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Mittelmeer-Spezial: BOOTE-Cat-Experience

Erfahrung kommt von Fahren

Sebastian Fuchs am 23.11.2018

BOOTE-Cat-Experience: 24 Teilnehmer, vier Katamarane und ein Traumrevier. Immer mehr Chartercrews bevorzugen Doppelrümpfer – doch wie fährt sich so ein Boot? Unser Kat-Training gab Aufschluss

BOOTE rief und Kenner kamen: In Zusammenarbeit mit dem weltweit operierenden Charterunternehmen Moorings lud BOOTE Interessierte zu einem viertägigen Workshop, um Motorkatamarane aus dem Hause „Leopard“ zu fahren.  

Revier und Jahreszeit wählten die Kompetenzpartner dabei bewusst: Mitteldalmatien ist eine der schönsten und beliebtesten Regionen des Landes. Und zum Ende der Saison kehrt Ruhe in den Häfen ein. Für frisch gebackene Katamaranfahrer ein ideales Terrain.

Die 24 wissbegierigen Teilnehmer stammten aus den unterschiedlichsten Winkeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Von Unterschleißheim, über Ronneburg, dem hessischen Rockeberg bis Berlin.

Was sie alle verband: Die Lust, Erfahrungen mit dem Katamaran zu sammeln. Die mit Abstand weiteste Anreise nahm dabei der Urbayer Robert in Kauf, der sich von seinem Heimatort, dem thailändischen Phuket, auf den Weg nach Kroatien machte.

Es gab viele gute Gründe, an der Boote-CAT-Experience teilzunehmen: Die einen planen einen Katamaran für den Urlaub zu chartern, andere spielen mit dem Gedanken, sich ein Boot dieser Bauart zu kaufen, wieder andere hatten einfach mal Lust, ein paar Tage in den schönen kroatischen Gewässern in einer Flotille Boot zu fahren.

BOOTE-Cat-Experience

BOOTE-Cat-Experience

Viele der Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben bereits ein Boot und wollen sich vergrößern. Die meisten, aber nicht alle, verfügten über einen Bootsführerschein. Die beliebten Doppelrümpfer sind vor allem freizeit- und spaßorientierte Boote.

Mit ihrem großzügigen Salon, dem einladenden Vordeck und komfortablen Kajüten scheinen sie das perfekte Gefährt für lange Urlaube zu sein. Einzig ihre Ausmaße schrecken viele ab: Keine Angst vor grossen Schiffen

Die Breite von bis zu acht Metern treibt selbst erfahrenen Freizeitkapitänen Sorgenfalten auf die Stirn. Insbesondere das An- und Ablegen in den Marinas stellt die Fahrer vor eine Herausforderung. Hier ist Ruhe und Präzision gefragt. Ebensolche Vorbehalte wollten die vier Skipper den angereisten Katamaran-Neulingen nehmen.

Die meisten der Teilnehmer kamen auf dem Luftweg nach Kroatien. Vom Flughafen in Split sind es nur 30 Minuten mit dem Taxi zum Startort, der Marina Agana. Einige wenige reisten mit eigenem PKW aus Deutschland an, oder hängten die CAT-Experience an ihren ohnehin geplanten Urlaub an.

Startort für das Abenteuer: das 1000-Seelen Hafenstädtchen Marina, mit seinem Yachthafen der Marina Agana. In dem beschaulichen Ort befinden sich mehrere Restaurants, zwei Supermärkte und Cafés im Orstkern. Vis á vis des historischen Festungsturmes betreibt Moorings eine ihrer vielen Charterstationen.

Neben zahlreichen Segelkatamaranen der Schwesterfirma Sunsail stehen hier auch acht Motorkatamarane in verschiedenen Größen zum Chartern bereit. Vier dieser Boote standen für die Boote-CAT-Experience zur Verfügung. Von den in Südafrika hergestellten hochseetauglichen Katamaranen der Marke "Leopard" sind rund 1300 Boote auf dem Globus unterwegs. 

15 Meter Gesamtlänge und knapp acht Meter Breite boten "Laura" und "Asterix" (Leopard 51), die größten der vier CATs. Es folgten die etwas kleinere "Marieta" (Leopard 43) und schließlich das Nesthäkchen "Alana", eine Moorings 394 PC, dem weit verbreiteten "Arbeitstier" der Moorings-Charterflotte.

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Liegen im Päckchen: Die vier Boote mit den 24 Teilnehmern am zweiten Bordabend in der Bucht von Sesula/Insel Solta

An Bord jeden Bootes sorgte ein BOOTE-Skipper für das Wohlergehen und die Lernerfolge der Mannschaft. Getreu dem Motto "Erfahrung kommt von Fahren" setzten alle vier Skipper auf defensive Pädagogik: Die Praxis stand im Mittelpunkt der Experience. Vom ersten Moment an übernahmen die Teilnehmer selbst das Ruder, die Skipper standen lediglich mit Rat und Tat zur Seite, wenn es nötig wurde.

