TestSea Ray Sundancer 320

Johannes Erdmann

 · 30.06.2022

Test: Sea Ray Sundancer 320Foto: Aaron Schreiber

Die Kraft der drei Herzen: Mit großem Cockpit, ihrer funktionalen Kabine und den drei Motoren ist sie zugleich Daycruiser und auch Weekender

Zugegeben: Das Wetter wird der Sea Ray Sundancer 320 während unseres Tests auf dem Main nicht im Ansatz gerecht. Es ist grau, kalt und nebelig. Dabei ist dieses Boot zweifelsohne für warme Gefilde gebaut, wie der Name Sun­dancer schon sagt. Doch als wir die Plane vom Boot ziehen und in das komplett mit echtem Teakholz ausgelegte Cockpit blicken, dann auf den mit weißem Kunstleder bezogenen Sitzbänken Platz nehmen, da geht zumindest in unseren Gemütern die Sonne auf. Plötzlich fällt es leicht, das Wetter auszublenden und sich die heiße Sonne Miamis über dem elektrischen Stoffdach vorzustellen.

Verlagssonderveröffentlichung

In warmen Gegenden spielt sich das Leben völlig an Deck ab, und höchstens zum Schlafen geht es in die Kabine. Deshalb ist das Cockpit der Sundancer 320 auch beeindruckend groß gestaltet. Bis zu zehn Personen finden während Tagesausflügen auf dem L-förmigen Sofa, den beiden Sitzbänken vorn und den drei Liegen im Bug Platz. Letztere sind nicht nur extrem komfortabel, sondern befinden sich sogar im Windschutz des Bugs, sodass beim Sonnenbaden während der Fahrt die Frisur (halbwegs) intakt bleibt. Die Liegefläche im Heck wirkt mit 1,36 x 0,66 Metern zunächst etwas knapp bemessen, doch vor Anker oder im Hafen lässt sich die Rückenlehne der Sitzbank kurzerhand beiseiteklappen und die Liegefläche auf ein angenehmes Maß verlängern. Wem das nicht reicht, der kann noch den ganzen Tisch absenken und das Cockpit zur großen Liegewiese umbauen.


Das Boot

  • Werft: Sea Ray/USA
  • Typ: Sundancer 320
  • CE-Kategorie: C/10 Personen
  • Rumpf und Deck: Kunststoff
  • Länge über alles: 10,31 m
  • Breite: 3,25 m
  • Verdrängung (o. Motor): 6.200 kg
  • Tiefgang: etwa 1,09 m
  • Durchfahrtshöhe: 3,00 m
  • Kraftstofftank: 833 l
  • Wassertank: 121 l
  • Fäkalientank: 106 l
  • Kabinen: 2
  • Kojen: 4
  • Kojenabmessungen: vorn 1,80 m x 2,10 m; achtern 2,05 m x 1,90 m
  • Stehhöhe/Sitzhöhe: Salon 1,91 m/0,86 –1,10 m; WC-Raum 1,86 m; unter Cabrio 1,92 m
  • Cockpitgröße: 4,00 m x 2,59 m
  • Sonnenliege: Heck 0,66 m x 1,36 m; Vordeck: 1,60 m x 1,61 m
  • Freibord: 1,44 m
  • Seitenhöhe Cockpit innen: 0,77 m
  • Wendekreise (Bootslängen): vorwärts Stb. 1 1/2 , Bb. 1 1/2; rückwärts Stb. 1, Bb. 1
  • Umsteuern: von Stb. nach Bb. 6 s; von Bb. nach Stb. 6 s
  • Testgewicht: etwa 7450 kg
  • max. Motorisierung: 3x Außenborder 184 kW (250 PS)
  • Testmotorisierung: Mercury Verado 250 XL-Schaft 184 kW (250 PS)
  • Preis (m. Testm.): 399.000 €
  • Vertrieb (Testboot): Boote Pfister GmbH, Wahlweg 6, 97525 Schwebheim/Schweinfurt, www.bootepfister.de

Der Steuerstand wird von zwei 12-Zoll-Plottern (Simrad) dominiert, die einen kompletten Überblick über alle Motor-, Schiffs- und Navigationsdaten geben. Wichtige Verbraucher wie Bilgepumpe, Positionslampen und der Motorstart lassen sich analog per Tastschalter betätigen.

