TestAxopar 25 Cross Bow

Johannes Erdmann

 · 14.01.2022

Test: Axopar 25 Cross BowFoto: Aaron Schreiber

Meister in allen Klassen: Das neue Modell der finnischen Werft beeindruckt durch Fahreigenschaften und Komfort. Ein rundum gelungenes Boot.

„Eigentlich hatten wir den Plan, eine neue Axopar 24 zu entwickeln“, erklärt uns Jan-Erik Viitala, Mitbegründer und nun Creative/Innovation Director der aufstrebenden Marke Axopar. Wenn Journalisten seine Boote testen, dann nimmt er sich gern die Zeit für einen Videoanruf, um ein paar Fragen zu beantworten. Dabei hatten wir nach dem Test der Axopar 25 auf der Mosel kaum Fragen. Wir waren nachhaltig beeindruckt, dass ein Prototyp derart ausgereift sein kann.

„Stattdessen entschieden wir uns dann jedoch, die beliebte Bootsgröße aufzusplitten“, erklärt er weiter, „statt einer neuen Axopar 24 eine Axopar 22 und 25 zu entwickeln.“ Die Axopar 22 wurde bereits im letzten Jahr vorgestellt und erfuhr viel Zuspruch und Begeisterung, weil sie mit einem Einstiegspreis von knapp 60 000 Euro samt 115-PS-Motor genau ins Schwarze traf. Die Axopar 25 ist nun eine Weiterentwicklung – oder genauer – eine Verlängerung der 22 und spricht mit ihrer Schlupfkajüte, dem überaus großen Cockpit und gutem Rauwasserverhalten nicht nur den durchschnittlichen Skandinavier an, der am Wochenende seine Schäre erreichen möchte, sondern als multifunktionales Boot potenzielle Käufer in der ganzen Welt. Die Axopar 25 ist nicht nur ein Boot, das alle Grundanforderungen erfüllt, sondern in allen Ansprüchen überzeugt: Optik, Platz, Wohnraum, Komfort. Und natürlich – typisch Axopar – vor allem in den Fahreigenschaften. Damit die Axopar 25 ihre Kunden in der ganzen Welt auch erreichen kann, passt der Rumpf als besonderer Clou bei einer Länge von 8 Metern und einer Breite von nur 2,23 Metern auch noch problemlos in einen Container.

Verlagssonderveröffentlichung
Die neue Axopar 25Foto: Marc Bergmann
Die neue Axopar 25

Das Boot

  • Werft: Axopar/Finnland
  • Typ: 25 Cross Bow
  • CE-Kategorie: C, 8 Personen
  • Rumpf und Deck: Kunststoff
  • Länge über alles: 8,00 m
  • Breite: 2,23 m
  • Verdrängung (ohne Motor): ca. 1950 kg
  • Tiefgang: ca. 0,8 m
  • Durchfahrtshöhe: 1,65 m
  • Kraftstofftank: 230 l
  • Wassertank: 32 l
  • Fäkalientank: 25 l
  • Kojen: 2
  • Kojenabmessung: 1,90 x 1,50 m,
  • Stehhöhe/Sitzhöhe: 1,34/0,90 m
  • Cockpitgröße: 2,90 m x 1,78 m
  • Sonnenliege Vordeck: 1,33 m x 1,15 m
  • Freibord: ca. 0,75 m
  • Seitenhöhe Cockpit innen: 0,64 m
  • Testbeladung: 1 Person, 80 % Tank,
  • Testgewicht: 2400 kg
  • mögliche Motorisierung: 1 x Außenborder bis 300 PS
  • Testmotorisierung: 1 x Mercury Verado 250 XL 186 kW (250 PS)
  • Preis: k. A. (noch nicht bekannt)
  • Vertrieb (Testboot): Boote Polch GmbH & Co. KG, Zum Hafen 18, 56841 Traben-Trarbach, www.bootepolch.de

