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Außenbordmotoren

Außenbordmotoren: 5 PS im Test

Erich Bogadtke am 25.12.2013

Die Fünf-PS-Klasse trifft sich für den Vergleichstest im kleinen Kreis: Mercury, Suzuki, Yamaha und Tohatsu haben ihre Motoren ins Rennen geschickt.

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Fotostrecke: 5-PS-Außenborder: Die Messewerte

War doch klar", sagen die, die es schon vorher wussten. Für diejenigen, die nach der neuen Führerschein-Verordnung nicht in den Abgesang auf die 5er einstimmen wollen, ist die Anwesenheitsliste in diesem Vergleichstest eine riesige Enttäuschung.

Selva, zumindest vom Namen her ein Großer, lässt die Einladung der BOOTE-Tester wieder einmal unbeantwortet. Gleiches gilt für Parsun, der mit preiswerten Yamaha-Oldies, made in China, den Markt aufmischen wollte. War wohl nix! Funkstille zunächst auch bei Honda. Die Absage mit der Begründung "Mit unserem 5er kommen wir eh nicht auf die Bestenliste" kommt erst an Tag 1 der Testwoche und auch nur auf telefonische Nachfrage.

Da stellt sich die Frage, avanciert die 5-PS-Klasse, nachdem sie das Prädikat "stärkster führerscheinfreier Motor" Ende letzten Jahres an die 15er abgeben musste, zum Mauerblümchen? Die Antwort ist nein. Ein 5-PS-Außenborder wiegt nur halb so viel wie ein 15er und lässt sich deshalb viel leichter am Notspiegel montieren oder in der Backskiste verstauen. Damit ist er der ideale Beiboot- oder Reservemotor. Klar, mit einem 15-PS-Motor können Sie mehr anfangen (siehe Test in BOOTE 10/12), nur ist der Spaß rund doppelt so teuer.

Überzeugt vom Können ihrer Motoren und den Verkaufszahlen, stellen sich die Kandidaten Mercury, Suzuki, Tohatsu und Yamaha den Herausforderungen eines Vergleichstests. Mitzubringen sind eine Auswahl an Propellern, eine Handstarteinrichtung und ein Schaft mit 381 mm Länge, weil beides perfekt zum Testboot, einer Grand Corvette C 360 (Bootstest in BOOTE 7/13), passt. – Wer die technischen Daten studiert, wird bei Mercury und Tohatsu mit Ausnahme des Gewichts und des Preises exakt die gleichen Werte finden. Das muss so sein, gehen doch beide mit nahezu baugleichen Motoren an den Start.

Die Ausstattung der Motoren

Das Gleichheitsprinzip, das trifft auf alle Testmotoren zu, gilt auch für Bauart und Ausstattung der Viertakt-Ottomotoren. Die Mitglieder des Test-Quartetts besitzen nur einen Zylinder, einen Vergaser mit manueller Kaltstarteinrichtung (ChokeKnopf), elektronische Zündung, einen integrierten Tank aus Kunststoff und
ein Getriebe, das sich in "vorwärts", "neutral" und "rückwärts" schalten lässt. Standard sind auch Wasser-/Einkreis-Kühlung, ein Propeller, Flachwasser-Trimmposition und der Steckanschluss für einen externen Tank. Die Ladespule, die den Strom für die Navigationslaternen liefert, ist dagegen bei den nur als Handstarter angebotenen Fünfern immer ein Extra.

Zum Thema Sicherheit

Ein Muss sind die Startsperre, die verhindert, dass der Motor mit eingelegtem Gang angezogen werden kann, und der Notstoppschalter (Quickstop), ohne den der Motor sofort ausgeht oder gar nicht erst anspringt, und dessen Reißleine während der Fahrt immer "am Mann" (Handgelenk, Bein- oder Gürtelschlaufe) sein sollte. Darüber, dass keiner der getesteten Quickstops schwimmt, ärgert man sich spätestens dann, wenn Leine und Anhängsel über Bord gegangen sind und der Motor deshalb nicht mehr gestartet werden kann. – "Fehlstart" oder besser gesagt "Fehlanzeige" steht bei den Testmotoren auch hinter dem Stichwort Schaltsperre. Sie verhindert, wenn es sie denn gäbe, dass das Getriebe mit hohen Drehzahlen geschaltet werden kann. Das wäre gut fürs Getriebe und die Sicherheit.

