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Historisches

Das Wrack des Kaisers

Christian Tiedt am 30.06.2009

Orkney: Vor genau 90 Jahren versenkte sich die deutsche Hochseeflotte in Scapa Flow selbst. Zwei Männer bringen die Touristen trockenen Fußes zu den kaiserlichen Kriegsschiffen – mit einem alten Lotsenboot und einem Tauchroboter.

Flaschengrün leuchtet der Bildschirm an der holzvertäfelten Wand. Vorhänge sind über die Bullaugen gezogen, und ein Dutzend Augenpaare starren auf das flimmernde Nichts.

Minuten vergehen. Dann taucht plötzlich ein bedrohlicher Schatten am unteren Bildrand auf, 34 m beträgt die Tiefe. „Wir sind da“, gibt der Skipper über Lautsprecher durch und schaltet die Scheinwerfer des Tauchroboters ein. In ihrem Lichtkegel bewegen sich Anemonen sanft im Strom der auflaufenden Flut.

Dicht an dicht klammern sie sich an eine scharfe Kante. Viel zu gleichmäßig ist dieses „Riff“, um natürlichen Ursprungs zu sein. Es ist der Vordersteven von Seiner Majestät Schiff „Dresden“.

Eigentlich gilt die Bucht von Scapa Flow im Herzen der Orkneys als Mekka für Taucher aus aller Welt. Doch zwei Orkadier, Skipper Keith Bichan und Bootsmann Davy Stevenson, bringen geschichts- und marineinteressierte Besucher auch trockenen Fußes in die dunklen Tiefen: mit der „Guide“, einem ausgedienten Lotsenboot, und einem ROV.

Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein „remotely operated vehicle“, der High-tech-Tauchroboter, der jetzt über dem Bug des kleinen Kreuzers schwebt. Ferngesteuert wird das mit Scheinwerfern, Steuerdüsen und Digitalkamera beladene, grellgelbe Mini-U-Boot über ein Glasfaserkabel von Bord der „Guide“.

„Ich arbeite schon lange im Tauch- und Unterwasserbergungsgeschäft“, erzählt Bichan im abgedunkelten Steuerhaus. „Das Equipment, um dort unten sehen zu können, hatten wir also schon.

Da lag es nahe, die Wracks auch für Leute erreichbar zu machen, die keinen Tauchschein haben.“ Mit routinierten Joystick-Kommandos schickt er das ROV auf die Reise.

Christian Tiedt am 30.06.2009