Am Samstag erfolgte die Aufteilung der Crews auf die Boote: Die Mooring Marketingchefin Katja Meinken-Wiedemann hatte sich im Vorfeld mit Liebe zum Detail Gedanken gemacht, wer auf welchem Katamaran mitfahren würde.

Nach einer ersten Begutachtung der Boote zogen viele Teilnehmer Richtung Supermarkt, um die Kühlschränke aufzufüllen. Moorings stellte zwar das Frühstück, aber für die zahlreichen An- und Ableger, Grillgut und Snacks sorgten die Crews selbst.

Am Samstagnachmittag fand dann der offizielle Empfang durch Katja Meinken-Wiedemann und dem Boote Chefredakteur Torsten Moench statt, der sowohl das Revier beschrieb, als auch die Zielsetzungen für den Workshop erläuterte. Bei prächtigem Sonnenwetter, kroatischen Spezialitäten, Sekt und kaltem Bier hätte die Stimmung nicht besser sein können. Jeder Teilnehmer stellte sich kurz vor, und spätestens nach dem Austeilen der kleinen Vornamensschilder kam leichte Klassenfahrtstimmung auf.

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Auch der gemeinsame Restaurantbesuch in der Taverne "Konoba cod Duje" am selben Abend fand regen Anklang und kann als überaus teambildend gewertet werden. 30 Fremde wurden innerhalb weniger Stunden bei deftiger Küche und kalten Getränken zu Weggefährten.

Vor dem Ablegen kommt das Anlegen: Manövertraining im Hafen

Am Sonntagmorgen ging es dann nach einem Frühstück an Bord ans Eingemachte, Tagesordnungspunkt Nummer Eins: Manövertraining im Hafen. Das An- und Ablegen sollte genauso geübt werden wie das Manövrieren auf engem Raum. Die Teilnehmer freuten sich aber nicht nur über das Sonnenwetter, denn vor allem der geringe Wind war beim Manövrieren im Yachthafen von Vorteil.

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Unter den aufmerksamen Augen der Skipper legten die Teilnehmer mehrfach ab, fuhren aus dem Hafen, drehten eine Ehrenrunde und kehrten zurück in die Marina, um wieder anzulegen. Im Hafen achteten die Skipper vor allem darauf, dass das Steuerrad nicht verwendet wurde.

Gelenkt wurde ausschließlich mit dem Doppelgashebel. Allgemein erfreute man sich an der angenehmen Manövrierfähigkeit der breiten Boote. Jedes gelungene Anlegemanöver kommentierten die Crewmitglieder wohlwollend – Schulterklopfer und erleichtertes Lachen allerorts.

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Gegen Mittag ging es raus aufs Meer in Richtung der "Blauen Lagune", die Teil des Krknjasi Strandes der Insel Drvenik Veli ist. Das berühmte kristallklare Wasser der Lagune lud zum Ankern ein. Dass das Ausbringen und Einholen des Ankers seine Tücken haben kann, und insbesondere mit Katamaranen erst einmal gelernt sein will, stellten die Teilnehmer auf jedem der vier Boote fest.

Es wurde mit Dinghis von Boot zu Boot gecruist, und die obligatorisch zu den Katamaranen gehörenden Schnorchelausrüstungen fanden großen Anklang. Desweiteren erfreuten sich die Stand-Up-Paddling-Boards großer Beliebtheit. Mindestens eine Crew schmiss zur Mittagszeit den bordeigenen Gasgrill auf der Flybridge an. Gesättigt und ausgetobt zog die Flottille gen Nachmittag bester Laune weiter Richtung der Ortschaft Maslinica auf der Insel Šolta.


Kroatischer Abend im "Päckchen"

Ein wenig versteckt hinter Maslinica gelegen, findet sich die wunderschöne kleine Bucht Sesula, die zum Übernachten einlädt. Kurz nachdem die vier Boote in die Bucht einfuhren, bugsierte der sonnenbebrillte Hafenmeister sie lautstark an die Mooring.

Tonfall und Tempo desselben trieben dem einen oder anderen  Teilnehmer Schweißperlen auf die Stirn. Schließlich lagen die vier Katamarane im "Päckchen" fest vertäut in der Bucht, es wurde kollektiv erleichtert durchgeatmet und manches Bier geöffnet. Eiskalte Anleger, da waren sich unsere Abenteurer einig, müssen sein.

