Technik und DesignTypenkunde

Erich Bogadtke

 · 05.08.2022

Technik und Design: TypenkundeFoto: Werft

Der, die, das: Family Cruiser, Center Console oder Autoboot? Welcher Bootstyp ist das nochmal? Wir zeigen und erklären, was hinter diesen und anderen Bezeichnungen steckt

Die einen nennen es Terminus technicus, die anderen „Fachchinesisch“. Gemeint sind Fachausdrücke oder Fachbegriffe, mit denen Otto Normalverbraucher nur wenig oder gar nichts anfangen kann. Und das sorgt nicht nur bei der Suche nach dem richtigen Bootstyp häufig zu Frustreaktionen.

Die Unterscheidung zwischen Gleiter und Verdränger gehört in jedem Fall zum Grundwissen. Machen wir es kurz: Bei einem Gleiter wird ausgehend von der Rumpfform und der Motorleistung das gesamte Bootsgewicht vom dynamischen Auftrieb getragen. Das heißt, das Boot wird komplett angehoben und gleitet auf dem Wasser. Verdränger sind Boote die sich in jeder Fahrsituation und Schwimmlage mit dem kompletten Unterwasserschiff im Wasser befinden und es verdrängen. Darüber, was ein Halbgleiter ist, streiten mitunter selbst die Gelehrten. Ein Erklärungsversuch: Ausgestattet mit der passenden Rumpfform und reichlich Pferdestärken, sind Halbgleiter häufig in der Lage, ihre eigene Bugwelle zu überholen, womit man schneller werden und Sprit sparen will.

Autoboot

Hauptmerkmale der 6 bis 8 m langen Boote aus den Sechzigern waren die offene Plicht (Cockpit) und der unter dem langen Vordeck eingebaute Motor, der seinerzeit fast immer aus dem Auto stammte.

Bowrider

Nach dem Motto „Doppelt fährt besser“ besitzen Bowrider ein zweites Cockpit im Bug, das in der Regel mit Sitz- und/oder Liegeflächen ausgestattet wird.

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Center Console

Namensgeber dieses Bootstyps ist der auf einem meistens offenen – in größeren Versionen auch mit einer Kabine ausgestatteten – Boot im Zentrum angeordnete Steuerstand.

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Convertible

In der Autowelt ein Cabrio, ist eine Convertible bei den Bootsleuten ein mit Flybridge, Tuna Tower (Aussichtsturm mit Fahrstand) und starken Motoren ausgerüstetes Boot für Hochseesportfischer.

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Cuddy Cabin

Cuddy ist ein kleiner Raum oder Schrank, der hier als Typenbezeichnung für ein mit Innen- oder Außenborder motorisiertes Boot mit einer Schlupfkabine und zwei Kojen unter dem Vordeck steht.

Foto: DIETER WANKE/terrapicture

Daycruiser

Nomen est omen bei diesem Bootstyp. Daycruiser sind sportliche Boote, deren Konzept und Ausstattung (Sonnenliege, Badeplattform, Wasserskiöse und -staukasten) für Tagesausflüge ausgelegt ist.

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Explorer

Auch wenn es sie heute in fast allen Größen und Kategorien gibt, Explorer sind für Profis immer noch Yachten, die häufig nach Eignerwünschen speziell für “Entdeckungsfahrten” in entlegene Fahrtgebiete gebaut werden.

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Express Cruiser

Flybridge? Nein danke. Express Cruiser sind schnelle, das heißt mit leistungsstarken Motoren ausgestattete Kajütboote, auf denen Komfort wie Küche und „getrennte Betten“ zum Standard gehören.

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Family Cruiser

Egal ob Gleiter oder Verdränger, Family Cruiser bieten Raum und Komfort für die ganze Familie und überzeugen eher mit Funktionalität als mit modischem Design.

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Flybridgeyacht

Hinter diesem Bootstyp verbirgt sich eine Yacht mit einem auf die Aufbauten aufgesetzten Steuerstand. Abhängig von der Größe, gehören Sitzgruppe, Sonnenliegen und Wetbar zur Komfortausstattung der „fliegenden Brücken“.

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Katamaran

Ein Boot mit zwei Rümpfen, die fest miteinander verbunden sind. Ihre große Breite ist hierzulande Vor- (Raumangebot) und Nachteil (Hafenliegeplätze sind rar) zugleich.

 | Copyright: Tui Marine
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Ausgestattet mit externem Steuerstand, vielen Sitzplätzen, Panoramadach, echtem Leder, Minibar und WLAN, sind Limousinen die idealen Taxi-Boote und perfekten Tender für Megayachten.

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Lobsterboat

Die komfortable, zum Teil luxuriöse Yachtversion der für ihre eleganten Linien und exzellenten Fahreigenschaften hochgelobten Arbeitsboote der Hummerfischer an Nordamerikas Ostküste.

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Megayacht

Eine besonders große, über 60 Meter lange Superyacht mit luxuriöser (Helikopter, U-Boot, Marmor, Samt und Seide, ausgesuchte Kunstwerke) Ausstattung.

