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Reportage: Charterbescheinigung

Skipper ohne Schein - Seite 3

Franziska Heyden am 22.05.2017

An Deck lerne ich die wichtigsten Kno­ten und wann man sie anwendet. Den Pal­stek kenne ich bereits aus der Kletterhalle, aber dass ein Webeleinstek dasselbe ist wie ein Mastwurf, bemerke ich erst, als Wiear­dus Reichl mir zeigt, wie ich die Fender an der Reling befestige.

Dennoch ist die Her­ angehensweise so anders, dass ich zuerst verwirrt bin. Ein Karabiner hat nämlich eine Öffnung, die Reling hier nicht. Knotenlernen macht mir aber Spaß, und nach ein paar Fehlversuchen (und kurzen Lachanfällen) hab ich’s bald raus.

Beim Schleusen, sagt Wieardus Reichl, le­ge ich den Tampen um die Klampe herum und führe die Leinen dann aus der Hand.

Nie belegen, bitte nie, nie belegen! Der Wasserstand in der Schleuse ändert sich, und wenn es abwärts geht, könnte man sonst das ganze Schiff aufhängen – das wä­re ärgerlich.

Wie das eigentliche Belegen der Klampe funktioniert, wenn man anle­ gen möchte, erfahre ich dann auch noch.
„So, und jetzt kommen wir zur Bedienung der elektrischen Ankerwinde", er­ klärt mein Einweiser und stöpselt eine kleine Fernbedienung ein, auf der es nur einen Hoch­ und einen Runter­knopf gibt. Ich drücke, und schon rasselt die Ket­te durch die Klüse.

Jetzt fehlt auf unserer Runde noch das Wichtigste: der Fahrstand mit all seinen Instrumenten und Schaltern. Geschwin­digkeit, Drehzahl und Wassertiefe wollen im Blick behalten werden. Auch das Horn wird lautstark getestet, und dann, als wäre es der Startschuss gewesen, legen wir zur Einweisungsfahrt ab.

Auf der Grand Sturdy sind Bug- und Heckstrahlruder vorhanden, was mich wirklich beruhigt. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie ich ein Boot mit der Schiffsschraube in so langsamer Fahrt manövrieren kann. Diese kleinen Joysticks erscheinen mir logischer.

Im Schneckentempo versuche ich, die Linssen aus ihrer engen Box herauszuzwängen, während mein Einweiser ein Auge auf mögliche Hindernisse hat.

Plötzlich erscheint mir das Boot riesengroß, und ich vermisse die Einparkhilfe meines Autos, denn vom Fahrstand aus kann ich überhaupt nicht einsehen, ob sich direkt vor oder neben dem Rumpf ein Poller oder Ähnliches versteckt.

Doch geschafft! Im freien Wasser wird das Boot mithilfe von Bug- und Heckstrahlruder auf der Stelle um 90 Grad gedreht, und es geht hinaus auf die Obere Havel-Wasserstraße, die hier etwa 80 Meter breit und von Bäumen gesäumt ist.

Keine 300 Meter vom Hafen entfernt wartet schon die erste Schleuse auf uns. Ziemlich eindrucksvoll. Aber nun kann ich mir auch am praktischen Beispiel zeigen lassen, wie ich sie bediene, ohne mich zu blamieren oder Schaden anzurichten.

In unserem Fall handelt es sich um eine Selbstbedienungsschleuse in Zehdenick mit angeschlossener Klappbrücke. An der Sportbootwartestelle lege ich an, um dort einen grünen Anforderungsschalter zu betätigen, der den Schleusenvorgang aus- lösen soll. Ein schrilles Piepen ertönt als Bestätigung, dass es geklappt hat.

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Franziska Heyden am 22.05.2017