Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau

MotorbooteJeanneau Prestige 450 Fly

Unbekannt

 11/30/2013, Lesezeit: 5 Minuten

Der fein gestaltete Rumpf der neuen Jeanneau Prestige 45 Fly macht das Cruisen zum Genuss – und unter Deck überzeugt die elegante Raumaufteilung.

  Test Prestige 450 FlyFoto: Werft
Test Prestige 450 Fly

Bei der großen europäischen Werft Jeanneau laufen gleichermaßen Segel- und Motorboote vom Band. Die Modellpalette umfasst 27 Motorboote von 5,00 bis 14,00 m Länge. Dazu kommen luxuriösere Motoryachten von 12,00 bis 23,00 m Länge, die als eigenständige Marke unter dem Namen "Prestige" gehandelt werden. Eine davon ist unsere Testkandidatin, die 450 Fly.

Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 FlyFoto: Werft
Test Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 FlyFoto: Werft
Test Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 FlyFoto: Werft
Test Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 FlyFoto: Werft
Test Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 FlyFoto: Jeanneau
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
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Test Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Test Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly
Die neue Jeanneau Prestige 450 Fly

Prestige bietet das Boot trotz der Größe mit nur zwei Kabinen unter Deck an – ein Fazit der Erfahrung: Das Vorgängermodell wurde 220-mal mit zwei und nur 10-mal mit drei Kabinen nachgefragt. Das Zweikabinen-Konzept kommt natürlich dem Raumkom-fort unter Deck zugute, den man fast schon als "üppig" bezeichnen kann. Auch der Stauraum ist nicht gerade knapp. Es gibt eine Kabine im Vorschiff mit Zugang zum Tagesbad mit Dusche und WC sowie die Eignerkabine achtern unter dem Salon, die selbstredend über ein eigenes Bad mit WC verfügt.

Das Besondere an der 450 Fly ist der Eingang zur Eignerkabine, der sich achtern am Saloneingang an Backbord befindet – bei anderen Bootsbauern führt der Zugang zur Eignerkabine meist über das Vorschiff. Während die Gäste vorn auf einer zur V-Koje ausklappbaren Doppelkoje schlafen, logiert der Eigner auf einem Doppelbett im Queensize-Format. Werden weitere Schlafplätze benötigt, lässt sich ein Stockwerk höher der Tisch in der U-förmigen Dinette im Salon auf Knopfdruck absenken und mithilfe eines Einlegepolsters zur Doppelkoje wandeln.

Küche oder Bar, beides erfüllt die Pantry steuerbords am Saloneingang, wo sie bei offener Glasschiebetür den kulinarischen Mittelpunkt zwischen drinnen und draußen bildet. Eine fast unscheinbare, aber sicher zu begehende Treppe führt auf die Flybridge mit Fahrstand, L-Sitzbank nebst Tisch und Liegefläche vorn.

Wem es oben nicht gefällt, der begibt sich zur Sonnenliege auf dem Vordeck. Hier nimmt man besser den Weg übers Steuerbord-Seitendeck, da es 4 cm breiter als an Backbord ist. Das Vordeck hat man im Bug breiter gestaltet, was Platzverhältnissen und Sicherheit zugutekommt.

Die Prestige 450 Fly vereint alles, was man auch auf größeren Booten findet: IPS-Antriebe, hydraulisch absenkbare Badeplattform, Klimaanlage, Generator und anderes. Steht man auf dem Hauptdeck im Salon, hat man das Gefühl, sich auf einem größeren Boot zu befinden.

Durch eine Cockpitbodenklappe geht es in den Motor-Aggregaten-Tankraum, wo eine umfangreiche und sauber installierte Elektrik und Technik dem Kundigen keine Rätsel aufgibt. Platz für Service oder die tägliche Kontrolle ist akzeptabel vorhanden, ebenso eine Feuerlöschanlage und Kraftstoffvorfilter mit Wasserabscheidern, allerdings ohne Wasseralarmsensoren.

Den Dieselfluss von Motoren und Generator stoppen mechanische Kraftstoffhähne, deren Betätigungen in einem Schrank unten am Niedergang zur Eignerkabine versteckt sind. Zugleich hat die Werft auch hier die 230-V-Sicherungen und Hauptsicherungen der 12-V-Stromkreise, die mittels Relais oben am Niedergang geschaltet werden, platziert.

