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Lutz W. Lester im Aufsichtsrat von Neander

Erich Bogadtke

 · 15.07.2022

Lutz W. Lester im Aufsichtsrat von NeanderFoto: Oliver Franke

Wechsel-Wirkung: Lutz W. Lester wechselt vom Vorstand der Neander Motors AG in den Aufsichtsrat und schafft dabei neue Räume

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Auf dem falschen Weg ist jeder Schritt nach vorne ein Schritt zurück.“ Minnesota oder Schleswig-Holstein? Zehntausend Seen oder die Kieler Förde? Lester hatte die Wahl: als Marketing-Mann für Medical Products wie Hörgeräte und Kontaktlinsen auf der Karriereleiter einen riesen Schritt nach oben oder ein Heimspiel, soll heißen, die Vorbereitungen für den Börsengang der Achterbahn AG. Wahlsieger wurden das schmucke Häuschen in Emkendorf und die Achterbahn, die fortan mit den Comics und Filmen des Klempner-Azubis Werner eine nahezu unglaubliche Erfolgsgeschichte schrieb. So ist der „Red-Porsche-Killer“, ein mit vier Horex-Motoren ausgestattetes Motorrad, heute fast schon legendär.

Werner und Achterbahn AG sind schnell Geschichte, die Idee, ein serientaugliches Motorrad mit einem Turbodieselmotor zu bauen, nicht. Ex-Achterbahn-Kollege Philipp Hitzbleck gründet 2003 die Firma Neander und überzeugt Lutz W. Lester, Mitgesellschafter zu werden. Gemeinsam begeistern die beiden ein paar wirklich gute Motor-Leute für ihre Idee und präsentieren 2005 das einzigartige Neander-Motorrad. Sich auf Erfolgen auszuruhen ist nicht Lesters Sache. So kommt der Gedanke, die zukunftsweisende, vom schleswig-holsteinischen Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr ausgezeichnete Technologie des Motors an einen Bootsspiegel zu montieren, fast zwangsläufig.

Zahlenspiel: Um Klarheit zu schaffen, wurde die 111 (Nm) in der Typenbezeichnung durch die Ziffer 50 (PS) ersetztFoto: Oliver Franke
Zahlenspiel: Um Klarheit zu schaffen, wurde die 111 (Nm) in der Typenbezeichnung durch die Ziffer 50 (PS) ersetzt

Diesel-Außenborder sind schon echte Raritäten. Yanmar war zu der Zeit mit zwei Modellen „Alleinunterhalter“, aber auf Dauer wenig erfolgreich. Das lag hauptsächlich an der Laufkultur und am Preis. Das hieß, sollte sich der Neander-Motor am Markt etablieren, musste er deutlich besser und preiswerter sein als seine Mitbewerber. Das mit dem Bessersein hat geklappt. Fakt ist aber, dass so ein Motor kein Schnäppchen sein kann und deshalb für Freizeitkapitäne uninteressant ist. Zielgruppe sind zwangsläufig gewerbliche Nutzer wie Kreuzfahrtreedereien und Behörden.

Der Weg zum Erfolg sind Investoren, die von dem Projekt überzeugt sind, und kluge Köpfe wie Claus Bruestle, Rick Davis und Ulrich Wittwer (siehe BOOTE 2/13). Zudem stehen Bosch, Davis Engineering, FEV, Selva, Steyr und nicht zuletzt Yanmar auf der Liste der Entwicklungshelfer. Die (an)treibende Kraft ist immer Lutz W. Lester, der 2015 mit dem Seamaster Award ausgezeichnet wird. Der vom Delius Klasing Verlag und der boot Düsseldorf verliehene Award zeichnet Persönlichkeiten aus, die im Wassersport besondere Akzente gesetzt haben. Begründung der Jury: Lesters Engagement und seiner Zielstrebigkeit ist es zu verdanken, dass mit dem Neander Shark – heute Dtorque 50 – ein deutscher Diesel-Außenborder weltweit für Furore sorgt. Warum Dtorque statt Shark? Die Typenbezeichnung verbunden mit der Ziffer 111 sollte das ungewöhnlich hohe Drehmoment (Torque) von 111 Nm darstellen. Damit konnte außerhalb Europas nicht jeder etwas anfangen, weshalb man in jüngster Vergangenheit mit der neuen Ziffer 50, die sich auf die Leistung (PS) des Motors bezieht, insbesondere in den USA Klarheit schaffen wollte.

