Chartern ohne Führerschein Chartern ohne Führerschein

Reportage: Charterbescheinigung

Skipper ohne Schein - Seite 4

Franziska Heyden am 22.05.2017

Erleichtert stelle ich fest, dass neben dem Schalter sogar eine ausführliche Bedienungsanleitung hängt. Wer also wie ich noch nie eine Selbstbedienungsschleuse passiert hat, kann sich hier ganz in Ruhe noch mal den Ablauf durchlesen. Erst wenn die Ampel auf Grün schaltet, machen wir die Leinen los, werfen die Fender raus und fahren in die Schleuse ein.

Jetzt bin ich wieder dran, mein Gelerntes zu zeigen: Klampe belegen ... Ach nein ... Ach doch, erst einmal belegen, dann die Leinen um den Bügel an Land legen und wieder zurück unter der Reling durch, und jetzt einmal um die Klampe herum und locker aus der Hand führen.

„Ich hab’s", rufe ich Wieardus Reichl zu, der nun für mich den Motor abstellt und den Weiterschleusungshebel betätigt. Auf das bestätigende Piepen hin schließen sich die Tore, und wir sinken unter den aufmerksamen Blicken der Ausflügler am Ufer ganz allmählich hinab, bis ich nur noch eine nasse, graue Betonwand sehe.

Ein kurzer Schreck: „Wenn das jetzt noch weiter nach unten gegangen wäre, hätte meine Leine irgendwann nicht mehr gereicht."

Dafür gibt es Steigstangen in der Schleusenwand, beruhigt mich mein Einweiser. Gegebenenfalls kann man die Leinen während des Schleusenvorgangs noch einmal umlegen.

Die Schleusentore öffnen sich, anschließend schaltet die Ampel auf Grün – für uns das Signal, nun den Motor zu starten, die Leinen zu lösen und langsam aus der Schleuse auszufahren. Insgesamt einfacher als gedacht. Mich erinnert das ein wenig an ein Parkhaus: Fenster runter, Knopf drücken, Schranke hoch. Besser nur: Ich musste keine Münzen in die Schleuse werfen.

Hinter dem Schleusentor lege ich kurz an, um alle Boote vorbeizulassen und dann umzudrehen – schließlich müssen wir ja wieder zurück. Diesmal schleusen wir zu Berg, und ich schaffe es sogar ganz ohne die Hilfe von Wieardus Reichl, der mein Handeln verfolgt.

„Toll! Gar nicht so schwer, oder?" Auf dem Weg zur Charterstation fällt die Anspannung dann endlich von mir ab, und ich glaube, das Boot jetzt tatsächlich ganz gut unter Kontrolle zu haben. Am Liegeplatz angekommen, unterschreibe ich nur noch das vollständig abgehakte Protokoll und verabschiede mich von meinem „Fahrlehrer".

Allzeit gute Fahrt und immer ’ne Handbreit Wasser unterm Kiel,

wünscht mir Wieardus Reichel mit kräftigem Händedruck und steigt auf den Steg, wo meine erwartungsvolle Crew schon mit einem Bollerwagen voller Einkäufe wartet. „Na, Skipper, alles im Griff?", rufen sie herüber. Lachend gebe ich ihnen das Zeichen zur Bestätigung: Daumen hoch! Er kann beginnen – mein erster Charterurlaub.

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Franziska Heyden am 22.05.2017