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Reportage: Wasserschutzpolizei

Dienst am Tor zur Welt

Marc Princz-Schelter, Christian Tiedt am 01.06.2018

Die Hamburger Wasserschutzpolizei sieht in Deutschlands größtem Seehafen nach dem Rechten – und auf der Elbe gibt es viel für die Beamten zu tun

Noch stammt der aktuellste Eintrag im Logbuch des Streifenbootes "WS 35" von sechs Uhr morgens: Die Besatzung der Hamburger Wasserschutzpolizei musste bei der Beseitigung einer Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg helfen.

Das gewaltige Areal zwischen den Läufen von Norder- und Süderelbe, das den Hamburger Hafen ausmacht, hält noch immer viele gefährliche Blindgänger verborgen. Wenn sie ans Tageslicht kommen (was meistens dann passiert, wenn neu gebaut wird), verlangsamt sich der Puls der Arbeit. Und jede Unterbrechung kostet eine Menge Geld.

Brennpunkt war diesmal der Burchardkai im Stadtteil Waltershof, wo die ganz großen Mega-Containerfrachter festmachen. Weit mehr als eine halbe Million der stählernen Standard-Boxen werden an diesem Terminal jährlich bewegt.

Die alte Bombe bedrohte also eine besonders empfindliche Stelle des Wirtschaftsmotors Hafen – und bis sie von den Spezialisten von der Kampfmittelbeseitigung durch eine gezielte Sprengung unschädlich gemacht werden konnte, musste in weitem Umfeld zuvor schon für die größtmögliche Sicherheit gesorgt werden.

Und Sicherheit ist im Hamburger Hafen Aufgabe der Wasserschutzpolizei. Zwar hat nicht jeder Einsatz der Beamten einen so dramatischen Hintergrund, die Vielzahl der Herausforderungen sorgt aber dennoch für viel Abwechslung im Dienst.

Eine von denen, die es wissen, ist Uta Kölling, die gerade die Frühschicht abgelöst und zusammen mit zwei weiteren Kollegen ihren Tagesdienst an Bord von "WS 35" angetreten hat:

"Eben noch haben wir eine Verunreinigung der Elbe durch Öl untersucht, im nächsten Moment geht es schon wieder zu einer Schiffskollision in einem ganz anderen Bereich des Hafens. Man weiß nie, was als nächstes kommt, was sich hinter dem nächsten Einsatz verbirgt.

Dass macht es für mich so spannend", sagt die Polizeioberkommissarin und schwenkt mit dem Fernglas über die Ufer zu beiden Seiten und den Verkehr im  Fahrwasser voraus. "Gelangweilt habe ich mich in allen meinen Dienstjahren wirklich noch nie."

Wasserschutzpolizei Hamburg

Containerterminals und Lagerschuppen, Gleisanlagen und Brachflächen, dazu kilometerlange Kais und natürlich der Strom selbst mit seinem weitverzweigten Netz aus Hafenbecken und Kanälen – das ist das Revier von Uta Kölling und ihren Kollegen.

Aber es ist nicht nur Deutschlands größter Seehafen selbst, sondern noch ein gutes "Stück" Elbe mehr: Von der Staustufe stromaufwärts bei Geesthacht bis zur Nordsee bei Cuxhafen erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich der Hamburger Wasserschutzpolizei. Auch die kleinen Inseln Neuwerk, Scharhörn und Nigehörn in der Elbmündung gehören zum Stadtgebiet.

Es ist jetzt neun Uhr. Der Rauch der Sprengung am Burchardkai vor drei Stunden ist längst verzogen. Das Wetter ist klar, der Himmel wolkenlos. Ein schöner, windstiller Tag, nicht unbedingt typisch für den Norden. Doch von Beginn an gönnt das Bordfunkgerät der Besatzung von "WS 35" keine Pause.

