Test: Solaris Power 44 OpenFoto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Solaris Power 44 Open

Dieter Wanke

 12/20/2021, Lesezeit: 4 Minuten

Großer Open-Air-Genuss: Die Edelwerft von der Adria hat nachgelegt. Nach der 48er kommt für Frischluftfreunde nun die 44 Open

Die italienische Edelwerft Solaris zeigt viel Dynamik bei ihren Neuentwicklungen und fertigt seit 2008 Motoryachten der Spitzenklasse. Die Produktion von Segelyachten reicht bis in die 1970er zurück. Nach rasantem Wachstum wird seit 2018 im neuen Werk in Aquileia an der nördlichen Adria gebaut. Aktuell wird die Open-Linie regelmäßig erweitert. Die 48 Open (Test in BOOTE 3/2021) ging als erstes Modell der Baureihe gleich als Siegerin ihrer Klasse beim „European Powerboat of the Year 2020“-Award hervor. Die 2021 in Cannes vorgestellte kleine Schwester 44 Open steht bereits auf der Liste der nominierten Boote für 2022, und eine 60 Open ist auch schon angekündigt. Die Gelegenheit, die neue 44 Open einem umfangreichen Test zu unterziehen, ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Der Steuerstand  ist aufgeräumt und lässt keine Wünsche offenFoto: Dieter Wanke
Der Steuerstand ist aufgeräumt und lässt keine Wünsche offen

Bei ihren Motoryachten orientierte sich die Werft ursprünglich an Klassikern wie den amerikanischen Hummerbooten. Die aktuellen Modelle zeigen eine deutlich modernere Interpretation der Linienführung. Die Fahreigenschaften blieben dagegen näher am Original. Die Open-Linie basiert auf einem Walk-Around-Konzept. Der Fokus liegt also auf dem Genuss der Elemente bei viel Sonne auf dem Hauptdeck. Mit anderen Worten, es handelt sich um Schönwetterboote. Der Sonnenspaß beginnt im Heck mit einer auf Wunsch erhältlichen, vergrößerten Badeplattform. Der Eigner wählte auch die Option, eine elektrische Gangway montieren zu lassen und verzichtete auf die ansonsten immer vorhandene manuelle Badeleiter. Ein Sicherheitsmangel, den wir nicht nachvollziehen können. Es schließt eine große Sonnenliege an, die dann unmittelbar in eine Dinette für sechs Personen übergeht. Der Klapptisch ist eine Option. Durch die beidseitigen breiten Gangborde lässt sich das gesamte Hauptdeck bequem begehen. Hohe Bordwände und Handläufe sorgen an vielen, aber nicht allen kritischen Stellen für die Absicherung der Passagiere. Das Fehlen von Hecktüren kann ebenfalls nicht überzeugen. Vor der Sitzgruppe befindet sich eine Freiluftküche mit Waschbecken. Optional werden Kühlschränke, Icemaker sowie ein Induktionskochfeld oder ein Elektrogrill montiert. Die Kons­truktion befindet sich hinter den drei Einzelsitzen am Steuerstand und trägt auch das T-Top. Im Standgas fiel ein leichtes Schwingen des Daches ins Auge, was aber bei Fahrt verschwand.

Im Bug  warten Sitz- und LiegeflächenFoto: Dieter Wanke
Im Bug warten Sitz- und Liegeflächen

Der zentrale Steuerstand verfügt über ein 12-Zoll-Display, ein weiteres wird auf Wunsch montiert. Wichtige Funktionen werden direkt über Schalter bedient. Ein manueller Kompass ergänzt die elektro­nische Navigation. Die Acrylglas-Windschutzscheibe gibt einen guten Windschutz, aber der Wetterschutz hat bei einer solchen Konstruktion natürlich seine Grenzen, und Scheibenwischer gibt es nicht. Auf dem Vordeck wartet eine weitere großzügige Sonnenliege auf Crewmitglieder. Davor befindet sich noch ein Polstersofa mit freiem Ausblick über den Bug. Die Gemächer werden über den Niedergang an der Steuerbordseite der Zentralkonsole erreicht. Hier gibt es je nach Eignerwunsch verschiedene Optionen. Das Testboot war mit einer Doppelliege im Bug ausgerüstet, alternativ ist hier auch eine Sitzgruppe bestellbar. Mittschiffs ist immer eine komplette Nasszelle mit Dusche montiert. Dahinter befindet sich dann eine weitere Unterflurkabine, die offen oder geschlossen bestellt werden kann. Hier kann zwischen der Option mit Doppelliege und Sofa sowie der Variante mit zwei Einzelkojen gewählt werden. Lattenroste zur Belüftung der Matratzen sind nicht verbaut. Die Stehhöhe liegt überall zwischen 1,90 und zwei Meter, auch in einem kleinen Bereich der hinteren Kabine.

In der Unterflurkabine sind wahlweise eine Doppelkoje mit Sofa oder zwei Einzelkojen bestellbarFoto: Dieter Wanke
In der Unterflurkabine sind wahlweise eine Doppelkoje mit Sofa oder zwei Einzelkojen bestellbar

Kommen wir zur Technik. Alle Komponenten sind vorbildlich montiert. Zwei elektrische und eine manuelle Bilgenpumpe, Feuerlöscher und manuell sowie elektrisch abstellbare Kraftstoffhähne sorgen für Sicherheit. Ein Luk für Notausstiege ist nicht vorhanden. Der übersichtliche Schaltschrank für die gesamte Elektrik ist gut zugänglich direkt am Niedergang verbaut. Im Testboot ist die Spitzenmotorisierung in Form von zwei Volvo-Penta-D6-IPS 650-Pod-Antrieben mit je 353 kW (480 PS) verbolzt, die für einen Grundpreis von 741 727 € eingebaut werden. Mit allen Extras lag die Probandin aber gut 200 000 € darüber. IPS 500 oder 600 stehen wahlweise zur Verfügung. Nach zügiger Beschleunigung ist nach neun Sekunden bei 2700 Umdrehungen und 20 kn die stabile Gleitfahrt erreicht. Insgesamt 17 Sekunden vergehen, bis bei 3640 Touren die Spitzengeschwindigkeit von 34,2 kn anliegt. Dass die Maximaldrehzahl nicht ganz erreicht wurde, lag am verschmutzten Unterwasserschiff. Manövrieren ist durch den Joystick kein Problem, lässt sich aber auch manuell gut bewerkstel­ligen. Der Geradeauslauf bei langsamer Fahrt ist sehr gut. Schnelle Vollkreise sind antriebsbedingt nur mit großem Durchmesser von etwa zehn Bootslängen fahrbar. Der Rumpf taucht angenehm weich in die Wellen ein und sorgt so für einen guten Fahrkomfort. Eine angenehme Reisegeschwindigkeit ermitteln wir bei 3000 Umdrehungen mit 25,4 kn. Dabei saugen die Maschinen stündlich 117 Liter aus dem 1200-Liter-Reservoir, was nach Abzug einer 15-prozentigen Reserve einen nicht besonders großen Aktionsradius von gut 220 Seemeilen ermöglicht. Die nächste Tankstelle sollte bei längeren Törns also immer im Visier sein.

Noch mehr Informationen? Den Test der Solaris Power 44 Open finden Sie mit weiteren Bildern, Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 01/2022 seit dem 15.12.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.