TestELex 610 - Das E-Boot aus Österreich

Ralf Marquard

 · 14.11.2016

Test: eLex 610 - Das E-Boot aus ÖsterreichFoto: Phillip Gätz

eLex 610 Elegance: ein schickes Runaboat, das für den Elektrobetrieb konstruiert ist. Der Antrieb stammt aus dem Hause Torqeedo.

Geht es um den Elektroantrieb, nehmen die meisten Werften ihre bestehenden Boote und bauen anstatt eines Verbrenners einen E-Antrieb ein. Anders die eLex 610, die, wie der Name schon verrät, für den Elektroantrieb konzipiert worden ist.

Dass die Kombination E-Motor und Sportboot durchaus eine schicke Angelegenheit ergibt, zeigt die Auszeichnung "German Design Award" der eLex 610. Verantwortlich für das Design und die Konzeption zeichnet das Hamburger Büro "iYacht".

Herausgekommen ist ein Runaboat, mit dem man Badetouren, ruhige, aber dennoch spritzige Ausflüge unternimmt oder sogar Wasserski läuft. Damit letzteres auch möglich ist, verpasst die Werft unserem Testboot eine 50-kW-Antriebseinheit "Deep Blue" aus dem Hause Torqeedo. Gespeist wird der Motor von zwei Hochvoltbatterien (345 V) mit einer Kapazität von jeweils 12,8 kWh.

Eigenschaften von E-Motoren sind das hohe Drehmoment, das für eine gute Beschleunigung sorgt und dem Wasserskiläufer in der Startphase entgegenkommt.

Während des Übergangs hebt sich der Bug nur wenig an und der Rumpf geht fast spürlos bei gut 20 km/h in Gleitfahrt über. Bei Hebel auf dem Tisch erreichen wir knapp 30 km/h. Angepeilt sind seitens des Konstrukteurs Höchstgeschwindigkeiten von etwa 40 km/h. Der Grund für den Unterschied ist schnell gefunden: Der Propeller ist einfach zu groß.

eLex 610: beim sanften Überfahren der Heckwelle
Foto: Werft

Mit angepasstem Propeller erreicht die eLex 40,9 km/h (Herstellerangabe) und hat eine Leistungsabgabe von 51,3 kW auf der Anzeige. Dieses Tableau sitzt am Fahrstand und zeigt zusätzlich noch wichtige Daten wie Geschwindigkeit, Restkapazität, -fahrzeit und -fahrstrecke an.

Wie bei den Verbrennungsmotoren, haben wir auch eine Reserve von 15 % eingerechnet. Das Gute an den verbauten Spezialbatterien ist, dass man sie tatsächlich bis zum letzten Prozent leerfahren kann, ohne dass sie Schaden nehmen oder große Leistungsverluste zeigen.

Zurück zu den Reichweiten: Es fällt schon auf, dass ab Beginn der Gleitfahrt die Strecken spürbar kürzer werden. Hier liegen die Entfernungen zwischen 17,8 km und gut 20 km. Wenn wir unsere Reichweitenkriterien zu Grunde legen, sollte ein 6 m langer Gleiter gut 110 km weit kommen.

Von diesem Wert ist die eLex in Gleitfahrt weit entfernt, diesen erreicht sie erst mit Verdrängergeschwindigkeiten um 7 km/h.

Ob nun schnell oder langsam unterwegs, überzeugen kann die geringe Geräuschkulisse und gute Geradeausfahrt, was das Reisen zur Entspannungstour macht. In schnellen Kreisen und Kurven zieht der Rumpf ohne zu mucken sauber seine Runden und die Lenkung bleibt immer leichtgängig.

Wer manövrieren will, muss dabei den Wind, besonders, wenn er seitlich auf den Bug drückt, beachten. Denn an unserem Testtag mit 3–4 Bft zeigten sich Wendekreise nur mit großen Radien oder gar nicht fahrbar und das Um- steuerverhalten recht schleppend bis überhaupt nicht möglich.

Gelenkt wird dabei an einem Drei-Speichen-Sportlenkrad, das recht tief sitzt. Damit fällt die Kniefreiheit für den 1,80 m großen Fahrer nur mäßig aus. Der dazugehörige schieb- und drehbare Sportsitz ist schnittig geformt und gepolstert. Gleiches Exemplar findet der Beifahrer auf seiner Seite, zum Festhalten bietet sich eine Griffmulde in der Wand an.

Vor Wind schützt die vorderen Plätze eine getönte Sicherheitsglasscheibe, an der wir einen Scheibenwischer vergeblich suchten. Die Instrumente lassen sich ordentlich ablesen, die Druckschalter mit Kontrollleuchten gut bedienen.

Den Motor vermutet man unter der riesigen Heckliegewiese. Doch hier wird man „enttäuscht" und findet die beiden Akkupacks sowie Ladeeinheiten. Der „Deep Blue" sitzt unter einer Bugklappe, die man einfach am Steg liegend öffnet und hineinklettert.

Von dort lassen sich Wasserfilter und Kühlwasserpumpe passabel erreichen. Kritik: Am Bodenventil für die Kühlung saß nur eine Schraubschelle. Die Elektroleitungen wurden vom Techniker hingegen mit einer ausreichenden Anzahl von Schellen (mit Kabelbindern) befestigt.

Als serienmäßige Sicherheitsausrüstung spendiert die Werft Handfeuerlöscher (2 kg) und elektrische Bilgenpumpe. Die wichtige Handlenzpumpe suchten wir vergeblich.

Im Cockpit nimmt man auf der Heckbank oder auf dem Fahrer- und Beifahrersitz Platz. Ein Tisch aus Plexiglas sieht gut aus, lässt sich jedoch nur aufbauen, wenn die beiden eben genannten Sitze gedreht (zum Cockpit) sowie ganz nach hinten geschoben werden.

Ansonsten stößt der Tisch an die Lehnen. Zum Festhalten bieten sich Griffmulden an, deren Größe für gestandene Männerhände einfach eine Nummer zu zierlich ausfallen. Für Badelustige stehen eine passend dimensionierte Badeplattform und -leiter zur Verfügung.

Wer nach dem Sonnenbad ein kühles Getränk wünscht, findet es in einer elektrisch betriebenen Kühlschublade.

In Sachen Rundumschutz geht die Werft den optisch attraktiven Weg. Soll heißen, die Niroleiste sieht super aus, überträgt die Impulse jedoch voll aufs Boot und federt nicht ab. Die Verarbeitung von letzterem macht einen soliden Eindruck. Bis auf wenige Ausnahmen stimmt diese Aussage für die gesamte Bootsverarbeitung.

Ach ja, wer gar nicht auf E-Motoren steht, kann das Boot auch mit Verbrennungsaußenborder bekommen.

Unser Fazit

Die eLex ist ein schickes Boot, das mit dem „Deep-Blue-Antrieb" zukunftsweisend unterwegs ist. Die Reichweite in Gleitfahrt ist jedoch immer noch mager und man muss die tägliche Reiseroute gut planen. Bei der Ausrüstung fehlen uns wichtige Sachen wie Handlenzpumpe und Verdeck. Top ist die Anzeige von Torqeedo, die den Fahrer über alle Betriebszustände und vor allem die verbleibende Reichweite sowie Akkukapazität informiert.

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Datenblatt: eLex 610

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