Grand Banks Heritage 54 EU

Unbekannt

 · 07.04.2014

Grand Banks Heritage 54 EUFoto: Grand Banks Yachts

Seit Jahrzehnten verkörpert Grand Banks das Bild der Trawler-Yacht. Auch die 54 EU, Flaggschiff der Heritage-Serie, ist natürlich hochseetauglich.

  Grand Banks Heritage 54 EUFoto: Grand Banks
Grand Banks Heritage 54 EU
Test Grand Banks 54
Foto: Werft

Fragt man Skipper nach dem Inbegriff des Trawlers, kommt in der Regel ganz schnell die Antwort "Grand Banks". Eine Marke, die das Herz jedes Abenteurers höher schlagen lässt. Der Name steht für robuste, solide Boote, mit denen man über die sieben Weltmeere schippert.

So ist es nicht verwunderlich, dass unser Testboot, die Heritage 54 EU, in der CE-Kategorie "A", also Hochsee, eingestuft ist. – Der Werftgründer Robert J. Newton kommt aus Amerika, die Kunststoff-Trawler jedoch aus Singapur. Und das bereits seit 1973. Diese lange Erfahrung spiegelt sich auch in der Verarbeitung unseres Testbooteswider. Bis auf einen nicht entgrateten Ausschnitt einer Stauraumöffnung auf der Fly, macht die gesamte Kunststoffverarbeitung einen soliden, fachmännischen Eindruck. Die Persenning-Abdeckungen für die Flybridge-Möbel sind passgenau gearbeitet und haben reichlich Druckknöpfe für die windsichere Befestigung.

  Test Grand Banks 54Foto: Werft
Test Grand Banks 54

Unter Deck zeigt die zeitlos gestaltete Einrichtung ebenfalls eine saubere und genaue Fertigung. Der Weg in den Salon mit Fahrstand führt entweder über den Heckeingang oder über die Türen zu den beiden Seitendecks auf Höhe des Fahrers. Im Salon findet man im hinteren Bereich eine gemütliche Sofa-Sitzecke und im vorderen "Abteil" Sitzecke mit gegenüberliegender Pantry, die mit vier Induktionskochfeldern, Backofen-Mikrowellen-Kombination, normal großem Spülbecken, Kühlund Gefrierkombination und Dunstabzugshabe passend ausgerüstet ist. An der Essecke mit L-Sitzbank und zwei frei stehenden Stühlen finden fünf Personen ein ordentliches Platzangebot.

In die untere Etage führt eine Treppe mit stabilen Handläufen. Die Bugkabine ist für Gäste vorgesehen und die große Mittelkabine für den Eigner. Letztere hat direkten Zugang zur Nasszelle über eine Doppelschiebetür. Das Bad mit zwei Waschbecken, getrennter Dusche (mit Glastür und Bank) sowie Toilette legte der Konstrukteur großzügig an. Nicht ganz so groß, aber immer noch geräumig, fällt die Gäste-Nasszelle aus, die auch gleichzeitig als Tagestoilette dient. Gegenüber ordnet die Werft eine weitere Kabine mit Etagenbett an. Sucht man Gemeinsamkeiten zu den anderen beiden Kojen, stellt man fest, dass alle keine Unterlüftung besitzen. Staumöglichkeiten bieten die Kabinen wie das gesamte Boot passend.

Für das Open-Air-Leben hat sich die Werft drei Plätze überlegt. Eine Bugsitz-und eine Cockpitecke sowie die riesige "Freilichtbühne" auf der Flybridge. Letztere ist aber nicht nur für gelegentliche Sonnenbäder geeignet, sondern zum Fahren an schönen Tagen allgemein. Von dort oben hat der Skipper einen guten Blick nach vorn und zu den Seiten, zum Heck ist er naturgemäß durch die Flybridgeplattform eingeschränkt. Von einem bequemen Pilotensitz liest er alle Instrumente uneingeschränkt ab und bedient die Schaltung und Steuerung problemlos.

