Skrei-VM, Lofoten, Norwegen Skrei-VM, Lofoten, Norwegen

Reportage: Kabeljau-WM

Skrei! - Teil 2

Christian Tiedt am 20.11.2017

Zumindest was das Wetter betrifft, muss sicht der Skipper an diesem 2. April keine Gedanken machen: Zwar bläst der Wind mit vier bis fünf Beaufort aus Norden, doch die Sonne strahlt vom blauen Himmel, und die Sicht ist gut: Im Süd­osten scheinen die schneebedeckten Gipfel der Inseln Skrova und Litlmolla zum Greifen nahe. Kein Nebel, kein Schneesturm – für eine so berüchtigte Wetterküche wie das Seerevier rund um die Lofoten sind das beinahe friedliche Verhältnisse.

Vom Schwimmponton bei der Rettungsstation zieht die "Sundt Flyer" in langsamer Fahrt hinüber in Richtung Haupthafen, wo sich die Angelflotte im Schutz der mächtigen Hafenmole für den offiziellen Start sammelt. Im Steuerhaus hat jedes Besatzungsmitglied seinen eigenen, voll gefederten Stuhl.

Neben Kapitän Thomassen sitzt sein Stellvertreter Jørgen Nygaard aus Fredvang, einer kleinen Siedlung an der Nordküste der Lofoten. Sondre Omdal, der noch in der Ausbildung ist, kommt dagegen aus Arendal im Süden Norwegens. Den längsten Arbeitsweg hat aber der Bordingenieur: Jon Frodi Olsen wohnt auf den Färöern und "pendelt" regelmäßig zwischen zwei Inselgruppen im Atlantik. "In Norwegen sind gut qualifizierte Seeleute knapp", erzählt er, "und verstehen können wir einander auch."

"Meinst du sprachlich oder persönlich?", fragt ein anderes Crewmitglied lachend. Man versteht sich wirklich gut.
Noch eine Viertelstunde bis zum Start. Vor dem Hafenpanorama von Svolvær, das von der modernen, zehnstöckigen Glasfassade des Thon-Hotels dominiert wird, herrscht auf dem Wasser Hochbetrieb: Die Skrei-Armada legt ab!

Rund drei Dutzend Fahrzeuge aller Größen, vom kleinen Kajütboot bis zum hölzernen Hochseekutter, versuchen, sich nicht zu nahe zu kommen. An Deck tummeln sich Gestalten in dicken Thermo-
Schutzanzügen in Signalgelb oder Leuchtorange. Weiße Tafeln in den Riggs ver­­ra­ten die Startnummern der Boote. Querab von der "Sundt Flyer" wartet der ergraute Walfänger "Ole Larsen" ebenso auf das Startsignal wie eine nervöse Targa 27 mit der Startnummer 66.

Der Seitentrawler "Jan Borke" geht einem Heringsschoner längsseits, um eine Person übersteigen zu lassen, und rundherum ziehen zwei neo­prenverhüllte Jetskifahrer ihre Kreise.  Mittendrin sorgt der große, graue Rumpf des Patrouillenbootes "Heimdal" für Ordnung: Die Küstenwache übernimmt die Rolle der schwimmenden Einsatzzentrale.

Punkt neun Uhr ertönt ein Schallsignal, und die Flotte nimmt Kurs auf die Hafenausfahrt. Die Spitzenposition hat ein ehemaliges Seenotrettungsboot inne: die "Biskop Hvoslef", 1933 gebaut und noch immer in Topform. Mit hoch schäumender Bugwelle gibt sie das Tempo vor. Die Zeit ist begrenzt – nur fünfeinhalb Stunden bleiben für den großen Fang!

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Christian Tiedt am 20.11.2017
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