Die Sea Ray Sundancer 320 ist sowohl mit Innen- als auch mit Außenbordern erhältlich. In der Variante mit zwei Innenbordern kann zwischen Mercruiser-Benzinern mit je 250, 300 oder 350 PS und 4,5 bzw. 6,2 Liter Hubraum oder Dieselmotoren mit 265 PS und 3,0 Liter Hubraum gewählt werden. Dem großen Trend folgend, ist die Sea Ray seit Kurzem auch mit Außenbordmotoren erhältlich: Entweder mit zwei Mercury Verado V8 mit 350 PS oder drei Verado V8 mit 250 PS. Der Aufpreis gegenüber den Innenbordmotoren ist nicht gering: Rund 67.000 Euro mehr kostet das Boot mit zwei 350-PS-Verado. Sollen wie bei unserem Testboot sogar drei Motoren ans Heck – was in europäischen Gewässern immer noch ein recht seltenes Bild ergibt –, dann sind noch mal 14.000 Euro mehr fällig.

Die drei Außenborder sorgen nicht nur für ordentlich Schub, sie vereinfachen (in Verbindung mit der Joystick-Steuerung) auch Hafenmanöver – und machen am Steg ordentlich was herFoto: Aaron Schreiber
Die drei Außenborder sorgen nicht nur für ordentlich Schub, sie vereinfachen (in Verbindung mit der Joystick-Steuerung) auch Hafenmanöver – und machen am Steg ordentlich was her

Wer das Boot mit Außenbordern bestellt, bekommt jedoch etwas für den Aufpreis: Serienmäßig ist das Boot dann mit dem ausgeklügelten Mercury-Joy­stick-Steuersystem ausgestattet, das direkt unterhalb des Gashebels montiert wird und enorm hilfreich ist beim Manövrieren im Hafen. Mit etwas Übung macht es sogar das (hier trotzdem vorhandene) Bug­strahlruder überflüssig. Drückt man den Joystick beispielsweise nach backbord, werden die Motoren elektronisch gesteuert auseinandergeklappt. Zwei Motoren drücken das Heck nach backbord, während ein Motor in die Gegenrichtung stabilisierend entgegenwirkt, sodass sich das Heck nicht dreht, sondern das gesamte Boot sich seitwärts bewegt. Zusätzlich ist das System mit dem Mercury Skyhook ausgestattet, ein GPS-gesteuerter, digitaler Anker, der das Boot auf Knopfdruck exakt auf der Stelle hält, während die Crew Leinen klariert, Fender einholt – oder in unserem Fall das Testprotokoll ausfüllt.

Während unserer Testfahrt liegt der Main glatt und windstill vor uns. Laborbedingungen. Wir schieben den elektronischen Gashebel, über den alle drei Motoren gleichzeitig gesteuert werden, langsam nach vorn. Schnelle Verdrängerfahrt liegt bei 1.500 U/min und 7,7 kn an, wobei sich das Boot als sehr kursstabil erweist. Zwischen 3.600 und 3.800 U/min geht die Sea Ray über in Gleitfahrt, hebt dabei die Nase nur wenig an – ohne Sichtbeeinträchtigung. Optimale Gleitfahrt erreicht das Boot bei 4.000 U/min und knapp über 30 kn Fahrt. Ihren wirtschaftlichsten Drehzahlbereich besitzt die SeaRay bei 4.500 U/min, 37 kn und einem Verbrauch von 3,77 Liter pro Seemeile. Dank großer Tankkapazitäten (833 Liter) besitzt das Boot dann eine Reichweite von 188 Seemeilen (plus 15 Prozent Reserve). Schiebt man den Gas­hebel weiter nach vorn, liegt bald bei 5.800 U/min die Höchstgeschwindigkeit von 48 kn an, fast 90 km/h. Natürlich werden die Motoren dann etwas durstiger (5,52 l/sm), und die Reichweite schrumpft auf 128 Seemeilen zusammen.

