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Reportagen

Liquid History

Volker J. Bürck am 31.10.2008

Mit seinem 18 m langen Eigenbau-Katamaran, mehr Haus als Schiff, ist Chris Evans aus der Themse unterwegs, dem englischten aller Flüsse. Zwischen Windsor und Wallingford stößt auf auf „Liquid History“ an jeder Flußbiegung, flüssige Geschichte und Geschichten. Very British!

An die Jungfernfahrt seines Ungetüms erinnert sich Chris Evans noch genau, wenn auch äußerst ungern. „Während unseres kur-zen Überführungsversuchs von Bath nach Reading im Spätsommer 2006 mussten wir mit der ,Solaris‘ auf dem Kennet-Avon-Kanal praktisch nie irgendwo festmachen oder ankern“, erzählt der 65-Jährige mit britischem Humor.

Denn im erst 1991 wiedereröffneten schmalen Kanal, der die Flüsse Themse und Avon verbindet, saßen Chris und seine Crew mindestens einmal pro Tag mit ihrem tankerähnlichen grünen Gefährt auf Schlick. „Man konnte beinahe seine Uhr danach stellen, immer gegen 14 oder 15 Uhr saßen wir plötzlich fest“, erinnert er sich. Es lag aber weder an den Außenmaßen des 18,29 m langen, knapp 4 m breiten Katamarans noch am vergleichsweise geringen Tiefgang von 73 cm, dass sich das Schiff immer wieder mit einem oder beiden Rümpfen im Kanalbett „verhakte“.

„Wie wir nach einem Anruf bei ,British Waterways‘ (entspricht der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) herausfanden, war die Steuerung der Pumpsysteme in diesem Kanalabschnitt der Grund. Um die Höhendifferenzen zu überwinden und Schleusen zu füllen, ließ man den Kanal Richtung Westen tagsüber „leerlaufen“ und pumpte das Wasser ab spätem Nachmittag wieder in den höher gelegenen Ostteil zurück.

Gegen frühen Nachmittag war der Wasserpegel daher am niedrigsten, und der Kanal erwies sich außerdem in Ufernähe flacher als auf den Karten vermessen. Hinzu kam, dass der Sommer 2006 auch in Großbritannien ungewöhnlich trocken ausfiel, was zusätzlich für niedrige Wasserstände sorgte. „Anfangs waren wir noch beinahe froh und freuten uns nach fast immer sehr anstrengender Navigation auf ein Bier während unserer Zwangspausen“, erinnert sich Evans ...

Volker J. Bürck am 31.10.2008