MotorbooteTest: Beneteau Antares 8 OB

Johannes Erdmann

 · 1/21/2022

Test: Beneteau Antares 8 OBFoto: Johannes Erdmann

Nicht nur zum Angeln: Die Neuauflage der Beneteau Antares überzeugt mit mehr Komfort und Flexibilität im Wohnraum

Für viele ist Angeln nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft, der sie am liebsten in jeder freien Minute frönen würden. Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Die besten Angelreviere liegen selten direkt vor dem Hafen, sondern meist ein ganzes Stück vor der Küste. Damit die persönlichen Lieblingsgründe schneller erreicht werden und man sich dabei selbst bei unwirtlicher Witterung sicher und warm fühlt, hat sich vor mehr als 40 Jahren die Klasse der Pilothouse-Boote ausgeformt, mit dem Urmodell der Antares 7.50, die im Jahr 1977 vorgestellt wurde.

Mit stabilem und seetüchtigem Halbgleiterrumpf sind die Boote der Antares-Baureihe schnell unterwegs, liegen auch bei rauem Wetter gut in der See und bieten viel Stau- und Wohnraum. Doch das Boot kam längst nicht nur bei Anglern gut an: Heute ist die Antares, die bestverkaufte Baureihe bei Beneteau, genauso beliebt bei Familien. Denn der geschützte Salon mit Rundumblick und die Schlafmöglichkeit samt WC-Raum prädestinieren das Boot für ausgedehnte Wochenendtrips.


Das Boot

  • Werft: Beneteau/F
  • Typ: Antares 8 OB
  • CE-Kategorie: C/9 Personen
  • Rumpf und Deck: Kunststoff
  • Länge über alles: 8,06 m
  • Breite: 2,80 m
  • Verdrängung (ohne Motor): 2125 kg
  • Tiefgang: 0,60–0,80 m
  • Durchfahrtshöhe: 2,33 m
  • Kraftstofftank: 340 l
  • Wassertank: 100 l
  • Fäkalientank: 64 l
  • Grauwassertank: 45 l
  • Kojen: 3–4
  • Kojenabmessung: Bug 2,34 m x 1,28 m; Salon 1,70 m x 1,07 m
  • Stehhöhe/Sitzhöhe: Bug 1,08 m Sitzhöhe, Salon 1,95 m, Nasszelle 1,50 m,
  • Cockpitgröße: 1,89 m x 2,35 m,
  • Seitenhöhe Cockpit innen: 0,70 m,
  • Sonnenliege: Vordeck 1,47 m x 1,74 m, Achtern 1,89 m x 1,83 m
  • Freibord: etwa 0,70 m
  • Seitenhöhe Cockpit innen: 0,80 m
  • Testgewicht: etwa 3000 kg
  • max. Motorisierung: 184 kW (250 PS)
  • Testmotorisierung: Suzuki DF250AP 184 kW (250 PS)
  • Preis (Standardboot mit Testmotor): ab 92 500 €
  • Händlernachweis: www.beneteau.com

Das neuste Modell, das wir in Port Ginesta in Spanien testen dürfen, ist die Antares 8, die im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ausschließlich mit Außenbordmotoren erhältlich ist. Ihre Abstammung lässt die neue Antares natürlich weiterhin erkennen. Auch wenn der Halbgleiterrumpf nun ein reiner Gleiter geworden ist, so ist das Boot doch weiterhin ausgesprochen seetüchtig und funktional. Käufer können zwischen den Varianten „Cruising“ und „Fishing“ wählen. Der Unterschied liegt im Cockpit-Layout: In der Angler-Version wird die Sitzbank durch eine Fischputz-Konsole samt Köderbecken ersetzt.

Das Steuerhaus bietet dank der großen Fenster einen guten Rundumblick. 
Die kleine Pantry ist funktional, 
der Kocher und Kühlschrank kosten jedoch extraFoto: Johannes Erdmann
Das Steuerhaus bietet dank der großen Fenster einen guten Rundumblick. Die kleine Pantry ist funktional, der Kocher und Kühlschrank kosten jedoch extra

Optisch ist das neue Modell eher eine Weiterentwicklung der Vorgängerin: Das asymmetrisch angeordnete Seitendeck wurde verändert, die Fußreling abgeflacht, um mehr Trittfläche auf den jetzt 18 bzw. 26 cm breiten Seitendecks zu schaffen. Außerdem wurde die ins Deck eingeformte Sitzbank im Cockpit geteilt und in Module zerlegt. Die achtere Bank kann nach vorn geschoben werden, um den 250 PS starken Außenborder komplett aus dem Wasser zu klappen. Nach vorn hin ersetzt eine herausnehmbare Kühlbox die Sitzbank. Wenn noch mehr Sitzfläche benötigt wird, lässt sich das Cockpit dank einer Klappbank in der Bordwand kurzerhand zum U-Sofa oder mit einem etwas klapprigen Rohrgestänge und ein paar Polstern sogar zur Liegefläche umgestalten. Neu ist auch die Tür in der Bordwand an Steuerbord, die es einfacher macht, den Fisch an Bord zu bekommen oder Großmutter auf den Steg zu helfen. Als Verlängerung zum Kajütdach lässt sich ein Bimini auf­spannen, das das Cockpit sehr effektiv vor Sonne schützt.