Der Hauptfahrstand befindet sich unter Deck im Salon. Dort nimmt der Fahrer ebenfalls auf einem Pilotensitz Platz, den er elektrisch in alle Richtungen verstellen kann. Zum Bedienen von Schaltern und der Doppel-Einhebelschaltung muss der Skipper sich vorbeugen. Die Instrumentensicht ist erstklassig, beim Rundumblick stören achtern Fly-Aufgang und Pan-tryoberschrank. Wie es sich für ein seegängiges Schiff gehört, hat auch die Grand Banks robuste Zweiarm-Wischer mit Waschanlage. Defrosterdüsen gab es nicht.

Von welchem Fahrstand aus man fahren will, sagt man den Motoren über die "Active-Taste" an den Schaltungen. Schiebt man die Hebel auf "vorwärts" und lässt beide Diesel mit Standgas (700/min) tuckern, schiebt sich die Heritage 54 mit etwa 3,5 kn durchs Wasser. Wer sparsame Marschfahrt sucht, findet diese bei knapp 8 kn (1600/min). Dann kommt man beachtliche 1000 sm weit und hat noch etwa 15 % Reserve zur Verfügung. Muss man schnell ein Ziel erreichen, empfiehlt sich Vollgas mit gut 14,5 kn. Allerdings schlucken die beiden Motoren dann fast 16 l/sm, und eine Tankladung reicht nur noch für 305 sm. – Für die Kursstabilität ist es egal, ob man langsam oder schnell fährt. Die Heritage bleibt gut in der Spur, und der Ruderanlegzeiger lässt stets in Kürze die neue Mitte finden. In der zügigen Gangart lässt sich das Boot mit Trimmklappen in eine optimale Lage bringen. Gebraucht werden die Klappen aber nicht zwingend.

Wie gut die installierte hydraulische Stabilisierungsanlage "Trac 250 Star" arbeitet, können wir aufgrund fehlenden Rauwassers nicht objektiv beurteilen. In schnellen Kurven schwingt der Rumpf mit und ohne Stabilisator locker in die selbst erzeugte Welle und zieht ohne viel Spritzwasser seine Runden. Die Lenkung zeigt sich dabei super leichtgängig. Zum Manövrieren benötigt man die Steuerung nicht, da sich die Grand Banks mit unterschiedlich eingekuppelten Motoren und dem Bug- sowie Heckstrahlruder problemlos in alle Richtungen drehen lässt. Eine sogenannte "Docking Station" zum Anlegen (nur Bedienung von Strahlrudern und Motoren) befindet sich im Cockpit.

In den Motorraum geht’s entweder über eine Klappe im Cockpitboden oder über eine dicke Schotttür vom "Wirtschaftsraum" (von der Eignerkabine zugänglich) mit Waschmaschine/Trockner und Schränken. Der Motorraum ist geräumig und lässt dem Servicetechniker viel Platz zum Arbeiten. Überzeugend sind auch die übersichtlich und fest ausgeführten Installationen von Leitungen und Schläuchen. Dass man bei der Tankanlage auf Nummer sicher geht, zeigen die gepressten Schlauchanschlüsse, doppelt ausgeführte Dieselfilteranlage mit elektrischem Wasseralarm und ferngeschaltete Absperrhähne. Praxistauglich ist das Bordnetz mit sicher verzurrten AGM-Batterien, gut erreichbarem Hauptschalter und Automaten sowie 17,6-kW-Generator.

Ein Air-System mit Klimaanlage und Heizung auf unserem Testboot sorgt in allen Regionen der Erde für angenehme Raumluft und Fernseher sowie Entertainment-Center für Unterhaltung. Weiteres wichtiges Zubehör auf der Test-Heritage sind Navigationspaket, Selbststeueranlage, Zodiac-Schlauchboot, Ankergeschirr, Ankerwinde und zwei elektrische Winschen im Cockpit.

Fazit: Die Heritage 54 EU ist ein grundsolides Boot, mit dem vier Personen gut auf Abenteuertörn gehen können.

Datenblatt: Grand Banks Heritage 54 EU

Werft: Grand Banks

Typbezeichnung: Grand Banks Heritage 54 EU

CE-Kategorie: A - Hochsee

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 16,55 m

Breite: 5,41 m

Verdrängung: 33,00 t

Preis: 2.040.771,00 €

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