Der im Vergleich zur alten Axopar 24 (2,55 Meter) überaus schmal wirkende Rumpf lässt zwar mit immerhin 32 Zentimeter weniger Breite auf eine eher kippelige Schwimmlage schließen – doch auf dem Wasser bestätigt sich das überhaupt nicht, weder vor Anker noch in Fahrt. Im Gegenteil, sie besitzt ein wirklich beeindruckendes Fahrverhalten. Beim Test auf der Mosel herrschen zwar mal wieder Laborbedingungen, doch vom Rauwasserverhalten konnten wir uns bereits einige Wochen zuvor an einem windigen Tag auf dem Mittelmeer vor Cannes überzeugen.

Lang und schmal: Der Rumpf der Axopar 25 besitzt ein auffälliges Längen-Breiten-Verhältnis, was die Fahreigenschaften und den Komfort aber keinesfalls mindertFoto: Aaron Schreiber
Lang und schmal: Der Rumpf der Axopar 25 besitzt ein auffälliges Längen-Breiten-Verhältnis, was die Fahreigenschaften und den Komfort aber keinesfalls mindert

Nicht ohne Grund gibt es immer mehr Boote auf dem Markt, die ähnlich aussehen wie die der Axopar-Flotte. Doch das Design ist nicht nur optisch ansprechend: Der Rumpf funktioniert einfach. Gute Fahreigenschaften waren für die Werft vom ersten Modell an maßgebend für die Entwicklung der Axopar-DNA, die sich bis zur 25 durchgesetzt hat.

Die langen Sitzbänke, die im hinteren Teil des Cockpits in U-Form angeordnet sind, laden ein zum Ausstrecken und enthalten viel Stauraum, beispielsweise für Fender. Allerdings wäre hier eine Verschlussmöglichkeit wünschenswert, damit kleine Gegenstände auch bei schnellen Manövern darin bleiben. Zwischen den Bänken lässt sich kurzerhand ein kleiner Cockpittisch montieren. Alternativ ist das Boot mit einem großen Staukasten samt Liegefläche und umsteckbarer Rückenlehne erhältlich.

Breite Scheibe: Bei kaltem Wetter oder rauer See ist die Crew hinter der höhenverstellbaren Scheibe ausgesprochen gut geschütztFoto: Julian Fietze
Breite Scheibe: Bei kaltem Wetter oder rauer See ist die Crew hinter der höhenverstellbaren Scheibe ausgesprochen gut geschützt

Der Weg aufs Vorschiff führt über einen 27 cm breiten Durchgang und ist dank der umlaufenden Haltegriffe auch bei Seegang sehr sicher. Die Liegefläche vorn ist mit 1,33 Metern ein wenig kurz bemessen, doch irgendwo kommt ein 25-Fuß-Boot eben an seine Grenzen. Der Steuerstand ist übersichtlich gestaltet und aufgeräumt. Neben einem 12-Zoll-Plotter von Simrad, einem Schalter für Bugstrahlruder und Trimmklappen sowie einigen Tastschaltern verfügt er über ein gut positioniertes Steuerrad und eine elektronische Schaltung. Durch den asymmetrisch angeordneten Durchgang an Backbord ist der ganze Aufbau samt Windschutzscheibe nach Steuerbord gezogen, und der Fahrer sitzt auf dem Backbordsitz nur leicht aus der Mittschiffslinie versetzt. Hinter der großen und in der Steigung verstellbaren Windschutzscheibe sind Fahrer und Beifahrer gut geschützt vor Wind und Gischt, was uns vor allem an unserem Testtag mit zwei Grad Lufttemperatur sehr erfreut.

Der Weg unter Deck führt durch eine schwarze, aber durchsichtige Schiebetür an Steuerbord. Die kleine Schlupfkajüte bietet überraschend viel Platz und wirkt dank der Fenster, der durchsichtigen Tür und der glatten GFK-Oberflächen sehr hell und luftig, obwohl die Steh- und Sitzhöhe nur 1,34/0,90 Meter beträgt. Die Polster sind mit einer Stärke von 6 cm eher nur fürs gelegentliche Übernachten ausgelegt. Um an einem langen Tag auf dem Wasser mal eben die Kinder fürs Nickerchen ins Vorschiff zu schicken – dafür ist die Liegefläche von 1,90 Meter Länge und 1,50 Meter Breite aber optimal. Auch für gute Belüftung ist durch ein 51 x 51 cm großes Luk über der Liegefläche gesorgt.