Der frisch gebrühte Kaffee muss jetzt erst einmal warten: Der Hafenlotse der HPA, der Hamburg Port Authority, erbittet Unterstützung im Köhlbrand. Diese Stelle des Hamburger Hafens wird vom weiten Betonbogen der Köhlbrandbrücke überspannt, einem der Wahrzeichen der Stadt. Hier gibt es genau definierte Bestimmungen für die Durchfahrt und die Begegnung von Fahrzeugen. Alle Seeschiffe werden in Verkehrsgruppen aufgeteilt, die sich nach deren Länge ordnen.

Misst ein Frachtschiff mehr als 250 Meter, muss der betreffende Abschnitt der Süderelbe für gegenläufigen Verkehr gesperrt werden. "Die Riesen haben an dieser kritischen Stelle Vorfahrt", sagt Polizeikommissar Marco Lewerenz, der heute ebenfalls zur dreiköpfigen Besatzung von "WS 35" gehört. Da müssten nationale und internationale Vorschriften unbedingt eingehalten werden, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer jederzeit zu gewährleisten.

"In unserem Polizei-Jargon nennen wir das "schifffahrtspolizeiliche Vollzugsaufgaben", ergänzt Schiffsführer Andreas Wörner. "Das klingt etwas trocken, ist es aber überhaupt nicht. Denn manchmal muss sehr schnell entschieden werden".

Die Hamburger Wasserschutzpolizei regelt aber nicht nur den Verkehr auf der Elbe. Viele Aufgaben im Bereich Gefahrenabwehr, die Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, sowie grenzpolizeiliche Aufgaben bei der Abfertigung von Seeschiffen stehen genauso auf der Aufgabenliste wie die Überwachung der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften auf dem Wasser.

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550 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, verteilt auf drei Kommissariate, ein Revier und mehrere Fachdienststellen stehen dafür zur Verfügung. Die Flotte umfasst etwa 30 Fahrzeuge. Sie reicht vom Sechs-Meter-RIB bis zum knapp 30 Meter langen "Küstenstreifenboot".

"WS 35" liegt dabei mit einer Länge von knapp 18 Metern ungefähr in der Mitte. Gebaut wurde es 2006 weiter elbaufwärts auf einer Werft in Sachsen-Anhalt und steht seitdem mit zwei baugleichen Schwesterbooten im Dienst der Hamburger WSP.

Die Geschichte der Polizei der Hansestadt reicht übrigens weit zurück bis in die Zeit Napoleons: Über Jahre hatte der französische Kaiser die Hansestadt besetzt gehalten. Dann zogen seine Truppen aus Hamburg ab und auf die Militärverwaltung drohte Anarchie zu folgen. Am 25. Mai 1814 übertrug der Hamburger Senat daher zwei Senatoren die "Handhabung der Polizey und Erhaltung der inneren Ordnung". Zu Lande – und eben auch zu Wasser.

Kurz vor Ende der Schicht kommt per Funk dann noch eine weitere "große" Aufgabe – im wahrsten Sinne: Ein Kreuzfahrtschiff läuft ein. Mit Vollgas geht es vom Südwesten zu den Landungsbrücken. Der 570-PS-starke MAN-Diesel im Rumpf lässt seine Muskeln spielen. Trotzdem ist Vorsicht geboten:

"Auch für die Polizei gilt im Hafen ein Geschwindigkeitslimit. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für die gewerbliche Schifffahrt liegt hier bei 10 Knoten, von Ausnahmen einmal abgesehen, für Sportfahrzeuge ist bei 12 Knoten Schluss".

An der Elbphilharmonie vorbei wird der Gigant von "WS 35" bis zu seinem sicheren Liegeplatz in der Hafencity begleitet – auch das ist Polizeiarbeit. Dann ist die Schicht beendet. "War wieder viel los heute", sagt Schiffsführer Wörner. Die Kaffeetassen vom Morgen stehen noch immer halbvoll neben dem Funkgerät. 

Marc Princz-Schelter, Christian Tiedt am 01.06.2018