Ein "Anleger" muss sein

Besonders an der exklusiv gelegenen Bucht Sesula: Reserviert man sich einen Tisch im etwas höher gelegenen Restaurant "Sismis", zahlt man keine Gebühr fürs Übernachten. Selbiger Deal verwundert allerdings weniger, begutachtet man das Menü des Restaurants: Beste kroatische Küche zu gepfefferten Preisen.

Der Großteil der Teilnehmer entschied sich für die dalmatische Spezialität "Peka". Ein Traditionsgericht, bei dem gusseiserne glockenartige Töpfe über Stunden in der Glut stehen und die sich darin befindenden Zutaten langsam zur Perfektion garen. Peka gibt es als Fisch-, Fleisch- und Tintenfisch-Variante.

Nach dem kulinarisch hochkarätigen Abend wurde es noch spät auf den Flybridges, auf den Vordecks und in den Salons der Katamarane. Kleine Gruppen fanden sich zusammen, um sich gemeinsam noch mal der Thematik "terrestrisches Navigieren" zu nähern, Geschichten zu erzählen, oder bei einem Rotwein die Abendstimmung in der Bucht zu genießen. Die milden Temperaturen im Oktober luden zum abendlichen Draußensitzen ein.

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Praxis auf offenem Wasser

Auch am dritten Tag der CAT-Experience lachte die Sonne über Kroatien. Nach einem ausgiebigen Bordfrühstück ging es diesmal in die Gewässer zwischen die Inseln Šolta und Brač. Die Flottille blieb wie gewohnt im Verbund, und es stand vor allem Fahrpraxis im Vordergrund.

Die Skipper boten überdies ein individuelles Fahrtraining an, bei dem unter anderem das Längsseitsgehen der Boote geübt wurde. Jeder Teilnehmer sollte versuchen, an ein still liegendes Boot bis auf rund einen Meter parallel heranzufahren und passend aufzustoppen.

Im Prinzip glich dieses Manöver dem Längsseitsanlegen im Hafen unter erschwerten Bedingungen, da sich "der Steg", also das andere Boot, bewegte. Nächster Trainingsinhalt war das obligatorische "Mensch-über-Bord-Manöver", bei dem es insbesondere auf das Zusammenspiel der gesamten Crew und die Abläufe an Bord ankam.

Ein FlyBridge-Abend in Trogir

Nachmittags zogen die Katamarane gemeinsam in Richtung der historischen Stadt Trogir und erreichten gegen 16.00 Uhr den Hafen. Das Anlegen der vier Boote in der ACI-Marina Trogir gehörte aufgrund der recht beengten Platzverhältnisse sicher zu den herausforderndsten Manövern der ganzen BOOTE-CAT-Experience.

Auf den letzten Metern legten schließlich die Skipper selbst die Boote an den Steg. Und dann passierte, was eigentlich nicht passieren sollte: Eine der Mooringleinen verhedderte sich in der Schraube des Katamarans "Asterix" und ließ sich nur noch durch einen Tauchgang entfernen.

Nur gut, dass CAT-Teilnehmer Björn sich die Taucherbrille aufsetzte, um mit einem Messer bewaffnet unters Boot zu tauchen. Damit wurde er zum Held des Tages, und den anschließenden Applaus sowie die ausgiebige Dusche hatte er sich redlich verdient.

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Das 2300 Jahre alte Trogir mit seinen kleinen Gassen und Plätzen bot eine reichhaltige Auswahl an interessanten Restaurants für das individuelle Abendessen. Später fanden die meisten auf den Flybridges ihrer Katamarane zusammen, um bis spät in die Nacht den Tag ausklingen zu lassen.

Am letzten Tag stand das Betanken der Katamarane auf dem Programm: Die vier Boote fuhren zunächst zur großzügig gestalteten Tankstelle im westlichen Teil der Marina von Trogir. Das Zusammenspiel aus Skippern, Crew und Tankwarten lief so reibungslos, dass das Tanken eher an einen Boxenstopp in der Formel 1 erinnerte.

In Windeseile waren die vier Katamarane mit insgesamt rund 600 Litern betankt, was mit etwas mehr als 800 Euro zu Buche schlug. Vollgetankt und voller Eindrücke ging es für 24 Teilnehmer zurück in Richtung des Ausgangspunktes in die Marina Agana.

Doch bevor die Crews ihre Koffer für die Abreise packten, hatten sie noch die Möglichkeit, weitere An- und Ablegemanöver zu fahren. Am Ende der BOOTE-CAT-Experience blieb unisono der Wunsch nach einem weiteren Tag an Bord der Motorkatamarane, an dem man unter den wissenden Augen der Skipper Erfahrungen "erfahren" kann.

Weitere Informationen zu diesem und anderen BOOTE-Trainings erfahren Sie unter

www.boote-magazin.de/events

Titel_Dezember_2017

Sebastian Fuchs am 23.11.2018