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Reportagen

Das Krönchen

Ingrid Bardenheuer am 21.03.2015

Heißgeliebte Coronet: Sie sind Bootslegenden, gehütet wie Schätze. Eigner und Freunde des dänischen Klassikers mit der Krone trafen sich in Geesthacht

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Echte Schönheiten: das Coronet-Treffen in Geesthacht

Ehrlich gesagt, ich rieche nichts. Jedenfalls nicht das, was jedem "Krönchen” (wie Coronet ins Deutsche übersetzt heißt) anhaften soll: ein ureigener Duft. Womit nicht Muff gemeint ist, also jene Ausdünstung, die betagte Boote schon mal verströmen können. Nein, es soll ein besonderer Atem sein, dieser Coronet-Duft. Verheißungsvoll, gleichsam ein Versprechen. Ingo Reichwald wird mir sicher auf die Sprünge helfen. Er ist Mitglied im Coronet-Club-Deutschland und hat das Treffen hier beim Motor-Yacht-Club-Geesthacht organisiert. Rund ein Dutzend dieser Bootsklassiker haben sich eingefunden, von der 21er bis zur 32er. Genug zum Schnuppern.

"Da können Sie in jede Coronet reingehen, es ist immer der gleiche Geruch", meint Ingo Reichwald. Es rieche weder nach Kunststoff noch nach Lack. Aber eben auch nicht nach Mief. "Ich empfinde den Geruch als angenehm. Weil ich ihn kenne. Von früher." Ingo, Jahrgang 1970, ist mit Coronet aufgewachsen. Schon sein Vater habe immer gesagt, dass alle Coronets gleich riechen. Aber wie denn nun? Ingo Reichwald überlegt und zuckt dann mit den Schultern: "Kann man nicht be-schreiben." Vielleicht ist der typische Coronet-Duft ja die Abwesenheit anderer Gerüche. Entlarvender Gerüche. Aromen, die Eingriffe in den Originalzustand offenbaren, unumgängliche, aber auch schmerzhafte (Coronet-Fans sprechen höflich von Verbastelung).

Ingo erzählt, wie er sich mal eine Coronet angeschaut hat. Er geht also hin, schlägt die Plane zurück, steckt den Kopf ins Cockpit und – macht kehrt. "Was ist?", wundert sich der Verkäufer. Ingo Reichwald winkt ab: "Du hast dein ganzes Holz da drin lackiert. Der Geruch ist weg." "Welcher Geruch?", fragt der Eigner. "Coronet-Geruch. Kaufe ich nicht…" Das klingt nach Marotte, ist es aber nicht. Der richtige Duft ist die Fährte des Unverfälschten. Ihr spürt Ingo nach. Und das feine Mahagoni-Interieur einer Coronet zu lackieren, geht für ihn gar nicht.

2009 erwarb Ingo Reichwald seine jetzige Coronet, eine 32 Oceanfarer. Geruch, Substanz, alles passte. Und vor allem: Das knapp zehn Meter lange Boot war unver-bastelt. In einigen Kabinenlampen steckt noch heute der erste Satz Glühbirnen. Funktionstüchtig, versteht sich. Das will was heißen, schließlich ist Ingos "Daydream" von 1971. Die Motoren, zwei 170 PS starke Volvo-Benziner, stammen aus dem gleichen Jahr. Natürlich war (und ist) an dem Boot manches zu tun. Ingo Reichwald hat dies und das "im Hintergrund" erneuert, die Elektrik zum Beispiel.

Außerdem hat er ein paar diskrete Modernisierungen vorgenommen. Nun ist Warmwasser an Bord, auch ein Fäkalientank. Und doch gibt es da diesen leisen Kummer. Eine Betrübnis, die jeder Sammler eines für ihn wertvollen Gutes kennt. Es fehlt eine Kleinigkeit, vielleicht nur ein unscheinbares Schräubchen. Eine Schrulle, vermutet die Umwelt. Der Betroffene aber schaut tagein, tagaus auf die Unzulänglichkeit, und, seien wir ehrlich, sie bekümmert ihn.

Die "Daydream" hat, wie die meisten Coronet bei diesem Treffen, ein wunderbares Detail: Spanngardinen, solche wie früher. Sie vollenden die Siebziger-Jahre-Eleganz unter Deck. Doch da ist das Dilemma. "Ich hab' hier ein Riesen-Manko", lässt Ingo durchblicken, "meine Gardinenstangen sind weg." Er nimmt jetzt welche aus dem Baumarkt, aber die halten nicht. Die Originale waren da ein ganz anderes Kaliber. Stabile Messingstäbe, auf Maß gefertigt. Sie nachbauen zu lassen, wäre "ein Akt von ungefähr 1500 Euro", sagt Ingo Reichwald. Da ist sie wieder, die sprichwörtliche Coronet-Qualität. Perfektion, bis ins Kleinste.

Die Marke hatte von Anfang an das Zeug zum Klassiker. Material und Verarbeitung sind vom Feinsten, die Linien zeitlos. Kapitale Wellenritte stecken die Deep-V-Rümpfe noch heute weg wie nichts. Für ihre Entwicklung zeichneten die Besten der Besten der damaligen Zeit verantwortlich. Einer davon: James R. Wynne (1929-1990). Der amerikanische Ingenieur ist selbst eine Legende. Wynne setzte Meilen-steine im Bootsbau, holte Titel und Rekorde. In den Sechzigern lieferte er Entwürfe für Donzi, Chris-Craft, Hatteras, Trojan und etliche andere. Als es beispielsweise um die Rumpfkonstruktion der Coronet 32 ging, stand er ebenfalls mit am Zeichenbrett. 

DIE GESAMTE REPORTAGE FINDEN SIE IN DER AKTUELLEN APRIL-AUSGABE VON BOOTE, DIE ES AB DEM 25. MÄRZ IM HANDEL GIBT

Ingrid Bardenheuer am 21.03.2015