Atlantic Sun Cruiser 730

Unbekannt

 · 10.02.2015

Atlantic Sun Cruiser 730Foto: Phillip Gätz

Feines aus Polen: Die neue Atlantic Sun Cruiser 730 hat uns beim Test absolut überzeugt. Ein gelungener Daycruiser zum Be- und Entschleunigen.

Atlantic Sun Cruiser 730 im Test
Foto: Phillip Gätz
  Atlantic Sun Cruiser 730Foto: Phillip Gätz
Atlantic Sun Cruiser 730

Atlantic Marine ist in Augustów, im Nordosten von Polen, beheimatet und existiert seit fünfzehn Jahren. Die Werft fertigt insgesamt 19 Modelle von 4,50 m bis 9,00 m Länge für Außenbord- und Innenbordmotoren. Die Boote werden per Hand laminiert, und auch sonst wird fast alles, was aus Holz und Metall besteht, selbst angefertigt – wie Reling, Polster und Verdecke. Auch den Transport zu den Händlern in Europa bewerkstelligen eigene Lkws.

Angeboten werden vier Bootstypen: Open mit zentralem Steuerstand, Sun Cruiser mit Sonnendeck vorn und einer Kabine darunter sowie der klassische Day Cruiser und die Adventure mit einem Kabinenaufbau. Wir fahren aus der Sun-Cruiser-Serie die 730 mit der stärkstmöglichen Motorisierung, in unserem Fall ein Verado 300 von Mercury.

Die Verarbeitung des Testbootes bewerten wir als gut. Außen besticht hoch glänzendes Gelcoat und unter Deck eine glatt geschliffene und überstrichene Innenschale. Die Kunststoffschnittkanten sind verrundet und versiegelt. Nur den aufgesetzten Türrahmen zur Kabine hat man übersehen: Dort sind die Kanten zwar geschliffen, aber nicht versiegelt. Zu eckig erscheint uns der Eingangsausschnitt in die Kabine, dafür ist der Kabinentrakt doppelschalig gehalten. An den technischen und elektrischen Installationen gibt es nichts auszusetzen. Trailerkapitäne benötigen ein Zugfahrzeug, das wenigstens drei Tonnen auf den Haken nehmen darf.

Fahren und Manövrieren

In langsamer Fahrt durchmessen die Vollkreise sowohl mit vorwärts als auch mit rückwärts eingelegtem Gang maximal zwei Bootslängen. In Vorwärts- und Rückwärtsfahrt fährt die Sun Cruiser 730 hin, wo sie soll und reagiert beim Umsteuern sofort. Wechselt jemand seinen Platz, nimmt das nur geringen Einfluss auf Kurs und Krängung. Um die vom Boot erzeugten Wellen auf akzeptabler Höhe zu halten, fahren wir nicht schneller als 6 kn bei 1500/min. Ab 3000/min oder bei 11 kn kommt das Testboot in den Gleitbereich. Die Sicht ist beim Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt im Sitzen kurz unterbrochen, im Stehen jedoch stets vorhanden.

Mit 6100/min dreht der Motor bei Vollgas innerhalb seines maximalen Drehzahlbereiches – was von einer passenden Propellerabstimmung zeugt. Normal beladen und mit drei Personen an Bord, loggen sich maximal 40 kn im GPS ein. Die wirtschaftlichste Gleitfahrt ermitteln wir bei einem Tempo von 24 kn und einer Drehzahl von 4000/min. Eine Tankfüllung reicht in langsamer Fahrt theoretisch für einen Aktionsradius von 186 sm plus 15 % Reserve. In wirtschaftlicher Gleitfahrt kommt man etwa 143 sm weit, zuzüglich Reserve. Ein Wert, der haarscharf an unserer Forderung von 150 sm vor-beischrammt.

In den immer enger verlaufenden Kurven zieht der Propeller Luft, wenn man bei 15 kn einen Kurvendurchmesser von etwa 50 m und bei höherem Tempo etwa 80 m unterschreitet. Das ist der Montagehöhe des Motors zuzurechnen. Diese beeinflusst auch die anderen Manöver: Der ventilierende Propeller beendet alles schnell, wenn die 180°-Wenden innerhalb von etwa zwei Bootslängen durchmessenden Kurven in einem Rutsch mit einer Setzbewegung enden. Auf dem Slalomkurs bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Pendeln, und beim Verreißen des Ruders folgt es direkt dem Kurs. Wellen bis etwa 0,75 m Höhe werden sicher und trocken absolviert; über das übrige ruppige Mittelmeer-Kabbelwasser fahren wir ohne Probleme mit Vollgas.