Die drei Liegen im Bug sind preis­verdächtig bequem und sogar halbwegs windgeschütztFoto: Julian Fietze
Die drei Liegen im Bug sind preis­verdächtig bequem und sogar halbwegs windgeschützt

Die Beschleunigung des sechs Tonnen schweren Bootes ist mit dieser größt­möglichen Motorisierung beeindruckend, Fahrer und Fahrgäste werden geradezu in die Ledersitze gepresst. Trotz der Größe ist die Sea Ray Sundancer 320 aber sehr spritzig und agil, lässt sich mit Wendekreisen von 1,5 Bootslängen vorwärts und nur einer Bootsslänge rückwärts in engen Häfen selbst ohne Joystick sehr gut manövrieren. Auch bei engen und schnell gefahrenen Kurven auf dem Main zeigt sich das Boot völlig unbeeindruckt.

Da das Boot mit Außenbordern ausgestattet ist, befindet sich unter der Sitzecke des Cockpits ein gewaltig großer Stauraum, den die Werft trotzdem zu füllen gewusst hat, denn das Boot besitzt eine Vollausstattung mit Klimaanlage, Heizung, und vielerlei anderen Extras, die in einer bemerkenswerten Sauberkeit installiert sind. Auch hat die Werft in Sachen Extras keine Kosten gescheut, und es finden sich solche Details wie eine permanente Wasserversorgung zum Steg.

Die Kabine bietet zwar wenig Stauraum, aber viel Wohnraum, der elegant, aber einfach gehalten ist, mit einem V-Sofa samt Tisch, einem geräumigen WC-Raum, Kühlschrank, Mikrowelle und zwei zu einer Doppelkoje umfunktionierbaren Einzelbetten unter dem Cockpit. Die Sitzhöhe ist hier mit 79 cm etwas knapp bemessen, aber ausreichend. Weil die Sitzbänke an Deck im Bug sehr tief angeordnet sind, wirkt das Raumgefühl in der Bugkabine auch etwas drückend. Durch die indirekte LED-Beleuchtung kann dieses Gefühl ein wenig kompensiert werden.

Die Kabine wirkt im Bug durch den Liegebereich an Deck ein wenig niedrigFoto: Julian Fietze
Die Kabine wirkt im Bug durch den Liegebereich an Deck ein wenig niedrig

Der Mittelpunkt des Lebens auf der Sea Ray Sundancer 320 liegt ganz klar im Cockpit. Dort befindet sich auch die Wetbar mit Waschbecken und einem elektrischen Grill (Aufpreis). Bei zu viel Sonne lässt sich über der Sitzecke sogar eine Segeltuch-Markise elektrisch ausfahren. Dann bleiben bei Schatten und einem frischen Windhauch kaum Wünsche offen.

Fazit

Mit dem großen Cockpit und der ansprechenden Kabine ist die Sea Ray Sundancer 320 zugleich Daycruiser für zehn Personen und Weekender für eine vierköpfige Familie. Als Schönwetterboot schrumpft der Wohnraum an Regentagen merklich zusammen, und der Aufpreis von 81.000 Euro für drei Außenborder (gegenüber den Serien-Innenbordern) will sicher auch dreimal überdacht sein – doch Beschleunigung, Fahreigenschaften und Lebensgefühl überzeugen. Außerdem wird man mit drei Motoren in vielen Häfen ein Hingucker sein.

Noch mehr Informationen? Den Test der Sea Ray Sundancer 320 finden Sie mit weiteren Bildern, Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 07/2022 – seit dem 15. Juni 2022 am Kiosk oder online direkt im Delius-Klasing-Shop.

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