Chartern ohne Führerschein Chartern ohne Führerschein

Reportage: Charterbescheinigung

Skipper ohne Schein - Seite 2

Franziska Heyden am 22.05.2017

Das Reinigungspersonal trägt gerade den Staubsauger von Bord, während meine Crew sich kurz verabschiedet, um die Einkäufe für den anstehenden Törn zu besorgen. Wieardus Reichl und ich beginnen währenddessen schon mal mit der Einweisung.

Normalerweise dauert sie etwa drei Stunden; häufig ergeben sich aber beim ersten Mal so viele Fragen, dass sich das Ganze auch einmal auf fünf Stunden ausdehnen kann. Ich bekomme ein festgelegtes Protokoll, das wir nun am Tisch unter dem Sonnenverdeck von "Ganymed" Schritt für Schritt durchsprechen und abhaken:

Welche Besonderheiten gibt es in dem Revier, das ich befahren möchte? Wie verhalte ich mich grundsätzlich auf dem Wasser? Wie lauten die Verkehrs­ regeln, wer hat Vorfahrt? Wie wird eine Schleuse bedient?

Manches mag logisch erscheinen, aber vieles hätte ich nicht gewusst. Gerade was die Besonderheiten des Re­viers angeht, bin ich sehr froh, mir von einem Ortskundigen noch einige nützli­che Tipps einholen zu können. Wieardus Reichl zeigt mit dem Finger auf die Ge­wässerkarte: „Hier müssen Sie aufpassen: Die Eisenbahnbrücke ist nur 3,40 Meter hoch. Wenn Sie da durchwollen, müssen Sie den Mast umlegen. Und hier befinden sich einige Untiefen, beobachten Sie da ganz genau das Echolot am Fahrstand, da­ mit Sie das Boot nicht auf Grund setzen."

Der Theorieteil erfordert viel Konzentra­tion, und ich gebe mir Mühe, alles im Ge­dächtnis zu behalten. Im Anschluss werde ich in Ruhe durch das gesamte Boot geführt. Bei genau 12,85 Meter Länge bietet die stählerne Yacht sechs feste Schlafplätze.

So viel Komfort hätte ich auf einem Boot nicht erwartet: Die Nasszelle ist ein richtiges Badezimmer mit Dusche und WC, die Kojen entpup­pen sich als Doppelbetten, wie man sie aus einer Ferienwohnung kennt, der Salon und die Pantry lassen sich als komplett ausgestattete Wohnküche beschreiben.

Wie das Schiff funktioniert, wo ich was finde und wie ich es bediene, erfahre ich während unseres Rundgangs. "Die Du­sche ist fast wie zu Hause. Die Armaturen sind die gleichen, nur befindet sich der Abfluss unterhalb der Wasserlinie", erklärt Wieardus Reichel.

"Also ist dieser un­scheinbare Schalter entscheidend, um das Duschwasser nach außen zu pumpen." Außerdem befindet sich ein Schalterpanel direkt neben der Pantry, mit dem sich die Elektronik des gesamten Bootes steuern lässt.

Wir hocken uns davor, und ich lasse mir jeden Schalter noch einmal genau erklären. Glücklicherweise ist alles klar beschriftet. An Bord gibt es zwei Strom­kreise – wie in einem Wohnmobil: einen für die Maschine und einen für alle Ver­braucher an Bord. Der Herd wird hinge­ gen mit Gas betrieben, und ich bekomme auch hier eine ausführliche Erklärung der Funktionsweise.

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Franziska Heyden am 22.05.2017
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