Der erste Schritt in seiner Neander-Karriere: das legendäre Turbodiesel-MotorradFoto: Neander
Der erste Schritt in seiner Neander-Karriere: das legendäre Turbodiesel-Motorrad

Nun wechselt Lutz W. Lester, der den Vorstandsvorsitz der Neander Motors AG schon 2021 an Björn Thomsen abgegeben hat, als Chief Operating Officer (salopp gesagt: Macher) des Unternehmens in den Aufsichtsrat. Zeit für ein paar Fragen.

BOOTE: War Neander Motors seit dem Abschluss des exklusiven Vertriebsvertrags (2015) mit Yanmar auf dem falschen Weg?

Lester: Es war die richtige Entscheidung. Die Zusammenarbeit mit Yanmar hat die Entwicklung des Motors zur Serienreife unterstützt.

BOOTE: Wie weit ist der Aufbau des eigenen Vertriebssystems fortgeschritten?

Lester: Unter der Regie von Joel Reid (verantwortlicher Vorstand für den Vertrieb) haben wir ein eigenes, weltweites Vertriebs- und Händlernetz aufgebaut, das kontinuierlich wachsen wird.

BOOTE: Zielt Ihre Verkaufsstrategie nach wie vor auf gewerbliche Käufer ab, oder wollen Sie mit Ihrem derzeitigen Angebot auch Freizeitkapitäne ansprechen?

Lester: Ja, sinkende Herstellungskosten werden den Motor in Zukunft auch für den Freizeitmarkt interessant machen.

BOOTE: Zu welchem Preis kann Otto Normalbootfahrer den Dtorque 50 heute käuflich erwerben?

Lester: Aktuell liegt der Verkaufspreis bei 24.900 Euro netto.

BOOTE: Gibt es für die Zukunft Pläne, das Neander-Portfolio durch neue, leistungsstärkere Motoren zu erweitern?

Lester: Seit 2020 arbeiten wir bei Neander Motors an der Entwicklung der neuen Motoren, die – und das ist sensationell innovativ – eine Synthese aus Doppelkolben- und Monoblock-Technologie (Block und Zylinderkopf werden aus einem Stück gefertigt; Anm. d. Red.) sind. Nach der Insolvenz von Steyr (bis 2019 Hersteller der Neander-Motoren; Anm. de. Red.) stehen die Produktionshallen bei Yanmar-Italien. Selva ist und bleibt Zulieferer.

BOOTE: Was waren Ihre letzten richtungsweisenden Entscheidungen als COO der Neander Motors AG?

Lester: Meine Kollegen und ich haben einen Standortwechsel vollzogen, das heißt, den Umzug auf die Rathje Werft nach Kiel-Friedrichsort realisiert und dort Räume für das brandneue Neander Trainings- und Schulungscenter geschaffen. Verwaltung, Vertrieb, Verkauf und Unternehmensleitung beziehen ihre Büros in der Falklandstraße 1 in 24159 Kiel. (www.neander-motors.com)

Fazit: Mit Lesters Wechsel in den Aufsichtsrat ist sichergestellt, dass Neander Motors weiterhin auf sein Netzwerk zurückgreifen kann. Ein unbezahlbarer Vorteil.

Für Lutz W. Lester ist der Aufsichtsrat alles andere als das Abstellgleis. Er will und kann sich seine Zeit freier einteilen. An erster Stelle steht ein Womo-Trip in die Rocky Mountains, verbunden mit einem Familientreffen auf dem legendären Burning-Man-Festival in der Wüste bei Black Rock City im US-Bundesstaat Nevada. Auf Platz zwei der To-do-Liste des 61-jährigen Kieler Jung steht ein Engagement bei der Entwicklung des Kool-Kiel-Projekts, eines völlig neuen Quartiers mit Boarding-House, Büros und Wohnungen. Wer Lutz W. Lester kennt, weiß, dass Erfolg damit programmiert ist.

Den Artikel “Wechsel-Wirkung” finden Sie in BOOTE-Ausgabe 08/2022 seit dem 13. Juli 2022 am Kiosk, online direkt im Delius-Klasing-Shop – und schon jetzt hier.

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