Motoryacht Sepia Motoryacht Sepia

Service: Reportage

Motoryacht Sepia

Kay von Eitzen am 01.10.2021

Einmalig: Die Geschichte von Booten ist untrennbar auch die Geschichte von Menschen und deren Leidenschaften. Daraus entstehen Träume, und manchmal werden sie zur Wirklichkeit

Die Reise geht zurück in die erste Hälfte der Sechzigerjahre. Es ist Kalter Krieg, in den USA wird Präsident Kennedy ermordet, in Deutschland hat Ludwig Erhard den langjährigen Kanzler Konrad Adenauer abgelöst. Man trällert die Schlager von Conny Froboess oder Gitte, ein Mischbrot kostet eine D-Mark, für ein Kilo Rindfleisch zahlt man beim Schlachter um die Ecke 6,50 D-Mark. Stolz wird der neue Opel Kadett vor der Tür geparkt. "Wir sind wieder wer" lautet das Motto der Stimmung im Land; nach den ersten schweren Jahren des Wiederaufbaus kann man sich dank des Wirtschaftswunders wieder etwas leisten. Auch in Flensburg. Hier, wo der Segelsport immer schon eine große Rolle spielte, haben die Segelvereine guten Zulauf an Mitgliedern. Der einst in Deutschland elitäre Yachtsport wird etwas mehr zum Breitensport. Wer es sich leisten kann, lässt sich sein Boot von einer der vielen Bootswerften in Norddeutschland oder Dänemark "tischlern". Wer nicht so betucht ist, baut selbst oder baut um. So werden aus Fischerbooten respektable Motorsegler, aus kleinen Kielbooten durch "Aufplanken" Fahrtenyachten. Erst Mitte der Sechziger kommen die ersten GFK-Yachten auf den Markt. Sie revolutionieren den Sport.

Noch mehr Informationen? Die Reportage über die "Sepia" finden Sie mit weiteren Bildern in BOOTE-Ausgabe 10/2021 seit dem 15.09.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Einer, der damals vom eigenen Boot träumt, ist der junge Zimmerergeselle Herbert Rahf. Schon sein Vater war mit ­einem selbst gebauten Motorboot auf der Förde unterwegs. Bei der "Krone" hatte Herbert fleißig mitgebaut und war Mitglied im Wassersportverein Galwik geworden. Auf dem Clubge­lände standen Schuppen für das Winterlager. Die Galwik ist ein kleiner, gemütlicher Verein. Er entstand in der ehemaligen "Galgenbucht" am nördlichen Ende des Flensburger ­Hafens. Hier hatten in den Dreißigerjahren einige Fischer ­zusammengefunden. Es fanden sich Gleichgesinnte aus der "Arbeiterklasse" und solche, die den braunen Machthabern nichts abgewinnen konnten. Da man sich nicht wie eigentlich vorgeschrieben mit dem "deutschen Gruß" begrüßen wollte, wurde daraus ein "Juchei!". Und aus ebendiesem "Juchei-Club" wurde 1945 der Wassersportverein Galwik. Auch nach dem Krieg blieb man sich treu. So waren die Mitglieder meist "kleine Leute", Angestellte, Handwerker und allen voran, Leute von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Eine Schiffswerft war damals ein sehr vielseitiger Betrieb mit Möbeltischlern, Bootsbauern, Nietern, Schweißern, Taklern, Schlossern und Schmieden. Meist auch mit eigener Malerei. Und so wurde mancher Beschlag für das eigene Boot dort mitgebaut. Eine ideale Symbiose, gerade in den schmalen Jahren nach dem Krieg.

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Kay von Eitzen am 01.10.2021
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