Innen wirkt die Antares dank der großen Fensterflächen, grauen Polster und dezent dunkel angesetzten Holzflächen zugleich freundlich und hochwertig. Die Dinette auf der Bankbordseite lässt sich schnell zur etwas kurzen und schmalen (1,70 x 1,07 m), aber für Kinder geeigneten Liegefläche umbauen. Die Vorschiffskoje bietet leicht diagonal liegend eine mehr als ausreichende Fläche für gelegentliche Übernachtungen, doch das Polster ist mit 6 cm eher dünn bemessen. Wer herausfinden möchte, wie viele Leute in eine Antares 8 passen, der findet sogar halb unter der Dinette und von der Bugkabine zugänglich noch eine weitere Hundekoje, die in den meisten Fällen jedoch eher als sehr willkommener und geräumiger Stauraum für Ruten, Deckspolster und sonstiges Equipment dienen dürfte. Stauraum ist ansonsten in der Bugkabine nur in Form von Schwalbennestern vorhanden. Die Pantry verfügt in der Basisausstattung lediglich über eine Spüle mit Druckwasseranlage, doch ein Gas- oder Elektrokocher und ein Kühlschrank können zusätzlich bestellt werden.

Statt der Sitzecke kann im Heck eine große Liegefläche hergerichtet werden. Die Unterkonstruktion aus beschichteten Rohren wirkt jedoch ein wenig klapprigFoto: Johannes Erdmann
Statt der Sitzecke kann im Heck eine große Liegefläche hergerichtet werden. Die Unterkonstruktion aus beschichteten Rohren wirkt jedoch ein wenig klapprig

Bei der Probefahrt vor der katalonischen Küste herrschte wenig Wind, aber hohe alte Dünung, die die Rauwasser­eigenschaften des Bootes unter Beweis stellte. Die Kursstabilität erwies sich trotz des Gleiterrumpfs auch bei schneller Verdrängerfahrt von 2300 U/min, einem Verbrauch von rund 10 Litern pro Stunde und einer Geschwindigkeit von 6,8 Knoten als überaus gut, sodass die Antares 8 auch für Binnenfahrten auf Kanälen sehr gut geeignet sein dürfte. Zwischen 3800 und 4200 U/min geht das Boots langsam ins Gleiten über, wobei der Plattenanker kurz „ins Bild“ kommt, aber kaum die Sicht nimmt. Ab 4200 U/min läuft die Antares 8 in guter Gleitfahrt und erreicht bei 4500 U/min und 20 Knoten ihre wirtschaftlichste Geschwindigkeit. Mit ihren 340 Litern Benzin im Tank (15 % Reserve) besitzt sie bei einem immer noch relativ hohen Verbrauch von 2,16 Liter pro Seemeile eine Reichweite von etwa 133 Seemeilen. Als Höchstgeschwindigkeit messen wir 31,8 Knoten bei 5900 U/min, die wir allerdings nicht lange halten können, da die Antares beim Sprung über die hohen Wellen immer wieder recht heftig in die Wellen kracht.

Die Fahreigenschaften sind sehr fami­lientauglich. Mit ein wenig Trimm liegt das Boot angenehm auf der hydraulischen Lenkung und durchfährt alle schnellen Manöver passabel. Bei allzu engen Kreisen zieht der Propeller allerdings selbst mit Trimm unten ein wenig Luft. Schnelle Wenden, Slaloms und hektisches Verreißen gelingen tadellos. Der Fahrer hat jederzeit guten Halt in seinem fest gepolsterten Sitz, der Beifahrer hingegen muss sich etwas vorbeugen, um seinen Hal­te­griff zu erreichen.

Fazit

Die Antares 8 ist längst kein Angelboot mehr, sondern ein funktionales und bequemes Familien-Fahrtenboot, das sich auch gut zum Angeln eignet. Mit dem 250-PS-Suzuki ist es gut motorisiert und auch bei rauem Wetter gut zu fahren.

Noch mehr Informationen? Den Test der Beneteau Antares 8 OB finden Sie mit weiteren Bildern, Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 02/2022 – seit dem 12.01.2022 am Kiosk oder online im Delius Klasing-ShopDelius Klasing-Shop.