175-PS-Motorentest 175-PS-Motorentest

Außenborder Motorentest

Die Abstimmung macht's - Seite 2

Peter Lässig am 20.08.2018

Bei Leichtathleten macht der Schuh das Laufgefühl und entscheidet über das Ergebnis oder über Sieg und Niederlage. Bei Booten ist das der Propeller; er bestand bei allen Testkandidaten aus Edelstahl. Hier haben nicht nur unsere Telemetriedaten klare und interessante Unterschiede aufgezeigt, wie die Kraft letztlich ins Wasser kommt und die 175 PS jeweils umgesetzt wurden.

Zumindest bei den Beschleunigungswerten fällt Yamaha auf. Betrachtet man die Werte bei 10 km/h und 20 km/h, betrifft dies auch Evinrude, dessen Propeller – der einzige mit Beschleunigungsöffnungen an der Nabe – doch merklich länger brauchte, was sich insbesondere im Vergleich Drehzahlen zu l/km bei 1500 bis 2500 U/min deutlich abzeichnet.

Was die Beschleunigung angeht, hat Suzuki mit seiner Propeller-Motor-Abstimmung allen Beteiligten gezeigt, wie’s gemacht wird. Der Motor beschleunigte am schnellsten von 0 auf 70 km/h (8,85 s) und benötigte dafür die kürzeste Strecke (103 m). Gleich dahinter folgt Mercury mit 10,48 s und 130,02 m. Honda schlägt mit 138,32 m Evinrude mit 140,01 m, und das, obwohl beide die gleiche Zeit (11,37 s) brauchen. Den größten Anlauf benötigt Yamaha mit 164,62 m und 13,9 s.

Bei der Höchstgeschwindigkeit haben alle Kandidaten die für diese Bootsgröße beachtliche 80-km/h-Marke übertroffen. Spitzenreiter ist Evinrude (85,7 km/h), gefolgt von Yamaha (84,8 km/h). Danach teilen sich Honda und Mercury den Platz auf dem Podest (83,6 km/h). Die geringste Maximalgeschwindigkeit registrierten wir bei Suzuki mit 81,1 km/h.

Interessant ist ein Vergleich der jeweiligen Drehzahlen. Bei Yamaha haperte es zwar etwas bei Beschleunigung, an der Höchstgeschwindigkeit jedoch nicht, oder anders gesagt, die Qual der Propellerwahl fiel zugunsten der Höchstgeschwin­digkeit aus, sodass der Motor bei erlaubten 5000 bis 6000 U/min maximal 5400 U/min erreichte.

Honda brauchte am zweitlängsten, um auf Touren zu kommen; hier haben sich die Techniker bei erlaubten 5000 bis 6000 U/min bei der Abstimmung für den unteren Drehzahlbereich entschieden und mit 5400 U/min reichlich Luft nach oben gelassen. Nicht ganz so viel Spielraum ließ sich Evinrude (5000 bis 6000 U/min), dessen Motor nicht höher als 5700 U/min drehte. Dagegen nutzte Mercury (5800 bis 6400 U/min) das Drehzahlband bis auf 100 U/min Reserve fast vollständig aus; Suzuki dagegen (5500 bis 6100 U/min) ließ seinen Motor bis zur Maximaldrehzahl am oberen Anschlag arbeiten.

Während Honda, Suzuki und Yamaha nur mit manuellem Powertrim zu fahren sind – der Fahrer drückt hier also selbst den Knopf am Schalthebel –, bieten sowohl Evinrude (serienmäßig) als auch Mercury (gegen Aufpreis) ein automatisches Powertrimsystem an. Beide verfügen über Programme, die in mehreren Stufen oder Profilen auf das jeweilige Boot eingestellt werden können und es passend trimmen, aber zusätzlich noch ein individuelles Feintuning ermöglichen.

Evinrude benutzte das allgemeine Programm für den Test, das für jeden Normalbootfahrer gut gepasst hätte. Wir haben allerdings darauf verzichtet und selbst getrimmt. Mercury optimierte dagegen sein "Active Trim-Kit" während einer sehr ausgiebigen Testfahrt mittels Laptop.

Wir sind damit eine mittlere Stufe und die höchste (auch als "aggressive Trimmung" bezeichnet) gefahren und müssen unumwunden zugeben, dass die Jungs von Mercury am Testboot ganz Arbeit geleistet hatten. Aber es geht nichts über den sensiblen Daumen des Testers: Bei den Beschleunigungswerten wurde dieser zwar von Mercury ganz knapp (um 0,1 s!) geschlagen, dafür konnte er bei der Höchstgeschwindigkeit noch ein gutes Stück draufpacken und der Elektronik zeigen, wie und wo es langgeht.

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Peter Lässig am 20.08.2018