paul am 28.02.2009