Letztere kann beim Yamaha auch unter dem fehlenden Bordwerkzeug leiden. Was soll man tun, wenn die Handstarteinrichtung ihren Geist aufgibt und ohne Werkzeug nicht abgebaut werden kann? Das mitgelieferte Notstartseil allein hilft dann wenig. Die Test-Konkurrenz hat in diesem Punkt deutlich mehr zu bieten, Mercury und Tohatsu sogar eine Ersatzzündkerze. Darüber, wie man Werkzeug, Seil und Kerze im Notfall am besten einsetzt, wie man die Mini-Einweg-Spritfilter wechselt und wie man die Motoren in der Praxis richtig und sicher bedient, informieren mehrsprachige (Deutsch ist immer dabei) und gut illustrierte Handbücher.

Das Gewicht

Bringt man die Motoren fahrfertig (mit Motoröl, Kraftstoff und Propeller) auf die Waage, bleibt deren Zeiger spätestens bei 28,6 kg (Yamaha) stehen. Unter der 27-kg-Marke bleibt hier allein der Tohatsu. Wer kräftig zupacken kann, hat auch wegen der ausreichend großen und gut verrundeten Transportgriffe mit diesen Gewichten weder bei der Montage noch beim Landgang ein Problem. Das bekommen leider auch Langfinger erst dann, wenn ein solides Vorhängeschloss in die Knebelschrauben eingehängt wird. Sollte sich der Motor während der Fahrt selbstständig machen, ist man mit einer Sicherheitsleine – eine Öse dafür gehört überall zum Standard – auf der sicheren Seite. 

Anders als beim Preis, bei dem zwischen teuer (Suzuki) und billig (Mercury) gerademal 81 Euro liegen, gibt es bei den Laufzeiten der Garantie deutliche Abstände. Klassenprimus ist auch hier der Mercury, dessen Garantiezeit erst nach fünf Jahren endet. Bei der Testkonkurrenz ist zwei Jahre früher Schluss. 
Der aufblasbare Praxis-Prüfstand, die Grand 360, ist 3,60 m lang und wiegt, ausgestattet mit einem Holz-Einlegeboden, 78 kg.

Die Leistungswerte

Das heißt, rechnet man Fahrer, Motor und Test-Equipment dazu, müssen die Testkandidaten rund 200 kg bewegen. Mit dem passenden Propeller ausgestattet (Volllastdrehzahl im oberen Drittel der Herstellerempfehlung) und richtig getrimmt (dafür gibt es einen Bolzen, der in fünf oder sechs verschiedene Positionen gesteckt werden kann) für keinen der Testmotoren eine Schwierigkeit. Ins Gleiten kommen sie alle – und zwar mühelos. Mühelos heißt "ohne Krabbelei nach vorn und ohne endlose Übergangsphase".

Die besten Sprinter sind Tohatsu (23,9 km/h) und Mercury (23,4 km/h), Suzuki und Yamaha laufen den beiden hinterher. Als wirtschaftlichste und komfortabelste Gleitfahrt erweist sich Tempo 15 km/h. Wer nur wenig mehr als einen Liter Sprit dabeihat, muss sparsam damit umgehen. Dass kann keiner so gut wie der schnelle Tohatsu. Soll heißen, seine 0,08 l/km sind in diesem Test die Bestmarke und verschaffen ihm eine Reichweite von 13,8 km. Die Test-Konkurrenz landet  mit 0,09 l/km im Gleichschritt knapp dahinter. Dass der Suzuki  in puncto Reichweite (16,7 km) alle Konkurrenten deutlich hinter sich lässt, liegt allein daran, dass er den größten (1,5 l) Tank besitzt. Den Ausreißer nach unten liefert hier der Yamaha, dem im Volllastbereich schon nach 8,5 km die Puste oder besser gesagt der Sprit ausgeht.

