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Reportage: Schlauchboot-Jugend-WM

Hoch die Tassen! WM-Titel für deutsche Kinder & Jugendliche

Ingrid Bardenheuer am 16.07.2015

Voll cool: Wie die deutschen Schlauchboot-Kids in Duisburg den Weltpokal holten. Ein Beispiel für Nachwuchsförderung mit Herz und Sachverstand.

Jugend-WM

Bojen-Berührungen sollten tunlichst unterbleiben, sonst gibt es Strafsekunden. Bei der Entscheidung, ob die Kugel gerempelt wurde oder nur im Wellenschlag tanzt, hilft die schwarze Markierung.

Der Weltpokal. Sieben Kilogramm schwer, fast vierzig Zentimeter hoch, gekrönt von einem vergoldeten Propeller. Was für ein Pott. "Ein ganz kleines Stück davon gehört jetzt mir", sagt jemand leise an meiner Seite – Miron. Andächtig streicht der neunjährige Knirps über den hölzernen Sockel der Trophäe. Dann

lächelt er versonnen: "Und da kommt unsere Plakette hin…" Auf der wird stehen: "Germany 2014". Denn Miron und sein Team haben den Weltpokal gerade gewonnen.

Eigentlich heißt der Cup "Ralf Fröhling Challenge Trophy”, benannt nach dem langjährigen  Präsidenten der Union Internationale Motonautique (U.I.M.), dem Weltverband des Motorbootsports. Der Wanderpokal ist die höchste Auszeichnung im Jugend-Schlauchbootfahren.

Die beste Nachwuchsmannschaft einer U.I.M. World Championship Formula Future darf ihn bis zur nächsten Weltmeisterschaft mit nach Hause nehmen. Dann werden die Karten neu gemischt. Wie jetzt, in Stresa am Lago Maggiore. Im vergangenen Juli, als die Kids aus Germany den Weltpokal nach Deutschland holten, fand das Ganze in Duisburg statt. Und wir waren dabei.

Sportpark Duisburg, Regattabahn. Hier wird die U.I.M. World Championship Formula Future 2014 ausgetragen. Bei der Gelegenheit geht es auch gleich um die europäische Meisterschaft. Die Deutsche Motorbootjugend (DMJ) des Deutschen Motoryachtverbandes (DMYV) organisiert das Ereignis.

Acht Nationen sind vertreten – Deutschland, Italien, Lettland, Polen, Portugal, Russland, Slowakei und Tschechien. Insgesamt 62 Kinder und Jugendliche werden in fünf verschiedenen Altersklassen gegeneinander antreten. Mit neun Jungs und einem Mädchen ist die deutsche Jugendnationalmannschaft gemeldet. Sie will schaffen, was dem heimischen Kader zuletzt im Jahr 2010 in Carr Mill, Groß-britannien, gelang: Mannschaftswelt- und -europameister werden!

"Ist das langweilig …", seufzt irgendwer von den Kleinen. Es ist Mittwochnachmittag, und das Finale am Sonntag liegt gefühlt mindestens so weit entfernt wie Weihnachten. Ist denn hier niemand aufgeregt? "Nö, warum?" Im Moment ist die WM tatsächlich ziemlich unspektakulär. Heute Anreise, morgen freies Training. Freitag, nach der offiziellen Eröffnung, ruft dann endlich die Piste.

Was sie nun tut. Manoeuvring steht auf dem Programm, mit Parcoursfahren und Knotenkunde. Vormittags EM, nachmittags WM. Andreas Severin, der Bundesjugendtrainer, ist bei seinem Team, gibt Tipps, beruhigt flatternde Nerven.

Zappelige Dreikäsehochs nimmt der Chef schon mal ans Händchen. Das macht wieder voll lässig.
Ein Leben ohne Jugendarbeit kann sich Andreas, Jahrgang 1968 und selbst Vater zweier Kinder, „nicht wirklich“ vorstellen. Seit 2008 betreut er die Nationalmannschaft. Wer in den Kader kommt, entscheidet sich Jahr für Jahr aufs Neue.

Ein paar Trainingstage kurz vor dem Turnier, mehr braucht es nicht, um aus Deutschlands zehn besten Schlauchboot-Kids eine eingeschworene Gemeinschaft zu machen. Quirlige Drittklässler, taffe Teens, Sensibelchen, coole Socken – wer einen solchen Mix tagtäglich bei sich daheim am Frühstückstisch sitzen hat, der weiß um die Größe dieser Leistung. 

DIE KOMPLETTE REPORTAGE FINDEN SIE IN DER AKTUELLEN AUGUST-AUSGABE VON BOOTE, DIE ES AB DEM 22. JULI IM HANDEL GIBT.

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Die Regattabahn hat in ihrer 80-jährigen Geschichte schon manchen Freudentaumel erlebt. Aber sowas? Trocken bleibt nur der Cup. Bundesjugendtrainer Andreas Severin reckt ihn empor. Welch’ ein Moment.

Ingrid Bardenheuer am 16.07.2015