Offshorer

Für die einen ein reinrassiges Rennboot, das in Langstreckenrennen eingesetzt wird, für die anderen ein Boot, mit dem man nicht nur dem Namen nach sicher und komfortabel „vor der Küste liegende“ Ziele ansteuern kann.

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Open

Eine „echte“ Open braucht und hat (fast) immer ein dynamisches Design und ebensolche Fahreigenschaften, ein großes, offenes Cockpit mit Sonnenliegen und Beibootgarage, einen Salon mit elektrischem Schiebedach und eine noble Ausstattung.

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Passagemaker

Seegehende Motoryachten, die auch auf offener See jede Wettersituation meistern und Reichweiten und Ausrüstung haben, um Ozeane mühelos zu überqueren.

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Performance Yacht

Markenzeichen bei diesem Bootstyp sind dynamische Formen und Linien, ein luxuriöses Interieur, innovative, leistungsstarke Antriebssysteme (häufig mit deutlich mehr als 2000 PS), betont sportliche Fahreigenschaften und Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 40-kn-Marke.

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Pilothouse

In der Mehrzahl mit Außenbordern motorisierte Boote der 5- bis 8- Meter-Klasse, die ein geschlossenes Ruderhaus und ein offenes Cockpit besitzen und deshalb besonders bei Sportfischern seit Jahren zu den Bestsellern gehören.

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Pontonboot

Ein Boot mit mindestens zwei Schwimmkörpern (Katamaran), das im Freizeitbereich mit einem Außenborder motorisiert und mit Sitzgruppen und Sonnenliegen, Bimini Top, Kühlbox und Sound-System ausgestattet, häufig als Party-Boot, „Badeinsel“ oder Angelkahn genutzt wird.

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Powerboat

Hochmotorisiertes, für den Offshore-Rennsport konstruiertes und gebautes Boot, in dem Driver (Fahrer) und Throttleman (der Mann an den Gashebeln) sitzen.

RIB

Das Kürzel RIB steht für Rigid Inflatable Boat. Auf Deutsch: „festes aufblasbares Boot“. Oder, anders gesagt: ein Schlauchboot mit Feststoffrumpf. Anfangs als „good for nothing“ abgestempelt, sind RIBs heute angesagte Multitalente.

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Runabout

In der Autowelt als Motor- oder Auto-Buggy geboren, feierte der mit geschlossenem Vordeck, Sitzbänken und Sonnenliege ausgestattete „kleine Flitzer“ in den Fünfziger- und Sechzigerjahren als offenes Sportboot seine größten Erfolge.

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Schlauchboot

Namensgeber bei diesem Bootstyp ist natürlich der dicke Tragschlauch, der im Betrieb mit Luft aufgefüllt (aufgeblasen) wird. Sitz- und Steuerkonsolen sowie verschiedene Bodenkonstruktionen und Motorisierungen machen das Schlauchboot zum Multitalent.

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Sloep

Ursprünglich als Arbeits-, Rettungs- und Beiboot in klassischen Formen gebaut, wurden Sloepen mit ihren mittschiffs installierten Motoren auch wegen ihrer niedrigen Durchfahrtshöhen speziell in den Niederlanden zum Verkaufsschlager. Moderne Sloepen sind heute mit ihren innovativen Antrieben (Elektro) und exzellent verarbeiteten Einbauten aus edlen Hölzern echte Schmuckstücke.

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Spitzgatter

Motorboote, deren Rumpfformen am Heck spitz zusammenlaufen und deren Ruderblatt am Heck angehängt wird. Heute werden die rauwassertauglichen Spitzgatter als „Snekken“ in der Mehrzahl in Skandinavien gebaut.

Stahlverdränger

In der Vergangenheit waren gerade Linien, wirtschaftliche Motoren und ein großes Raumangebot mit Achterkajüte und Poopdeck charakteristisch. Heutzutage ermöglichen moderne Fertigungsmethoden formschönere Neubauten auch in Sedan- und Lounge-Version mit großem Heckcockpit

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Sportfisherman

siehe Convertible

Tender

Englisch für ein mit Riemen oder Außenborder bewegtes Beiboot, das im Schlepp, in Davits oder in „Tendergaragen“ mitgeführt wird.

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Trawleryacht

Die Bezeichnung Trawler steht in der Bootswelt für solide Konstruktion, klassische Formen, Seetüchtigkeit, große Reichweiten, Komfort, Funktionalität und konventionelle Antriebe mit Dieselmotoren und Wellenanlage.

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Tuckerboot

Im Original aus Massivholz in robuster Klinkerbauweise gebautes, kleines, offenes Boot mit einem mittschiffs installierten Einbaudiesel, dessen Arbeitsgeräusch von Liebhabern mit „Tuckern“ beschrieben wird.

Walkaround

Der zentral platzierte Steuerstand, flache Decksaufbauten und das breite Gangbord ermöglichen auf diesem Bootstyp einen „barrierefreien“ Rundgang an Bord.

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Weekender

Ein Boot, meist ein Gleiter, das mit allem ausgerüstet ist, was man für einen Wochenendtörn braucht. Also gehören Toilette, Kojen, Kocher, Kühlschrank und Kabrio zur Standardausrüstung.

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