Fahrer und Co sitzen bequem auf allseits verstellbaren Schalensitzen, deren Sitzflächen teilweise klappbar gestaltet sind. Standard ist eine Stehhilfe für zwei mit Lehne. Der Fahrer hat vor sich alles im Blick und Griff. Als Halt dient der Scheibenrahmen. Die Kunststoff-Windschutzscheibe ohne Wischer ist uns etwas zu stark getönt, und in den doppelt geknickten Ecken sieht man die Umgebung verzerrt. Ein elektronischer Kompass und ein Echolot sind in einem Kombi-Instrument vereint. Steuerung und Schaltung arbeiten leichtgängig. Keine Kritik gibt es bei
den Schalldruckwerten, bei Vollgas messen wir maximal 83 dB/A.

Motor, Tank, Elektrik

Der Mercury Verado 300 hängt fest verbolzt am Heckspiegel. Ein in der Motorwanne gut abgedichtetes Leerrohr beinhaltet alle Versorgungsleitungen zum Motor. Unter Hecksitzbank und Motorwanne steckt die Technik mit gut gehalterten Batterien, Batteriehauptschalter und Kraftstoffvorfilter (Extra, ohne Alarmsensor). Ein mechanischer Kraftstoffhahn ist in der Tankleitung integriert. Zugänglich sind hier auch der optionale 230-V-Landanschluss sowie der Wassertank an Backbord. Der Kraftstofftank ist unter dem Cockpitboden eingebaut; unter der Motorwanne sind auch Cockpittisch samt Rohr und Einsteckleuchte untergebracht.

Sicherheit

Hier punktet das Testboot mit guten und sicheren Fahreigenschaften. Das Cockpit lenzt außenbords, und im Ernstfall lenzen zwei elektrische Pumpen die Bilge. Das Fehlen der Handlenzpumpe werten wir als mangelhaft. Die Zuladung von Personen, Ausstattung und Gepäck samt Motor beträgt 1065 kg, wobei der Verado mit knapp 300 kg zu Buche schlägt. Die Bewegungssicherheit auf dem Sonnen-Vordeck ist nur ausreichend.

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Die Kabine ist mit einer V-förmigen Sitzbank ausgestattet, die mit Einlegebrett (zugleich Tisch) und Einlegpolster zur Koje für zwei gewandelt werden kann. Stauraum besteht unter den Polsterauflagen, und Licht und Luft gelangen entweder durch zwei Bullaugen oder die Kunststoff-Kabinenschiebetür. Bauartbedingt sind die Stehhöhen im Wohnbereich beschränkt.

Unter dem Fahrstand ist ein separater WC-Duschraum mit Waschbecken und Pump-WC untergebracht (Extra), und gegenüber füllt ein Sideboard mit Schrankeinheit, Ablage und Staufach darüber den Raum. Der Kühlschrank darin kostet extra. Die Cockpit-Heckbank kann mit abgesenktem Tisch plus Einlegbrett zur großen Liege gewandelt werden. Dass der Handfeuerlöscher und die Abdeckplanen für Boot oder Fahrstand Aufpreis kosten, werten wir ab.

Am Heck kann man auf zwei kleinen Badeplattformen stehen. Unter der an Backbord versteckt sich eine Badeleiter, die auch vom Wasser aus erreichbar ist. Wer das Boot mit dem Verado 300 bestellt, bekommt es vom Importeur mit einer umfangreicheren Standardausrüstung, in der zum Beispiel die elektrohydraulische Servosteuerung und das Vesselview-7 – mit dem alle Zustände von Motor und Boot (wenn angeschlossen) überwacht werden können – enthalten sind. Die Navigationsbeleuchtung ist für Deutschland attestiert. Die Scheuerleiste dient mehr der Zierde als dem Schutz.

Fazit

Die Sun Cruiser 730 ist am besten für sonniges Wetter geeignet, bei Regen wird es unkomfortabler, weil Verdeck und Scheibenwischer nicht zum Standard gehören. Aufgrund seiner Bauweise mit beschränktem Komfort unter Deck bleibt das Testboot doch ein Daycruiser. Hinsichtlich der Fahreigenschaften attestieren wir dem Boot sicheres und gutes Verhalten ohne negative Überraschungen.

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