Weil die Flybridge weit nach achtern reicht, wurde alles "Gewichtige" im Motorraum nach Möglichkeit vorn untergebracht. Aus diesem Grund fügt die Werft zwischen Motoren und IPS-Antrieben eine kurze Antriebswelle ein, um den Schwerpunkt der Maschinen nach vorn zu bringen. Aus gleichem Grund befinden sich auch Generator und Dieseltanks vor den Motoren. Aus Trimmgründen versteckte man desgleichen den Wassertank unter dem Bett in der Eignerkabine.

All das merkt man beim Fahren, wenn das Boot beim Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt mit geringer Vertrimmung reagiert und der Skipper am Salonfahrstand sich nur leicht bücken muss, um nach achtern freies Blickfeld auf den Horizont zu haben. Vorbildlich!

Entweder mit dem Joystick oder allein mit den beiden Antrieben und dem Bugstrahlruder manövriert man das Boot in langsamer Fahrt. Solche Passagen fahren wir mit maximal 6 kn (1000/min), damit die vom Boot erzeugten Wellen nicht stören. Ab 2200/min (12 kn) beginnt das Testboot mit geringer Vertrimmung in Gleitfahrt überzugehen, was die Voraussicht begünstigt. Bei Vollgas dürfen die Motoren zwischen 3400 bis 3500/min drehen; wir messen maximal 3440/min, was angesichts der geringen Beladung für einen etwas zu steilen Propellersatz spricht. Dafür vermerken wir mit 32,6 kn fast die Höchstgeschwindigkeit, von der auch die Werft spricht (33 kn).

Nach Auswertung unserer Daten errechnet sich in langsamer Fahrt ein theoretischer Aktionsradius von 756 sm plus 15 % Reserve. In Gleitfahrt ist man mit dem Testboot wirtschaftlich unterwegs, wenn die Motoren 3000/min drehen und das GPS 26 kn anzeigt. Dann reicht eine Tankfüllung für eine Nonstop-Strecke von rund 217 sm, bei Vollgas für etwa 203 sm, bis die Reserve angegriffen wird. Damit erfüllt die Prestige 450 Fly unsere Mindestforderung von 270 sm Aktionsradius plus Reserve nur in langsamer Fahrt.

Den Schalldruck messen wir in voller Fahrt im geschlossenen Salon mit 75 dB/A, im Cockpit 84 dB/A. Das ist gut.
Gut fallen auch alle Extremmanöver bei Vollgas aus: maximal 0,7 g Fliehkräfte am Fahrstand der Fly und nicht mehr als 0,4 g am Salonfahrtstand. Das ist auf die IPS-Antriebe zurückzuführen, da die Kurvenradien von Drehzahlen und Geschwindigkeit bestimmt werden.

In voller Fahrt beträgt der Kurvendurchmesser etwa 300 m; wer engere Kurven drehen möchte, muss Fahrt wegnehmen. Von der Betätigung des Ruders bis zur Reaktion der Antriebe vergeht eine knappe Sekunde, was in voller Fahrt etwa eine Bootslänge Wegstrecke bedeutet. Rauwasser: Das Boot hat am Testtag mit moderatem Seegang auf dem Mittelmeer keine Mühe.

Beide Fahrstände geben hinsichtlich Voraussicht, Bedienung und Sicht auf die Instrumente keinen Anlass zur Kritik. Das Gestühl besteht aus nicht verstellbaren Sitzbänken und muss zur Bootsmitte hin ohne Seitenhalt auskommen.

Fazit: Die 450 Fly ist ein großzügig dimensioniertes Boot, das einer 4-Personen-Crew einen angenehmen Urlaubs-törn erlaubt; dabei sorgt die sinnvolle Anordnung der Kabinen dafür, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt. Beim Kurztrip mit mehr als vier Personen passt der Platz ebenso. Hinsichtlich der Verarbeitung zeigt unser Testboot keine Fehler – sieht man von wenigen unbehandelten Schnittkanten ab.

Datenblatt: Jeanneau Prestige 450 Fly

Werft: Jeanneau

Typbezeichnung: Jeanneau Prestige 450 Fly

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Länge: 13,96 m

Breite: 4,30 m

Verdrängung: 11,00 t

Preis: 508.487,00 €