Unter Deck: Der Innenraum der Axopar 25 ist dank vieler Fenster und einer durch- sichtigen Tür hell und einladend, verfügt jedoch über recht wenig StauraumFoto: Julian Fietze
Unter Deck: Der Innenraum der Axopar 25 ist dank vieler Fenster und einer durch- sichtigen Tür hell und einladend, verfügt jedoch über recht wenig Stauraum

An Backbord befindet sich ein kleiner Hocker, der an einen Notsitz im Bus erinnert, aber ein vollwertiges Elektro-WC enthält. Auch ein Waschbecken ist vorhanden, und so steht langen Tagen auf dem Wasser oder Wochenendtouren nichts im Wege. Höchstens der knapp bemessene Stauraum unter Deck, denn bis auf die Schwalbennester und ein schwer erreichbares Fach unter dem Fußende ist kein Staufach vorhanden. Der meiste Platz unter dem Bett wird von Fäkalientank und Bugstrahlruder eingenommen. Doch Axopar hat eine Lösung parat, in Form einer Tasche, die neben dem Niedergang angegurtet und nach der Fahrt mit nach Hause genommen werden kann.

Zeit für eine Probefahrt. Die Axopar 25 ist schon im Hafen sehr wendig und gut zu manövrieren. Das beruhigt angesichts der Tatsache, dass das Boot über keine Scheuerleiste verfügt. Doch selbst bei langsamer Fahrt ist das Boot sehr spurtreu, bei schneller Verdrängerfahrt mit 1400 U/min fährt sie 6 Knoten schnell und geht bei 3000–3200 U/min ohne jegliche Sichtbeeinträchtigung in Gleitfahrt über. Optimal fährt das Boot bei etwa 3500 U/min, was zugleich die wirtschaftlichste Geschwindigkeit darstellt. Bei etwa 27 Knoten Fahrt kommt die Axopar 25 bei einem Verbrauch von nur 1,17 Liter pro Seemeile mit ihrem 230-Liter-Tank bis zu 168 Seemeilen weit (plus 15 Prozent Reserve). Als Topspeed stehen am Ende des Tages 47,5 Knoten (88 km/h)auf der Logge, trotz kalten Wetters. Auch bei schnellen Manövern, engen Kurven und schnellem Verreißen reagiert das Boot wunderbar griffig und rutscht auch im schnellen Slalom hinten nicht weg. Es folgt derart akkurat auch sehr ruckartigen Radbewegungen, dass sich die Mitfahrer gut festhalten müssen. Der Fahrspaß setzt ein, sobald der Gashebel nach vorn geschoben wird. Ein wenig Trimm, und schon liegt die Axopar 25 sehr leicht auf dem Steuer.

Fazit

Man könnte sie „trendig“ nennen. Doch die Geschichte beweist: Axopars Bootsdesign folgt keinem Trend – es gibt ihn vor. Die neue Axopar 25 ist ein Boot, das genau in die Zeit passt: modern, schlicht und geradlinig. Design nach der Manier „form follows function“, doch zugleich elegant, geräumig, ansprechend und wohnlich. Trailerbar, damit revierunabhängig und ungebunden. Unkompliziert und familienfreundlich. Ein Boot, das sowohl Einsteiger als auch Profis und Familien gleichermaßen begeistern dürfte.

Noch mehr Informationen? Den Test der Axopar 25 Cross Bow finden Sie mit weiteren Bildern, Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 02/2022 – seit dem 12.01.2022 am Kiosk oder online im Delius Klasing-ShopDelius Klasing-Shop.

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