Jeanneau Leader 40

Unbekannt

 · 05.03.2015

Jeanneau Leader 40Foto: Morten Strauch

Seit Herbst 2013 hat Jeanneau die Leader 40 auf dem Markt. Es gibt sie mit Hardtop oder offen. Wir haben die Open mit zwei Volvo Penta D6-370 getestet

  Test Jeanneau Leader 40Foto: Morten Strauch
Test Jeanneau Leader 40

Vom Aussehen ist die Leader 40 ein moderner Daycruiser mit klaren Linien und passenden Proportionen. Dem langen Vordeck mit großer Sonnenliege folgt eine fast flach wirkende Windschutzscheibe, deren Seiten am Targabügel enden. An dem ist auch das Verdeck befestigt, das für Schatten im Cockpit sorgt. Während das Heck von einer auslandenden, hydraulisch absenkbaren Badeplattform dominiert wird, wirkt das Cockpit optisch zweigeteilt.

  Test Jeanneau Leader 40Foto: Morten Strauch
Test Jeanneau Leader 40

Der Skipper sitzt an Steuerbord vor einem Fahrstand mit gestaffeltem Armaturenbrett, das mit Bildschirm, Analoginstrumenten und Schaltern übersichtlich bestückt ist. Bedienelemente wie Steuerrad, Schaltung und Joystick sind gut positioniert. Störend finden wir die Reflexion des hellen Untergrundes in der Windschutzscheibe. An der nach Backbord hin offenen und nicht verstellbaren Fahrersitzbank lässt sich ein Teil der Sitzfläche für eine erhöhte Position und bessere Sicht hochklappen. Für den Beifahrer ist die L-förmige Polsterbank gegenüber gedacht. Haltegriffe sind passend montiert.

Test Jeanneau Leader 40
Foto: Morten Strauch

Hinter dem Fahrer ist eine Cockpitpantry mit Spüle integriert, die mit Kühlschrank und Grill aufgerüstet werden kann. Bis zu acht Personen finden um den absenkbaren Tisch herum Platz. Die quer verlaufende Sitzbank achtern ist zugleich Teil der Heckliege, die von einer variablen Rückenlehne geteilt wird. Sie wird mit zwei Handgriffen nach vorn geklappt und in eine Kopfstütze verwandelt. Darunter sind Stauräume vorhanden. Von der Badeplattform und aus dem Cockpit führen Treppen auf die Seitendecks. Ist das Verdeck aufgebaut, wünscht man sich dort Halt, den nur die weit erntfernte Reling bietet.

Im Wohnbereich unter Deck hat die Werft fast keine Ecke ungenutzt gelassen. Im Vorschiff sorgt eine Doppelkoje im Queensize-Format für Schlafkomfort. Unter Fahrstand und Cockpit befinden sich zwei Einzelkojen sowie eine zur Liege wandelbare Sitzbank. Zwischen den Kabinen ist an Backbord eine Dinette eingebaut, deren Tisch man absenken und alles zur Notkoje umwandeln kann. Gegenüber lässt die Pantry fast keine Wünsche offen. Unter den Kojen und in den zahlreichen Schränken ist genug Stauraum vorhanden.

Die Nasszelle findet man zwischen Pantry und Bugkabine, betreten kann man sie vom Salon und von der Vorderkabine. Eine große Cockpitbodenluke bildet den Zugang zum Motorraum. Vom Fahrstand können die Kraftstoffhähne betätigt werden, die Batterien dagegen von Schaltpaneelen im Salon. Elektrische und manuelle Lenzpumpen sorgen für trockene Bilgen. An den beiden Kaftsstoffvorfiltern bemängeln wir die fehlenden Alarmsensoren oder zumindest die Möglichkeit, Wasser durch das Filtergehäuse sehen zu können. Auch die Möglichkeit über einen Ablasshahn Wasser abfließen zu lassen, ist nicht gegeben.

Die beiden Duoprop-Z-Antriebe werden elektrisch gesteuert, was den Einsatz eines Joysticks (Extra) ermöglicht. Mit ihm gelingt nahezu jedes Manöver in langsamer Fahrt. Ist dann noch ein optionales Bugstrahlruder eingebaut, lassen sich beim Rückwärtsfahren auch Seitenwind oder Querströmungen noch feinfühliger ausgleichen. Allerdings hat die elektrische Steuerung nicht nur Vorteile: Die Einschlagwinkel der Antriebe werden von Drehzahl und Geschwindigkeit bestimmt.

Wer in Gleitfahrt enge Kurven fahren will, muss langsamer werden. Ist man schneller unterwegs, gibt es eine kurze Verzögerung von der Betätigung des Ruders bis zur Reaktion der Antriebe. Wer dann ein Manöver des letzten Augenblicks fährt, darf nicht ungeduldig werden und gleich hektisch gegensteuern. Immerhin legt das Boot in dieser kurzen Zeit bei Marschfahrt knapp 10 und bei Vollgas 20 Meter zurück!

Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt geschieht auf der Leader 40 ohne allzu große Vertrimmung und Sichtbehinderung. Im ungünstigsten Fall bilden Vordeck mit Sonnenpolster und Horizont eine Linie. Das Testboot beginnt ab 11,5 kn (1800 U/min) zu gleiten und senkt ab 2200 U/min wieder den Bug, um als Vollgleiter weiterzufahren. Das GPS zeigt eine Höchstgeschwindigkeit von 38 kn an.

Wer mit der Leader 40 ökonomisch gleiten will, kann zwischen Drehzahlen von 2600–3400 U/min und einem Tempo von 25–35 kn wählen. Dann messen die theoretischen Aktionsradien zwischen 180 und 195 sm plus 15 % Reserve. Das ist zu wenig. Wir wünschen uns in der Klasse mindestens 270 sm Reichweite plus Reserve. Wer weiter kommen will, muss als Verdränger fahren, dann reichen die Tanks für etwa 350 sm nonstop plus Reserve.

Das Thema Extremmanöver in voller Fahrt gestaltet sich kurz, da die Kurvenradien von Geschwindigkeit und Drehzahl abhängen und das Boot stets gutmütig reagiert. In voller Fahrt durchmessen die Kurvenradien etwa fünf Bootslängen und auf der Slalomstrecke bringt man die Leader ein wenig, aber ungefährlich, über die Längsachse zum Pendeln. Ein Verreißen des Ruders endet in ausgedehnten Kurven.

Stichwort Rauhwasser: Die etwa einen halben Meter hohen Wellen auf dem Mittelmeer hat unser Boot in alle Richtungen trocken, sicher und komfortabel überfahren. Jeanneau rüstet ihre Leader 40 fahrfertig aus und bietet noch das eine oder andere Extra an, um den Komfort weiter zu erhöhen.

Fazit
Mit der Leader 40 hat Jeanneau ein tolles Sportboot auf Kiel gelegt, das sich als Familienkreuzer auch für längere Urlaubstörns eignet. Kritik bekommen die fehlenden Alarmsensoren an Kraftstoffvorfiltern. Vorbildlich dagegen: die Lenz- und Feuerlöschanlage. Was die Fahreigenschaften angeht, kann man die Leader 40 jedem unbedenklich in die Hand geben.

Datenblatt: Jeanneau Leader 40

Werft: Jeanneau

Typbezeichnung: Jeanneau Leader 40

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 12,33 m

Breite: 3,80 m

Verdrängung: 7,53 t

Preis: 264.537,00 €

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