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150 Jahre DGZRS

150 Jahre DGZRS - Teil 2

Christian Tiedt am 12.10.2015

Mit der Indienststellung des robusten Neubaus beginnt eine neue Zeitrechnung für die Seenotretter: Schon zwei Monate später wird der erste Einsatz auf der Kieler Förde vor Laboe gefahren, bis Jahresende hat man zwölf Menschen aus Seenot gerettet. "Das Boot und der Motor bewährten sich in der schweren See vorzüglich", attestierte der Vormann in einem Einsatzbericht. Das überzeugt – und man beginnt, die Flotte umzurüsten. 

>>> 28. November 1951: Motorrettungsboot „Borkum“, Station Borkum

   

Nach den ersten Motorrettungsbooten wie der "Oberinspector Pfeifer" gewinnt die technische Entwicklung zu leistungsfähigeren Einheiten nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend an Geschwindigkeit. Beispielhaft dafür steht die Rettungsstation auf Borkum inmitten der Emsmündung mit ihren Riffen und Sänden. Nach dem letzten Einsatz eines Ruderrettungsbootes 1926 wird das MRB "Hindenburg" auf der Insel stationiert, es verfügt bereits über einen Stahlrumpf und Doppelschraubenantrieb. 1932 folgt die größere "August Nebelthau", die wiederum 1937 von einer zweiten neuen "Hindenburg" abgelöst wird.

Mit einer Länge von 16 Metern, 200 PS Maschinenleistung und einem erstmals vollständig geschlossenen Ruderhaus weit achtern gilt das MRB bei seiner Indienststellung als fortschrittlichstes und leistungsstärkstes Boot der Flotte. Und dennoch: Auf einem Rettungseinsatz im Kriegsjahr 1941 geht die "Hindenburg" mit ihrer gesamten sechsköpfigen Besatzung aus bis heute unbekannten Gründen verloren. Ob tatsächlich eine Treibmine verantwortlich ist, wird nie geklärt.

Rettungseinheiten der DGzRS

Seenotrettungsboote in den Siebzigerjahren.

Trotzdem sollen die Boote noch sicherer werden. Dazu gehört ein erhöhter Aufbau mit Fahrstand für bessere Sicht und zusätzlichen Schutz vor überkommenden Wellen. Nach diesen Prinzipien konstruiert man auch die "Borkum", die der Station seit ihrem Bau noch zu Kriegszeiten zugeteilt ist, und der am Abend des 28. November 1951 ihr größter Einsatz bevorsteht:

An diesem Tag zieht ein schwerer Nordweststurm über die Deutsche Bucht. Es ist bereits dunkel, als die Seenotfunkstelle auf der Insel einen Notruf auffängt: Die englische "Teeswood" ist nordwestlich der Tonne "Mövensteert-Nord" aufgelaufen. Schon wenige Minuten später rundet die "Borkum" mit drei Männern an Bord in voller Fahrt die Molenköpfe, mitten hinein in peitschende Hagelböen, um sich gegen Sturm und Flutstrom zu stemmen.

Bald ist der Havarist erreicht, Notraketen erhellen den Himmel gespenstisch. Da meldet die "Teeswood": "Schiff bricht durch!" Die Nordsee zeigte keine Gnade mit dem 60 Meter langen Dampfer, also muss es ganz schnell gehen. Sein Heck ist der Gewalt der Brecher voll ausgesetzt, immer wieder verschwindet es in Glocken aufbrandender Gischt. Die Besatzung drängt sich auf Brücke und Back zusammen.

Mehrere Anläufe benötigt die "Borkum", um längsseits zu kommen; nirgendwo gibt es Schutz vor Wind und Wellen, immer wieder wird sie hart gegen die Bordwand des Frachters geworfen. Doch die Beharrlichkeit der Seenotretter wird belohnt: Mann für Mann wagt den Sprung von der "Teeswood" auf das unter ihm schlingernde Deck – alle bis auf zwei, die über Bord gespült und nicht mehr gefunden werden. Doch dreizehn Seeleute werden so vor dem sicheren Tod bewahrt. 

>>> DIE GESAMTE REPORTAGE FINDEN SIE IN DER AKTUELLEN NOVEMBER-AUSGABE VON BOOTE

      

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Christian Tiedt am 12.10.2015