Die Geräuschentwicklung

Komfort definiert sich nicht allein in diesem Test in der Hauptsache über den Lärmpegel und die Laufkultur. Nimmt man die in Gleitfahrt gemessenen Werte und den Ton zum Maßstab, heißt der Testsieger in diesem Punkt Suzuki. Mercury und Tohatsu sind im Volllastbereich lauter und klingen insgesamt rauer. Auch Yamahas 5er ist kein Leisetreter und ärgert dazu den Fahrer im unteren Drehzahlbereich (bis 10 km/h) mit deutlich spürbaren Vibrationen in der Pinne.

Seine Qualitäten als Notfall-Motor muss das Test-Quartett an einer Rio 580, einem 5,80 m langen und 1200 kg schweren Kajütboot beweisen. Dass dabei ein Propeller mit geringer Steigung und großem Durchmesser von Vorteil ist, zeigen die Ergebnisse des Mercury, der, obwohl alle Hersteller über diese Prüfungsaufgabe informiert waren, als Einziger einen echten Schubpropeller im Testpropellerangebot hat. Das Ergebnis: Die Rio erreicht damit im strömungsfreien Wasser 7,5 km/h, stoppt sehr schnell auf und wechselt beim Anlegen in Vor- und Rückwärtsfahrt mühelos die Drehrichtung (Umsteuern).

Der Pfahlzug

Der Pfahlzug, die elektronisch gemessene Zugkraft, dokumentiert mit 61 Kilonewton (kN) die Stärke des Mercury. Ihm am nächsten kommt der Suzuki, der die gleichen Manövriereigenschaften besitzt, aber etwas langsamer (7,1 km/h) und nicht ganz so zugkräftig (57 kN) ist. Tohatsu und Yamaha wirken beim Manövrieren mit der Rio spürbar angestrengt, was sich weniger in der Lautstärke als in der Propellerventilation ausdrückt. Bei der Geschwindigkeit mit 6,6 km/h noch knapp vor dem Yamaha, zeigt der Tohatsu beim Pfahlzug deutliche Schwächen. Das heißt, er landet mit 48 kN hinter dem Yamaha, der mit 55 kN an der Waage zieht, abgeschlagen auf Platz vier. Bleibt zu sagen, dass die Ursache für die bei allen Motoren mehr oder weniger spürbare Propellerventilation allein in der Höhe des Not-Spiegels der Rio zu suchen ist.

Die Handhabung

Bei der Handhabung überzeugt zuerst einmal das gute Startverhalten der Motoren. Setzt man den Choke richtig, das heißt nur im kalten Zustand, ein, gibt es keine kräftezehrende Reißerei am Starterseil und keine Rauchwolken. Beim Lenken und Gasgeben heißt die Devise "Take it easy": Die Leichtgängigkeit der klappbaren Pinnen und der handigen Drehgriffe ist einstellbar. Bei der Getriebeschaltung können nur die an der rechten Motorseite montierten Handhebel von Suzuki und Yamaha überzeugen. Sie sind gut erreichbar und lassen sich leicht und exakt bewegen. Die Kritik an den vorn angebauten Hebeln von Mercury und Tohatsu zielt allein auf die kurzen Schaltwege: Man schaltet damit beim Anlegen (zu) schnell über die Neutral-Position hinweg.

Fazit: Das Test-Quartett überzeugt mit kompakten Abmessungen und Gewichten, einfacher Handhabung und ausreichender Sicherheit und erfüllt damit die wichtigsten Anforderungen, die an einen Beiboot- und/oder Reservemotor gestellt werden. Tester’s Liebling ist der Suzuki. Er ist in Sachen Preis und Garantie nicht die Nummer 1, bietet aber mit Laufkultur,  Bedienkomfort, Wirtschaftlichkeit, Reichweite und Zugkraft das kompletteste
Gesamtpaket. Zweiter, aber alles andere als zweite Wahl, ist Tohatsus MFS 5 CS, der schnell, leicht und sparsam ist und nur beim Schalten und beim "Pfähle ziehen" deutliche Schwächen zeigt. Für den baugleichen und nur wenig langsameren Mercury sprechen Preis und Propellerangebot, das ihn beim Pfahlzug zum Test-Primus macht. Das größte Plus des Yamaha ist sein Bedienkomfort. Dass er den-noch in diesem Test nur Vierter wird, liegt an der Summe aus Vibration, Kraftstoffverbrauch, Gewicht, Geschwindigkeit und der nicht gerade üppigen Zugkraft.

Erich Bogadtke am 25.12.2013