Titel Titel
Reportagen

Eisland

Harald Paul am 28.02.2010

„Abenteuer Kanada“: Von der Gletscherküste Grönlands führte die zweite Etappe des Abenteuer liebenden Ehepaars Harald und Sylvia Paul im vergangenen Sommer bis nach Labrador. Auf einem 11 m langen Stahlverdränger wagten sie den Törn durch die Eisberge.

Land! Der dichte Seenebel hat sich gelichtet, und strahlender Sonnenschein liegt über der Dänemarkstraße. Wir haben jetzt beste Sicht. Doch die grönländische Küste liegt noch etwa 50 sm entfernt im Westen. Also tatsächlich Land? Unmöglich!

Doch durch mein Fernglas kann ich deutlich hohe, gezackte Berggipfel über der Kimm erkennen. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt folgt des Rätsels Lösung: gigantische Eisberge. Wie eine Wand treiben sie auf der tiefblauen See.

Als wir in das Labyrinth hineinsteuern, kommen wir uns vor wie in den Straßenschluchten zwischen Wolkenkratzern, so winzig wirkt die „Gypsy Life“ im Schatten dieser frostigen Riesen.

Keine 6 sm trennen uns mehr von der Küste, nur 15 sm sind wir von unserem geplanten, sicheren Ankerplatz entfernt – doch es gibt kein Durchkommen! Je weiter wir uns vortasten, desto dichter wird das Durcheinander aus Bergen und Brocken aller Größen, das zu allem Überfluss auch noch in ständiger Bewegung ist.

Eigentlich ein Revier für Eisbrecher, doch gerade jetzt muss unsere speziell umgebaute und verstärkte Smelne 1100 zeigen, was sie drauf hat, wenn wir das Ziel unserer Expedition erreichen wollen: Labrador an der Westküste Kanadas.

Dort wollen wir – wenn alles wie geplant läuft – überwintern. Also müssen wir weiter. Über Satellitentelefon hole ich mir den aktuellen Eisbericht.

Die Stimme am anderen Ende der Leitung ist selbst etwas überrascht von der tatsächlichen Eisdichte, gibt mir aber Koordinaten etwas weiter südlich, wo die Küste freier sein soll.Gerade haben wir den Bug gedreht, da knistert das Funkgerät: „Securité, securité, securité – gale warning!“. Sturmwarnung!

Harald Paul am 28.02.2010